Komödie Winterhude

TV-Star Hardy Krüger jr. – ein vielfältiger Handwerker

Hardy Krüger jr. bei der  Probe zum Theaterstück „Arthur & Claire“.

Hardy Krüger jr. bei der Probe zum Theaterstück „Arthur & Claire“.

Foto: dpa

Der Schauspieler feiert in "Arthur & Claire" Premiere in der Komödie Winterhude. Für das Theater ein Neustart nach Monaten.

Hamburg.  Sein Lebensmittelpunkt ist Berlin, seit einigen Jahren schon. Die Stadt biete für einen Künstler so viele Möglichkeiten, sagt Hardy Krüger jr., auch wenn er zwischenzeitlich mal erwogen hatte, nach Hamburg zu ziehen: „Für mich die schönste Stadt Deutschlands.“ Seit einigen Tagen ist er wieder an der Alster. Und doch ist die Komödie Winterhude, in deren Hinterhaus er an diesem Vormittag beim Gespräch sitzt, für ihn gewissermaßen Neuland.

Schon im März hätte er hier seine persönliche Gastspiel-Premiere geben sollen, auch damals im Stück „Arthur & Claire“ – nun folgt sie an diesem Mittwoch. Der Fernsehliebling ist das Zugpferd beim Neustart des etablierten Privattheaters nach fast einem halben Jahr Schließung.

In der Corona-Pause renovierte er sein Haus

Die Corona-Theaterpause hat Hardy Krüger jr. gleich für mehrere Vorhaben genutzt. Erst in der Vorwoche hat er in der Hauptstadt einen Film für die Berlinale abgedreht, den Titel mag er noch nicht verraten, nur so viel: Ein Kammerspiel für zwei Personen sei es. Als er zuvor weder drehen noch spielen konnte, hat Krüger jr. sein Haus in Köpenick renoviert: „Die Baumärkte waren ja nicht geschlossen.“ Hat selbst den Boden verlegt, Wände gestrichen, die Gartenauffahrt gepflastert und noch einiges mehr. „Ich komme ja vom Handwerk“, sagt Krüger jr. Er ist gelernter Koch. Und Schauspieler. Jene Ausbildung absolvierte er drei Jahre an der Lee Strasberg School of Acting in Los Angeles. Gut drei Jahrzehnte ist das her.

Jetzt meint der 52-Jährige: „Die Corona-Zeit hat mich auch gelehrt, dass wir uns auf das Wesentliche im Leben konzentrieren.“ Auf die Menschen und die Gesundheit. „Ich habe die Hoffnung, dass die Kultur und wir Kreativen in der Krise auch Neues entdecken können“, sagt er. Neue Filme und TV-Formate etwa, neue Allianzen.

Krüger jr. drehte schon mit Gérard Depardieu

Anfang der 90er ist der Sohn des Schauspielers und Schriftstellers Hardy Krüger und der Malerin Francesca Marazzi hierzulande dank ARD-Fernsehserien wie „Nicht von schlechten Eltern“ und „Gegen den Wind“ populär geworden, drehte danach internationale Kinoproduktion wie „Asterix und Obelix“ mit Gérard Depardieu, das preisgekrönte Geschichtsepos „Stauffenberg“ und streifte sieben Jahre lang als Förster in der ZDF-Serie „Forsthaus Falkenau“ durchs Dickicht. Drehte danach mal „Inga Lindström“ oder „Das Traumschiff“.

Corona in Hamburg: Verbote und Lockerungen ab 1. September

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„Ich komme von der Bühne und ich bin immer gern auf der Bühne“, sagt Krüger jr. Schon als Achtjähriger hatte er Theater gespielt. „Auf der Bühne ist es wie bei einer Operation mit einem Skalpell, beim Film ist es wie mit einem Laser, die Kamera sieht in dein Innerstes hinein. Aber auf der Bühne muss ich präsent sein, um das Publikum abzuholen.“ Krüger jr. kennt die Unterschiede. Er sucht neue Herausforderungen. „Auf der Bühne hab ich Möglichkeiten, mal ganz andere Rollen zu spielen – auch solche, die mir im Fernsehen verschlossen bleiben. Da werde ich meist nach dem Äußeren besetzt“, sagt Krüger jr.

„Ziemich beste Freunde“ – Dauerbrenner an den Kammerspielen

Ist die Figur des Arthur seine bisher schwierigste Rolle? „Arthur & Claire“ handelt von einem todkranken Sportlehrer, der an Sterbehilfe denkt und in einem Amsterdamer Hotel zufällig auf die lebensmüde junge Claire trifft, mithin zwei Selbstmordkandidaten. „Dieser Arthur hat in seinem Leben viel falsch gemacht, das erkennt er erst ziemlich spät“, erzählt Krüger jr. und denkt an andere Rollen, in denen er auch an den Hamburger Kammerspielen zu erleben war. Als gealterter Tom Sawyer an der Seite seines Kollegen Stephan Benson etwa. „Die Arbeit für ,Die Jungs im Herbst’ war für mich auch sehr intensiv, ebenso „Schmetterlinge sind frei’ auf Tournee.“ Da spielte er einen Blinden, und in „Ziemlich beste Freunde“ an der Seite des Hamburger Schauspielers Patrick Abozen einen querschnittsgelähmten, lange Zeit lebensunwilligen wohlhabenden Geschäftsführer im Rollstuhl. An den Kammerspielen ein Dauerbrenner.

„Sir Peter Ustinov hat einmal zu mir gesagt: ,Wenn du die Leute zum Nachdenken bringen willst, musst du sie erst einmal zum Lachen bringen“, erinnert sich Hardy Krüger jr. an eine Begegnung mit dem britischen Schauspieler. Ist 20 Jahre her, der Leitsatz passt für ihn aber mehr denn je zum aktuellen Stück.

Die Nähe zu Claire muss ganz anders dargestellt werden

„Stefan Vögel schafft es immer wieder, Tabuthemen anzupacken und komödiantisch zu verpacken“, lobt er den österreichischen Autor, bekannt für zeitgemäße Boulevardstücke wie „Achtung Deutsch!“ oder „Die Niere“. Auch „Arthur & Claire“ sei „ein Spagat zwischen einem ernsten Thema und guter Unterhaltung“, so Krüger jr.

Natürlich kennt er den auf Vögels Theaterstück basierenden Kinofilm von und mit dem genialen Österreicher Josef Hader. Film und Bühne sind zwei Paar Schuhe. 2018 hatte das Stück mit Krüger jr. in München Premiere, als Co-Produktion mit der Komödie im Bayerischen Hof spielt es in Ute Willings Regie in Winterhude. „Jetzt mit Abstand ist es ein ganz anderes Stück“, beschreibt Krüger jr. die Hygieneauflagen. Die sich entwickelnde Nähe zu Claire muss ganz anders dargestellt werden – nicht bloß, weil die Berliner Schauspielerin Anna Grisebach recht kurzfristig eingesprungen ist.

Krüger jr. plant seinen zweiten Roman

Wenn das Stück im November hier abgespielt ist, wird Hardy Krüger jr. Hamburg wieder verlassen. Außer Film, Fernsehen und Bühne hat er in Berlin genug zu tun. Sein Roman-Erstling „Der leise Ruf des Schmetterlings“, eine Fortschreibung seines Blogs, ist in zweiter Auflage erschienen. Die geplante Verfilmung der in Rom spielenden Erzählung über Liebe, Verlust und die Kraft des Augenblicks ist für dieses Jahr in Italiens Metropole erst mal gestoppt – wegen Corona. Krüger jr. plant indes einen zweiten Roman, lässt er durchblicken.

Und dann sind da ja noch die weiteren Projekte von Krüger jr.: Der vielseitige Handwerker fotografiert und malt auch. Zu sehen in Berlin – nicht nur in seinem Haus in Köpenick.

„Arthur & Claire“ Premiere Mi 2.9., 19.30, bis 13.9., und 27.10.-8.11., Komödie Winterhuder Fährhaus (U Hudtwalckerstr.), Hudtwalckerstr. 13, Karten zu 27,64 bis 43,74 in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Gr. Burstah 18-32, T. 30 30 98 98; www.komoedie-hamburg.de