Siggi Loch

Rückblick auf ein ereignisreiches Leben für den Jazz

Musikmanager Siegfried Loch.

Musikmanager Siegfried Loch.

Foto: dpa

Ein Bildband und eine Doppel-CD feiern den Gründer des Plattenlabels ACT. Was den Jazzlabel-Manager mit Prince verbindet.

Hamburg. Es war ein Abend im Jahr 1956, der das Leben von Siggi Loch für immer veränderte. Gerade mal 15 war der Sohn einer im Krieg aus Vorpommern geflüchteten Familie, als er in Hannover ein Konzert von Klarinettist und Saxofonist Sidney Bechet erlebte. Hinterher holte er sich ein Autogramm und am nächsten Tag seine erste Schallplatte – obwohl er noch gar keinen Plattenspieler besaß.

Heute ist Siggi Loch seit beinahe 30 Jahren Chef von ACT, einem der wichtigsten europäischen Jazzlabel mit Künstlern wie Nils Landgren, Michael Wollny, Viktoria Tolstoy oder You Sun Nah. Zu seinem 80. Geburtstag vor einigen Wochen ist der Bildband „A Life in the Spirit of Jazz“ erschienen, begleitend dazu gibt es jetzt auch eine Doppel-CD (ca. 18 Euro), mit der sich Lochs Karriere im europäischen Musikgeschäft nachvollziehen lässt. Natürlich ist darauf Sidney Bechet zu hören, auch Klaus Doldinger, dessen Karriere Siggi Loch maßgeblich auf den Weg brachte, und die von Sinead O’Connor zum Welthit gemachte Prince-Nummer „Nothing Compares 2 U“, hier gepielt von Saxofonist Heinz Sauer und Pianist Michael Wollny.

Auch der verpatzte erste Start des ACT-Labels wird kurz angerissen

Was den Jazzlabel-Manager mit Prince verbindet? Ebenso viel wie mit den Rolling Stones, Fleetwood Mac und Rod Stewart, mit den Eagles, Marius Müller Westernhagen und George Harrison, denn bevor sich Loch den Traum von einem eigenen Jazzlabel erfüllte, war er bereits einer der Top-Manager der internationalen Plattenindustrie und stieg zum Europa-Chef von Warner Music (WEA) auf.

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Stationen dieses Lebens zeigt der Bildband, in dem trotz allgemeiner Jubelstimmung auch der frühere Führungsstil des Jubilars („Viele haben darunter gelitten. Im Rückblick bin ich nicht stolz darauf.“) und der verpatzte erste Start des ACT-Labels im Jahr 1989 („Es war ein Desaster.“) kurz angerissen werden.

Wer mehr wissen möchte, sollte sich die bereits vor zehn Jahren erschienene Autobiografie „Plattenboss aus Leidenschaft“ (ca. 10 Euro) besorgen. Hier geht es eher darum, in Bildern zu schwelgen und dabei Jazz zu hören, der dokumentiert, wie geschmackssicher Siggi Loch bei aller Fan-Begeisterung auch als Produzent in all den Jahrzehnten war – und immer noch ist.