Lockdown in Hamburg

Corona-Krise: "In Korea waren die Kinos nie geschlossen"

Matthias Elwardt, Chef der Zeise-Kinos in Hamburg, sitzt in einem leeren Filmsaal.

Matthias Elwardt, Chef der Zeise-Kinos in Hamburg, sitzt in einem leeren Filmsaal.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Zwar wird in Hamburg noch gedreht – aber nur fürs Fernsehen. Zeise-Chef appelliert: "Wir brauchen dringend eine Perspektive."

Hamburg. Die Filmbranche ächzt unter den immer massiveren Auswirkungen der Corona-Pandemie. Dreharbeiten für Kinofilme gibt es zurzeit in der Hansestadt nach Angaben der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein zwar nicht. Was aber produziert wird, sind neue Folgen der Serien-Dauerbrenner „Großstadtrevier“ (ARD) und „Notruf Hafenkante“ (ZDF). Schauspieler und Crews werden ständig getestet.

Am härtesten treffen die Lockdown-Auswirkungen natürlich die Kinos, die ab Montag wieder für mindestens einen Monat schließen müssen. Matthias Elwardt, Geschäftsführer der Zeise-Kinos, sagte: „Kinos sind sichere, kulturelle Orte mit sehr viel frischer Luft und mit einem überzeugenden Hygienekonzept. Weltweit hat sich bis heute kein Gast hier angesteckt. In Korea beispielsweise sind Kinos nie geschlossen worden. Der Schaden für die gesamte deutsche Kulturlandschaft ist auch langfristig immens. Wir brauchen dringend eine Per­spektive! Die Kultur ist ein wichtiges Lebens­mittel!“

Kino in der Krise durch Corona: "existenzielle Bedrohung"

Auch die Filmverleiher leiden enorm: So schreibt die Grandfilm aus Nürnberg, die eigentlich in der kommenden Woche den Berlinale-Sieger „Doch das Böse gibt es nicht“ von Regisseur Mohammad Rasoulof in die Kinos bringen wollte: „Wir finden es wichtig, auch in solchen Zeiten und unter erschwerten Bedingungen Kinokultur sichtbar zu machen.“

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Daher habe man sich im Juli dazu entschieden, den Gewinner des Goldenen Bären im Herbst zu starten. „Wir haben in den letzten drei Monaten auf den Start hingearbeitet und fast eine Viertelmillion Euro in den Film investiert. Dass wir ihn jetzt nicht auswerten können, stellt für uns eine existenzielle Bedrohung dar.“

Die Politik müsse dringend praxisnahe Mittel und Wege finden, die Kinobranche zu unterstützen – „mit einem Hilfspaket, das die individuelle Situation der Betroffenen abbildet“.