Corona-Schließungen

Vorschlag aus dem Bucerius: Wie Museen wieder öffnen könnten

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Im Bucerius Kunst Forum warten derzeit 80 Braque-Gemälde darauf, betrachtet zu werden. Wegen der Corona-Schließungen in Hamburg ist das aber nicht möglich.

Im Bucerius Kunst Forum warten derzeit 80 Braque-Gemälde darauf, betrachtet zu werden. Wegen der Corona-Schließungen in Hamburg ist das aber nicht möglich.

Foto: Marcelo Hernandez

Michael Göring schlägt eine neue Regelung vor. "Alkoholbasierte Massenverbrüderung vor Kunstwerken" sei nicht zu erwarten.

Hamburg. 80 Gemälde von Georges Braque, überwiegend ausgeliehen aus dem Pariser Centre Pompidou, hängen derzeit im Bucerius Kunst Forum neben dem Rathaus. „Und keiner kann sie sehen.“ Die Schließung der Museen und Ausstellungshäuser betrübt Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der Zeit-Stiftung, die das Hamburger Ausstellungshaus finanziert. Er schlägt nun „ein inzidenzbasiertes Öffnungsmodell“ vor.

Kulturschaffende in Hamburg fordern Öffnung der Häuser

Am Wochenende hatten bereits zahlreiche Hamburger Intendanten, Dirigenten und Museumsdirektoren in einem gemeinsamen Offenen Brief an den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gefordert, die Kultur „leben zu lassen“, Kultureinrichtungen zügig wieder zu öffnen und zumindest doch für die „Aufhebung“ der Freiheit der Kunst „eine besondere Begründung“ zu finden: „Wir bitten Sie, sich dafür einzusetzen, dass der vom Gesetzgeber selbst formulierte Rang von Kunst, Kultur und Bildung bei den unmittelbar bevorstehenden politischen Beschlüssen tatsächlich Berücksichtigung findet.“

Michael Göring ergänzt das nun um ganz konkrete Öffnungsvorschläge für die Museen: „Natürlich ist es zum Aufatmen noch zu früh, natürlich hat uns die Pandemie weiterhin im Griff. Doch sind die Zahlen für Hamburg bei allen Schwankungen nicht ganz so schlecht“, meint Göring.

Sein Vorschlag: Sinke die Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Tagen „auf unter 140 pro 100.000, öffnen zunächst die Museen und Ausstellungshallen, die auf großen Flächen einer begrenzten Anzahl von Besuchern allseits geschützt einen Kulturgenuss ermöglichen können“.

Viele Museen hätten überzeugende Corona-Hygienekonzepte

Nicht nur das Bucerius Kunst Forum, dessen Ausstellungsfläche knapp 900 Quadratmeter umfasst, habe ein überzeugendes Hygiene- und Pandemieschutzkonzept. Mehr als neun Mal pro Stunde werde die Luft in der Halle ausgetauscht, mehr als 99 Prozent der luftgetragenen Bakterien und Viren würden über eine mehrfache Filterung entfernt.

„Damit erreicht das Kunst Forum mehr als den vom RKI geforderten luftbehandelten Zustand.“ Andere Museen wie die Hamburger Kunsthalle hätten ähnliche Werte vorzuweisen.

Corona in Deutschland und weltweit – die interaktive Karte

Göring schlägt nun konkret vor, bei einer Inzidenz von unter 140 nur jeweils einen Besucher auf 20 Quadratmeter zuzulassen, was im Bucerius Kunst Forum bedeuten würde, dass nicht mehr als 45 Gäste zur selben Zeit vor den Gemälden stünden.

Bei geringeren Infektionszahlen würden die Besucherzahlen in der Folge gestaffelt erhöht werden. „Selbstverständlich wären Eingang und Ausgang entkoppelt, selbstverständlich würden alle im Haus Maske tragen, und die Aufsichten würden das Einhalten von Abständen überwachen.“

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"Sich für kurze Zeit vom Corona-Mehltau befreien"

Auf diese Weise hätten „über den ganzen Tag verteilt einige wenige Hundert Personen die Gelegenheit, sich in einer Ausstellung inspirieren zu lassen, sich für kurze Zeit vom Corona-Mehltau zu befreien, Mut zu schöpfen, den Augen und Sinnen Lust zu gönnen in diesen dunklen Covid- und Wolken-verhangenen Wintertagen“, so Göring.

Einen kleinen Seitenhieb kann er sich zudem nicht verkneifen: „Eine etwaige alkoholbasierte Massenverbrüderung vor den Kunstwerken unter Missachtung der Abstandsregeln ist bei einer Georges-Braque-Ausstellung nicht zu befürchten, eventuelle Ansätze dazu würde das Aufsichtspersonal sogleich unterbinden.“

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