Kritik

Jugendballett zur Sehnsucht in Zeiten des Abstands

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Mit dem Stück "DisTanz" feierte das Bundesjugendballett jetzt im Ernst Deutsch Theater Premiere (Symbolbild).

Mit dem Stück "DisTanz" feierte das Bundesjugendballett jetzt im Ernst Deutsch Theater Premiere (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa

Das Ensemble tanzte sich im Ernst Deutsch Theater mit dem Stück "DisTanz" in Slides und expressiven Gesten zunehmend frei.

Hamburg.  Das Bundesjugendballett kann seinen hochgelobten Shakespeare-Abend wegen der Abstandsregeln derzeit nicht wiederaufnehmen, also hat es in langen Monaten ein neues Programm erarbeitet. Zum passenden Titel „DisTanz“ ging es bei der Premiere im Ernst Deutsch Theater um das große Dazwischen, die Einsamkeit, die Sehnsucht in Zeiten des Abstands.

Es ist ein beeindruckend getanzter Episoden-Reigen. Für das Musik-Ensemble wurde sogar der Orchestergraben extra wieder hergerichtet. „Discipled Distance“, choreografiert von Lynne Charles und Kevin Haigen, ist, mit Pliés an fünf separierten Stangen eher noch eine Aufwärmübung, entwickelt sich aber zu virtuosen Sprung- und Drehfiguren, getanzt von einer ausdrucksstarken Justine Cramer. Tänzerischer wird es in „Armored Tulle“ von Nicolas Musin. Zur Musik von Poulenc legen der feingliedrige Lennard Giesenberg und der mit einer eindringlichen Bühnenpräsenz begabte Neuzugang Joao Santana einen berührenden Pas de deux in Reifröcken hin.

Eine bewegende Erzählung von Vereinzelung in der Masse

Das Bühnenbild in „Einsame Verbundenheit“ erinnert mit seinen Türen an Merce Cunningham und hier, in der Choreografie von Raymond Hilbert und zur Musik von Franz Schubert, tanzt sich das Ensemble in Slides und expressiven Gesten zunehmend frei. Thomas Krähenbühl und Airi Suzuki geben dabei ein starkes Duo ab. Auch das fast pantomimische „Gute Nacht“ aus der „Winterreise“ von John Neumeier wird in der Version des Bundesjugendballett-Ensembles zu einer bewegenden Erzählung von Vereinzelung in der Masse.

Die Kulisse bilden unermüdlich rieselnde Schneeflocken. Magisch. Abwechslungsreich geht es auch nach der Pause weiter. „Waiting for the Rain“ wird zu einem grandiosen Solo für Diogo Maia im Zwiegespräch mit der – hinter einer Plexiglasscheibe – teils auf Zulu singenden Tash Manzungu.

Ein Wagnis ist „Sons in Lions“ zu elektronischen Klängen des Musikers und Komponisten Marshall McDaniel. Die Choreografie von Natalia Horecna wagt sich weit in Bereiche des zeitgenössischen Tanzes vor und offenbart die ganze Bandbreite dieses herausragenden Ensembles.

„DisTanz“ Das Bundesjugendballett – unerwartet, herausfordernd, kreativ – Zusatztermine 16., 17., 19., 20.11., 19.30, Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, Karten unter T. 22 70 14 20; www.ernst-deutsch-theater.de

( asti )