Musiktipps

Neue Alben: Wärmender Jazz für die dunkle Jahreszeit

Diana Krall liefert Klassiker zum Ins-Kaminfeuer-Blicken

Diana Krall liefert Klassiker zum Ins-Kaminfeuer-Blicken

Foto: Mary-McCartney

Seelenvolle Musik voller Oh-ist-das-schön-Momente: Alben von Diana Krall, Simin Tander und Bettye LaVette für Momente der Einkehr.

Hamburg. Je kürzer die Tage, desto größer das Bedürfnis nach einem Rückzugsort, nach Behaglichkeit und Wärme – das war schon vor Corona so. Und schon immer gab es Musik, die sich für diese Momente der Einkehr ganz besonders eignet. Aktuell ist das etwa „Unfading (Jazzhaus) von Simin Tander. Die deutsch-afghanische Sängerin hat ein intensives, bisweilen geradezu sakrales Album aufgenommen, auf dem sie eigene wie fremde Lyrik vertont, darunter ein Gedicht von Sylvia Plath.

Jede einzelne Note habe sie zele­brieren, auch die Stille sprechen lassen wollen, sagt Simin Tander. Das ist ihr gelungen, mehr Binnenspannung geht kaum – was auch für ihre dem rebellischen Original sehr ferne Version von Bob Dylans „The Times They Are A-Changin‘“ gilt. Ein Extralob verdient sich die sensibel begleitende Band: Björn Meyer (Bass), Samuel Rohrer (Schlagzeug) und Jasser Haj Yussef (Viola d’Amore).

Diana Krall: Bei diesem Album verliert die Novemberdüsternis sofort ihren Schrecken.

Klassiker zum Ins-Kaminfeuer-Blicken liefert Diana Krall seit vielen Jahren, und das ist keineswegs despektierlich gemeint. Die leicht verhangene Stimme der Amerikanerin, die häufig klingt, als sei sie gerade aufgestanden (was durchaus sexy ist), hat einfach Klasse. Und während andere für immer wieder eingespielte Nummern wie „Autumn In New York“ und „Singing In The Rain“ nur noch ein Gähnen ernten, gelingt es Diana Krall stets, bisher ungehörte Nuancen herauszukitzeln.

Aufgenommen wurden die zwölf Songs von The Dream Of You (Verve) bereits 2016/17, unter anderem mit Bassist Christian McBride und Gitarrist Marc Ribot, aber sie sind weit davon entfernt, verzichtbare Studio-Überbleibsel zu sein. Im Gegenteil: Bei diesem Album verliert die Novemberdüsternis sofort ihren Schrecken.

Bettye LaVette: Ein Album wie eine kuschelige Kaschmirwolldecke

Gleiches lässt sich über Blackbirds (Verve) von Bettye LaVette sagen, nur dass hier noch die besondere Wärme des Soul hinzukommt. Die 74-Jährige, die ihre erste Platte mit 16 aufnahm, kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken, unter anderem an der Seite von James Brown, hat sich mit Soloveröffentlichungen jedoch rar gemacht.

Hier liefert sie nun eine sehr persönliche Geschichtsstunde und singt Lieder all jener, die sie in den vergangenen Jahrzehnten als Sängerin beeinflusst haben. Natürlich ist Billie Holiday dabei, aber auch Nina Simone, Della Reese, Dinah Washington und Nancy Wilson – einige der größten Stimmen des Jazz, denen Bettye LaVette ihre Referenz erweist. Ein Album wie eine kuschelige Kaschmirwolldecke.