Kampnagel

Wenn Frauen auch noch alt werden

Die Kulturfabrik Kampnagel (Archivbild).

Die Kulturfabrik Kampnagel (Archivbild).

Foto: Markus Scholz / dpa

Die Performance-Veteranen She She Pop präsentieren die Produktion „Hexploitation“ vom 30. Oktober bis 1. November auf Kampnagel.

Hamburg. Die Berliner Theatergruppe She She Pop hat in Performances wie „Testament“ (2011) und „Oratorium“ (2018) stets den Finger in offene Wunden der Gesellschaft gelegt. Vom Generationenkonflikt bis zum Thema Wohnungsnot. Immer unerbittlich und unterhaltsam zugleich. Mit großen Bildern und klug gewählten, oft ironisch gebrochenen Texten. Seit 25 Jahren spielt She She Pop keine Dramen, sondern entwickelt Situationen und Szenen zu selbst gewählten Stoffen gemäß dem eigenen Leitsatz: „Wir glauben an das Theater als Raum der Öffentlichkeit.“

Vom 30. Oktober bis zum 1. November präsentiert She She Pop auf Kampnagel nun die aktuelle Produktion „Hexploitation“. Pate stand diesmal der 1962 erschienene Film „Whatever Happened To Baby Jane“. Der Alterungsprozess zweier weiblicher Filmstars, gespielt von Bette Davis und Joan Crawford, wird darin ins Horrorthriller-Genre überführt. Nun allesamt selbst in ihren 50ern beschäftigen sich auch die Performerinnen von She She Pop – es gibt in ihren Reihen mit Sebastian Bark nur einen Mann – mit der Wahrnehmung der älter werdenden Frau.

Überraschende und nachdenkliche Momente

In einer jugend- und oberflächenverliebten Gesellschaft ist sie zu zunehmender Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit verdammt, wird mitunter als Hexe dargestellt und gilt gern mal als Querulantin. Auf der Bühne wollen Johanna Freiburg, Mieke Matzke, Berit Stumpf und Sebastian Bark dieses schlechte Image der älter werdenden Frau radikal hinterfragen und aus diesem Umstand Theater-Funken schlagen.

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Die vier setzen dafür auf Selbstoffenbarung, die auch eine gewisse Selbstentblößung mit einschließt. Es soll aber nicht nur ganz banal um den Verfall der äußeren Hülle gehen, sondern um die Erzählung dahinter, die Hexenverfolgung der alternden Frau und den durchaus fragwürdigen Umgang mit dem weiblichen Körper in der Verwertungslogik des Kapitalismus. Das lässt einige launige, überraschende und auch nachdenkliche Momente erwarten. Denn die Qualität von She She Pop besteht auch darin, dass die Gruppe schonungslos mit ihrem Hauptmaterial umgeht: der eigenen Biografie.

She She Pop: „Hexploitation“ 30.10. bis 1.11., jew. 20.30, Kampnagel, Jarrestraße 20–24, Karten unter T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de