Hamburg

"Das kleine Welttheater" – Mit Ironie gegen Straßenlärm

Kunterbunte Kunst im Park: Das kleine Welttheater.

Kunterbunte Kunst im Park: Das kleine Welttheater.

Foto: Anna Gorr

Das allegorische Spiel hat es als Open-Air-Version im Heine-Park nicht leicht – funktioniert aber. Auch das Wetter spielte mit.

Hamburg.  Zwei riesige, alte Bäume begrenzen die Bühne. Die Zuschauer sitzen im Gras, die Darsteller auf vier Podesten. Und Malin Uschkureit spielt eine wunderbar schräge Trompete. Ach, Open-Air-Theater ist was Schönes. Wenn nur das Open-Air nicht wäre. Wenn Ameisen einem nicht über den Körper krabbeln würden, wenn Testosteronjungs nicht Spikeball spielen würden, wenn die nahe Hauptverkehrsstraße nicht so lärmen würde. Und wenn das Wetter mitspielen würde. Am Sonnabend fiel „Das kleine Welttheater“ von der Hamburger Gruppe nysen schon dem Platzregen zum Opfer, und auch am Sonntag gehen immer wieder sorgenvolle Blicke Richtung Himmel. Immerhin: Es bleibt trocken.

„Das kleine Welttheater“ ist ein allegorisches Spiel, das ist nicht unproblematisch, weil beim allegorischen Spiel die Moral gerne mal mit dem Holzhammer daherkommt. Aber: Hier stellt sich die Allegorie selbst infrage, Regisseur (und Autor, Darsteller und nysen-Chef) Maximilian Ponader schafft es, den heiligen Ernst des Gezeigten zu spiegeln. Neben Ponader und Uschkureit spielen Ronja Geburzky und Dürten Thielk vier allegorische Figuren, die lieber menschlich wären. Und während sie durch ein Spiel im Spiel ihre Menschlichkeit ausprobieren, finden sie zurück in ihre allegorischen Qualitäten … Performt wird das mit Mut zur karnevalesken Geste, das ist ästhetisch gewöhnungsbedürftig, muss aber wohl sein – gegen Straßenlärm und Sportler will erst mal angespielt werden. Weiteres Problem: In Corona-Zeiten muss auch auf der Bühne Abstand gehalten werden, also bleibt das nysen-Quartett auf seinen Podesten gefangen. Wie brüllende Statuen.

Gleichwohl: Es funktioniert, wegen der Ironie, mit der Ponader seinen Text auflädt, wegen des begeisternden Spiels der Darsteller, auch wegen der reizvollen Parkumgebung. Und im Laufe der Aufführung hat sich das Publikum vergrößert, Spaziergänger, Erholungssuchende, spielende Kinder sind stehen geblieben und schauen zu. Hier passiert was Interessantes – nicht die schlechteste Wirkung, die Theater haben kann.

„Das kleine Welttheater“ wieder am 4. und 5.9., 18 Uhr, 6.9., 16 Uhr, Heine-Park, Große Elbstraße 273, 11. und 12.9., 18 Uhr, 13.9., 16 Uhr, Wehbers Park, Doormannsweg 12., Tickets über www.nysen.org