Kultur

Eine Ausstellung, in der es nichts zu sehen gibt

Der Kunstverein in Hamburg.

Der Kunstverein in Hamburg.

Foto: Laible

„Corona Sound System“ im Hamburger Kunstverein am Klosterwall versammelt faszinierende Klangkunstwerke.

Hamburg.  Den Klang zum Mittelpunkt oder, besser gesagt, zum einzigen (nicht greifbaren) Gegenstand einer großen Ausstellung zu machen: für den Kunstverein ein Experiment. Und Bettina Steinbrügge ist nicht sicher, ob es ein gelungenes ist. „Durch den Lockdown waren wir und auch die Künstler eigentlich zur Untätigkeit gezwungen“, sagt die Direktorin. Doch damit wollte man sich nicht abfinden. Denn wer kreativ ist, kann nicht einfach aufhören, sich aus­einanderzusetzen, seine Eindrücke zu verarbeiten und mit der Welt zu teilen.

Nach der ersten experimentellen Ausstellungsreihe im Rahmen von „Being Laid Up Was No Excuse For Not Making Art“, bei der im ersten Stock des Kunstvereins ein Kino eingerichtet worden war für Filme, die Humor nach #MeToo thematisieren, entstand als zweiter Teil das „Corona Sound System“ mit 18 Klangkunstwerken.

Hamburger Videokünstlerin hat sich mit Geräuschebenen am Hauptbahnhof beschäftigt

Die Hamburger Videokünstlerin Annika Kahrs hat sich in ihrer Dreikanalton-Arbeit „My Favorite Music“ mit den Geräuschebenen am Hauptbahnhof beschäftigt. Wir hören einerseits die klassische Musik, mit der hilfsbedürftige Menschen vertrieben werden sollen, und andererseits Interviews mit Obdachlosen. Das, was wir tagtäglich mehr oder weniger wahr- und hinnehmen, wird auf diese Weise kritisch hinterfragt.

Der Maler Wolfgang Tillmans mischt in „Hamburg Süd/Nee IYaow eow eow“ die Geräuschkulisse des Bahnhofs mit eigenem Gesang und der Stimme von Soulsängerin Billie Ray Martin. Bei C. W. Winter erleben wir, wie es sich nachts im Zeichensaal der Ruskin School of Art in Oxford anhört (lauter, als man denkt). Der Hamburger Jacob Spengemann bat Kommilitonen der Hochschule für bildende Künste (HfbK), mit ihren Stimmen einen Sturm zu simulieren.

Auseinandersetzung mit der Pandemie

Wiederum andere Kreative haben sich ganz explizit mit der Pandemie aus­einandergesetzt, so etwa das Schwabinggrad Ballett & Arrivati: Das Hamburger Kollektiv aus Kulturschaffenden, Aktivisten und Geflüchteten hat in „We Are Not Together In This“ Mythen und Analysen rund um das Virus eingefangen und zu einer Sound-Collage komponiert. Zwischen zwölf und 18 Uhr werden die einzelnen Klangarbeiten in einer festen Abfolge abgespielt. Darin können die Besucher spontan eintauchen oder sich von einer Hörinsel zur nächsten leiten lassen. Ergänzend gibt es jeweils kurze Erklärtexte und – Corona zum Trotz – Livekonzerte, Lesungen und Tanz-Performances vor Publikum.

„Corona Sound System“ bis 11.10. im Kunstverein in Hamburg, Klosterwall 23, Di–So 12.00–18.00, Eintritt 5,-/3,- (ermäßigt)