Hamburg

Schriftstellerin: „Es gibt ja jetzt schon Empörte“

Die Schriftstellerin Katrin Seddig wurde 1969 in Brandenburg geboren.

Die Schriftstellerin Katrin Seddig wurde 1969 in Brandenburg geboren.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Katrin Seddig über ihren neuen Roman und die Bereitschaft, ohne Lektüre desselben Urteile zu fällen.

Hamburg.  Wie ist das, über ein polarisierendes Thema zu schreiben, das man selbst miterlebt und über das jeder eine Meinung hat? Wir sprachen mit Katrin Seddig, der Autorin von „Sicherheitszone“.

Wollten Sie den Roman zu G20 in Hamburg schreiben?

Ich wollte einen Roman schreiben, in dem dieses Ereignis eine Rolle spielt.

Ist es schwieriger oder leichter über ein Geschehen zu schreiben, dass noch so präsent, so nah am Hier und Jetzt ist?

Es ist leichter, an einzelne Informationen zu kommen, aber schwieriger, einen Überblick zu bekommen, weil der Abstand fehlt.

Der Gipfel, die Proteste und die Strategie der Polizei waren ein emotional hoch aufgeladenes Thema. Wie haben Sie G20 erlebt?

Ich fand es eine anstrengende und sehr aufwühlende Zeit. Ich war viel draußen und bin herumgelaufen. Ich war auf den meisten Demonstrationen und habe Schönes und weniger Schönes gesehen, viel mit Leuten gesprochen, die Stadt war sehr erregt, schon Tage vorher und währenddessen natürlich sowieso. Da gab es sehr bedrohliche Szenen, aber auch euphorische Stimmungslagen. Ich hatte Angst, ich war glücklich, wütend, sehr nervös, hellwach, ich konnte kaum schlafen, ich habe die ganze Zeit die Augen aufgerissen und versucht, zu verstehen, was da vor sich geht. Ich glaube, das ging vielen Leuten so.

Ist Ihr Roman „Sicherheitszone“ ein parteiisches Buch?

Bücher sind immer parteiisch, also ja.

Wie sehr darf oder sollte ein belletristisches Werk eigentlich Position beziehen?

Es darf alles, nur nicht platt sein. Die Protagonisten sollten vielschichtig sein, damit den Lesern und Leserinnen ein Urteil nicht ins Gesicht gedrückt wird.

Sollte Ihre Sicht auf die Vorgänge im Juli 2017 unklar, ambivalent oder das Gegenteil davon gewesen sein – hat sich Ihr Standpunkt durch das Schreiben des Romans in irgendeiner Form geändert?

Meine Sicht war in einigen Hinsichten ambivalent, in anderen recht klar, aber sie manifestierte sich nicht in einzelnen Figuren meines Romanes. Ich würde eher sagen, dass ich mit niemandem vom Personal des Textes ganz übereinstimme. Mein Standpunkt hat sich beim Schreiben insofern geändert, dass ich gezwungen war, mich in Haltungen sozusagen hineinzufühlen. Das macht man im Leben nicht immer.

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Welche Leserinnen und Leser wünschen Sie Ihrem Buch?

Es gibt ja jetzt schon Empörte, die sich also über das Buch empören, bevor sie es gelesen haben, und behaupten, dies natürlich auch niemals tun zu wollen, und die wünsche ich mir ausdrücklich als Leser, und dann die, die ein Buch erst lesen, bevor sie sich empören, die wünsche ich mir auch. Alle also. Es ist ein Buch für alle, auch für jede Generation, es kommen junge Menschen vor, mittelalte, alte. Und Hamburg. Was ja eine der schönsten Städte sowieso ist. tha