Literatur

Krimizeit: Wenn Liebe gefährlich wird

Der französische Autor Nicolas Mathieu.

Der französische Autor Nicolas Mathieu.

Foto: picture alliance

Spannendes von der mehrfach ausgezeichneten Autorin Zoë Beck, Judith Arendt und dem französischen Autor Nicolas Mathieu.

Hamburg. In der deutschen Kriminalliteratur war es bislang Tom Hillenbrand vorbehalten, soziale Dystopien heraufzubeschwören. Etwa in dem Thriller „Drohnenland“. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Zoë Beck hat sich ebenfalls diesem Thema gewidmet. In „Paradise City“ (Suhrkamp, 281 S., 16 Euro) erzählt sie eine beklemmende Geschichte, die einer künftigen Wirklichkeit entlehnt sein könnte. Die großen Pandemien sind gemeistert, die Meere sind über die Ufer getreten, das Rhein-Main-Gebiet ist zusammengewachsen zu einer Megalopolis, die Hauptstadt des Landes ist.

Die Medien sind verstaatlicht und gleichgeschaltet. Da wird die junge Journalistin Liina von einem noch unabhängigen Nachrichtenportal in die Uckermark geschickt, um eine aus ihrer Sicht unbedeutende Geschichte zu recherchieren. Eigentlich hatte sie eine große Story in Aussicht, doch die haben ihr Chef und eine Kollegin übernommen. Als die Kollegin ermordet wird und der Chef nur knapp dem Tod entgeht, beginnt Liina zu ahnen, dass die Sache weit größer ist, als sie anfangs dachte. Zoë Beck hat einen nicht nur bedrückenden und spannenden Kriminalroman geschrieben, sondern einen, dessen Fiktion eine bedrohliche Möglichkeit aufzeigt.

Eigentlich will Helle Jaspers, Kommissarin im dänischen Skagen, nur einen erholsamen Urlaub im Süden Frankreichs verbringen. Natürlich wird daraus nichts in Judith Arendts Kriminalroman „Helle und der falsche Prophet“ (Atlantik, 301 S., 16,90 Euro). Stattdessen kommt ein Anruf aus der herbstlich kalten Heimat: Ein Mädchen ist tot am Strand aufgefunden worden, offenbar ist sie ertrunken. Helle kannte das Mädchen gut, es war eine alte Freundin ihres Sohnes.

Sofort macht sie sich auf den Weg zurück nach Skagen. Das Mädchen ist kurz vor seinem Tod auf einer Tankstelle von einer Überwachungskamera gefilmt worden, als sie in den Wagen eines jungen Paares stieg, das aus dem „Königreich“, einem einer Sekte gehörenden, von der Außenwelt hermetisch abgeriegelten Areal, geflohen ist. Judith Arendts Vorbild: die in Dänemark real existierende evangelikale Sekte „Faserhuset“. Auf dieser Folie hat die Autorin einen packenden und dramaturgisch ausgesprochen vielschichtigen Roman geschrieben.

Der französische Autor Nicolas Mathieu erzählt in seinem psychologischen Kriminalroman „Rose Royal“ (Hanser, 95 S., 18 Euro) die Geschichte einer späten Beziehung, vielleicht einer Liebe. Oder besser: die Geschichte einer Frau. Rose heißt sie, wird bald 50, war verheiratet, hat zwei Kinder – und lernt einen Mann namens Luc kennen.

Ein besonderer Mann, so denkt Rose, die immer einen Revolver in ihrer Handtasche trägt, man weiß halt nie, was so passiert mit den Männern und was sie wollen. Rose hat genug Gewalt erfahren, doch Luc ist zunächst anders. Einfühlsam, zuvorkommend. Die Beziehung wird immer enger, fast von Tag zu Tag, und Rose lässt sich auf diesen Mann ein. Was soll schon groß passieren? Der Revolver steckt ja in ihrer Handtasche ... Es ist eine großartig feinsinnige, psychologische Studie, die Nicolas Mathieu geschrieben hat, von flirrender Spannung bis zum überraschenden Ende.