TV-Satire

Oliver Kalkofe zeigt „Das Schlimmste aus dem Internet“

Teilt weiterhin gern aus: Oliver Kalkofe (55) hat sich als etwas anderer Medienkritiker einen Namen gemacht.

Teilt weiterhin gern aus: Oliver Kalkofe (55) hat sich als etwas anderer Medienkritiker einen Namen gemacht.

Foto: Steffen Jänicke

Der TV-Satiriker widmet sich im Special von „Kalkofes Mattscheibe“ Auswüchsen im Netz – mit Kritik an Xavier Naidoo und Eva Herman.

Hamburg. Zu behaupten, Oliver Kalkofe habe die deutsche Fernseh-Landschaft geprägt, wäre womöglich etwas übertrieben. Jedoch ist Übertreibung ein bewährtes Mittel der Satire – und in jenem TV-Metier ist Kalkofe, jüngst 55 Jahre alt geworden, seit fast drei Jahrzehnten eine Größe für sich.

Seine Sendung „Kalkofes Mattscheibe“, mit der er 1994 beim Pay-TV-Sender Premiere unverschlüsselt seinen Durchbruch erlebt hatte, feierte im Vorjahr 25. Jubiläum – im Privatsender Tele 5. Erdacht hatte Kalkofe seine „Mattscheibe“ bereits beim niedersächsischen radio ffn, in dessen „Frühstyxradio“ sich der ausgebildete Fremdsprachenkorrespondent neben Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer (jetzt ZDF-„heute show“) erste satirische Sporen verdiente.

Oliver Kalkofe vermisst Volksmusiker Achim Mentzel

Stets aufs Neue hat Kalkofe versucht, das Schlechteste im Fernsehen zu sezieren, gewissermaßen als „Trash-Terminator“. In all den Jahren prallten Klagen auf seine Parodien und Kommentare wie etwa vom Sänger Klaus Baumgart (Klaus & Klaus) an Kalkofe ab. Baumgart hatte er als „Freund Speckbulette“ bezeichnet, Heidi Klums Pro-7-Show „Germany’s Next Topmodel“ nannte er eine „furchtbare Mischung aus Militär und Puff“, auch am ostdeutschen Volksmusik-Barden Achim Mentzel ließ Kalkofe kein gutes Haar.

Als der die Persiflage als einer von wenigen mit Humor nahm und sich in seiner MDR-Sendung „Achims Hitparade“ auf einer Schultafel mit dem Schriftzug „Kalki ist doof“ revanchierte, entwickelte sich eine kollegiale Freundschaft. Mentzel, der 2016 starb, hatte auch Gastrollen in Kalkofes Edgar-Wallace-Kinoparodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“. Menschen wie ihn vermisse er in den heutigen Medien, sagt Kalkofe gegenüber dem Abendblatt.

Das Netz – infiziert mit „Doofid-20“

Was Mentzel wohl zur Fülle an Filmchen im Netz gesagt hätte? „Er würde sich über die Möglichkeit freuen, dort in Eigenregie kreativ werden zu können, aber auch traurig den Kopf schütteln über all den Hass und Schwachsinn, der darüber verbreitet wird“, meint Kalkofe.

Für den Fernseh-Fan und Grimme-Preisträger ist die aktuelle Lage der Nation Anlass für ein 90-minütiges Special: An diesem Freitag knüpft sich die Lästerzunge in „Kalkofes Mattscheibe“ auf Tele 5 „Das Schlimmste aus dem Internet“ vor. Trotz oder gerade wegen der Corona-Debatte im Land und auf fast allen Medien-Plattformen haben Kalkofe und seine Crew viele neue Clips aus dem Netz gefischt – es sei mit dem „Doofid-20“-Virus infiziert, konstatiert der Medienkritiker. „Seit wir neben TV auch Netz-Material in die ,Mattscheibe’ aufgenommen haben, herrscht jedenfalls keinerlei Mangel an Vorlagen. Dadurch, dass im Internet heute wirklich jeder zum eigenen Medium werden kann, ist die Menge des Wahnsinns quasi unendlich geworden“, sagt Kalkofe.

Satiriker stellt wie üblich Szenen verkleidet nach

Darunter sind Sequenzen wie der demokratie-dystopische „Reichsbürger“-Talk mit Sänger Xavier Naidoo und Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman, die ungekürzt ehrliche Pressekonferenz aus dem Superspreader-Schlachthof Tönnies oder auch krawallkritische Corona-Kommentare von „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt.

Wie bei „Kalkofes Mattscheibe“ üblich, stellt der Satiriker auch diesmal so manche Szene verkleidet nach. „Neben Kommentaren im Smoking versuche ich wieder, so originalgetreu wie möglich die Originale zu parodieren, Kostüm und Maske sind da bei uns immer großartiger geworden. Ich kann inzwischen fast alles spielen, außer ,schlank’“, sagt er mit wahrhafter Selbstironie. Achim Mentzel. von der Statur her dem Kalkofe von 2020 durchaus ähnlich, hätte auch diese Aussage gewiss gefallen.

Kalkofe – auch bei „extra 3“ und Facebook

Ebenso die Tatsache, dass es nach Weihnachten auf Tele 5 einen Jahresrückblick geben soll, „in dem auch wieder das klassische TV-Programm bearbeitet wird“, so Kalkofe. Auch jene Sendung sei als 90-Minuten-Special geplant.

Zwischendurch dürfte „Smoking Olli“ noch im NDR-Satire-Magazin „extra 3“ auftauchen, das er seit drei Jahren regelmäßig als Laudator für verschiedene politische Themen bereichert. Und, klar, über seinen Facebook-Account hat sich der etwas andere Medienkritiker inzwischen selbst sein eigenes Medium ­geschaffen.

„Kalkofes Mattscheibe: Das Schlimmste aus dem Internet“ Fr, 20.15 Uhr, Tele 5