Ausstellung

Hamburger Kunsthalle erforscht Herkunft historischer Werke

„Pan und Syrinx“ des Malers Pierre-Antoine Patel.

„Pan und Syrinx“ des Malers Pierre-Antoine Patel.

Foto: Christoph Irrgang

Im „Transparenten Museum“ wird eine Hamburger Auktion von 1941 kritisch auf NS-Raubkunst hin beleuchtet.

Hamburg.  Provenienzforschung ist in aller Munde, und zwar weltweit: Wann, unter welchen Umständen und auf welchen Wegen Kunstwerke in die Sammlungen der Museen gelangt sind, ist derzeit das drängendste Thema, wenn es um den eigenen Bestand geht. Vor allem die ethnografischen Ausstellungshäuser wie das MARKK (Museum am Rothenbaum) beschäftigen sich mit Exponaten, die durch unrechtmäßige Aneignung kolonialer Herrscher nach Europa kamen. Bei den Kunstmuseen stehen dagegen die Werke im Fokus, die ursprünglich Eigentum von Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes waren, die sogenannte Raubkunst.

In der Hamburger Kunsthalle wurde deswegen aktuell ein „Transparentes Museum“ eingerichtet; es soll die Herkunft historischer Werke aus der eigenen Sammlung erforschen. Aktuell ist „Pan und Syrinx“ des französischen Malers Pierre-Antoine Patel (1648–1708) ausgestellt; es stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Gemälde ist Teil einer Untersuchung, die sich unter dem Titel „,in behördlichem Auftrage‘. Eine Auktion im Jahr 1941 und ihre Folgen bis heute“ mit insgesamt acht Werken beschäftigt, die zwischen 1941 und 1945 in die Hamburger Kunsthalle kamen.

Kunst-Auktion von Carl F. Schlüter in Hamburg im Jahr 1941

Die Ausstellung versucht den Weg jener Werke zu rekonstruieren, bei welchen es sich nach aktueller Einschätzung um beschlagnahmte Kunst aus jüdischem Eigentum handelt. Versteigert wurden sie auf der Kunst-Auktion von Carl F. Schlüter in Hamburg am 24. September 1941. Das Auktionshaus war eines, das von den Enteignungen, Beschlagnahmungen und Repressalien im Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkriegs profitierte.

Die Kunsthalle sowie der „Elbuferarchitekt“ Konstanty Gutschow (1902–1978) erwarben auf jener Auktion insgesamt elf Kunstwerke. Acht davon gelangten unmittelbar oder bis 1945 ins Museum am Glockengießerwall und sind nun im „Transparenten Museum“ ausgestellt.

Anhand von Archivmaterial, Dossiers und Grafiken wird deren Herkunftsgeschichte nachvollziehbar. Die Suche nach den rechtmäßigen Eigentümern will die Hamburger Kunsthalle fortsetzen. Bei Patels „Pan und Syrinx“ konnte die Herkunft bisher nicht geklärt werden. Via Twitter wird aktuell um Hilfe bei der Identifizierung der Eigentümerinnen und Eigentümer gebeten, damit die betreffenden Werke gegebenenfalls restituiert werden können.

Spektakulärer Kunstfälscherskandal

„Die Auktion lässt vor allem deswegen aufhorchen, weil Carl F. Schlüter in seinem Auktionshaus meistens verschiedene Gegenstände aus Hausständen aufrief. Im September 1941 versteigerte er jedoch ausschließlich 472 Kunstwerke. Da sie ,in behördlichem Auftrag‘ durchgeführt worden war, ist davon auszugehen, dass diese Werke zuvor beschlagnahmt worden waren und es sich um Eigentum von Verfolgten des NS-Regimes handelt“, sagt Ute Haug, Leiterin Provenienzforschung & Sammlungsgeschichte.

Lesen Sie auch:

Als erstes deutsches Museum hatte Direktor Uwe M. Schneede an der Kunsthalle im Jahr 2000 eine Stelle zur Provenienzforschung gegründet. 2015 konnte nach Recherchen und einer Einigung mit den Erben das Gemälde „Walchensee“ von Lovis Corinth von der Kunsthalle zurückgekauft werden. Es befand sich ursprünglich im Besitz von Curt Glaser, der von Nationalsozialisten verfolgt worden war.

Auch andere Themen der Sammlungs- und Museumsgeschichte werden im „Transparenten Museum“ erforscht, so etwa der spektakuläre Kunstfälscherskandal um den Maler Giorgio de Chirico, dem auch die Kunsthalle zum Opfer fiel und „unechte“ de Chiricos kaufte.

„Transparentes Museum“ in der Hamburger Kunsthalle (U/S Hauptbahnhof), Glockengießerwall 5, Di–So 10.00–18.00, Do 10.00–21.00, Eintritt 14,-/8,- (ermäßigt), weitere Infos: www.hamburger-kunsthalle.de