Hamburg

Hansa-Theater pausiert – und wird währenddessen saniert

Haben seit 2009 den Hut auf: Ulrich Waller (l.), Thomas Collien.

Haben seit 2009 den Hut auf: Ulrich Waller (l.), Thomas Collien.

Foto: picture alliance

Thomas Collien und Ulrich Waller verschieben 13. Varieté-Saison auf Herbst 2021, planen im Frühjahr „Cabaret“ und langfristig bis 2033.

Hamburg. „Kleine Schmuckschatulle“, so nennt Thomas Collien das Hansa-Theater gern. Zu Recht und meist zur Saisoneröffnung. Seit zwölf Jahren betreibt der Eigentümer des St. Pauli Theaters mit seinem künstlerischen Kompagnon Ulrich Waller im Winterhalbjahr das Programm im denkmalgeschützten Haus am Steindamm, es ist eines der ältesten Varietés in Deutschland. Anfang März 2019 hatte das Hansa 125. Jubiläum gefeiert. Das Mobiliar des seit 1953 unveränderten Saals mit integriertem Restaurant strahlt in seiner rotgoldenen Pracht mehr denn je – erst im vergangenen Sommer erhielt das Traditionstheater eine neue Licht- und Tontechnik.

Nun macht Corona den kreativen Betreibern einen Strich durch die Rechnung: Collien und Waller mussten die Hansa-Varieté-Spielzeit 2020/21 vom 20. Oktober bis 7. März „mit großem Bedauern“ absagen und auf Herbst 2021 verschieben. Es wäre die 13. gewesen.

Plexiglas-Boxen? Kein Hansa-Charme

Mit den bestehenden Abstands- und Hygieneregeln sei „ein unvergessliches Varieté-Erlebnis nicht machbar, und das hat nicht nur ökonomische Gründe“, teilten Collien und Waller mit. „Wir lassen uns lieber durch die Verschiebung der Saison, sehenden Auges, auf einen kalkulierbaren sechsstelligen Verlust ein, als einen kompletten Blindflug zu wagen, der das Ende dieser Varieté-Legende bedeuten könnte“, sagte Collien auf Nachfrage. „Falls wir das Hansa jetzt öffnen würden, gäbe es einfach zu viele Unwägbarkeiten“, so der Betreiber.

Zwar haben er und Waller mit dem Team vom Hansa-Theater ein Abstands- und Hygienekonzept erarbeitet, indes ginge bei 200 erlaubten Besuchern im 458-Plätze-Saal umgeben von Plexiglas-Boxen der Charme des Hansas verloren.

Arbeiten an der Belüftungs- und Klimatechnik

Doch die Hamburgensie Hansa soll weiterleben. Mit der Behörde für Kultur und Medien bemühe man sich „um eine Lösung, die das Fortbestehen des Hauses in dieser für alle Kulturbetriebe schwierigen Zeit ermöglicht“. Deshalb wollen Collien und Waller die Schließung bis März nutzen und die „kleine Schmuckschatulle“ zur Generalüberholung „in die Werft schicken“, wie sie es hanseatisch-maritim ausdrücken: „Wir arbeiten an der Belüftungs- und Klimatechnik und werden weiter denkmalschutzgerechte Sanierungsarbeiten durchführen.“

Zudem wollen sie mit dem Hansa-Eigentümer, der Familie Schommartz, das „Hansa-Theater-Areal“ erweitern: Auf dem Nachbargrundstück des Hauses wird ein Gebäude saniert, in dem Künstlerwohnungen und eine Probebühne entstehen sollen. Diese könne dann auch von umliegenden Kulturbetrieben in St. Georg genutzt werden. Dass sie ein Theater für den Stadtteil schaffen wollen, hatten Collien und Waller schon im Vorjahr angekündigt

Wiedereröffnung mit „Cabaret“

Damals hatten sie für 2020 auch das erste populäre Musical im Hansa-Theater vorgestellt: „Cabaret“ mit Tim Fischer als Conférencier feierte am 15. Februar umjubelte Premiere, wurde Mitte März von Corona gestoppt und hätte bis Ende April laufen sollen – bei 100 Prozent Auslastung. „Cabaret“ lässt sich wegen der derzeitigen Abstandsregeln auf der Bühne auch in diesem September und Oktober nicht spielen, es ist aber für März 2021 zur Wiedereröffnung geplant.

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Zwischendurch könnte es, soweit es die Umbaumaßnahmen zulassen, einzelne Musik- und kleine Showformate geben. Geplant ist eine Hamburger-Abendblatt-Weihnachtsshow per Internet-Stream. Collien, der laut Mietvertrag das Hansa mit Waller bis 2028 bespielt, bekräftigte, dass er die Option für fünf weitere Jahre ziehen will. Damit die Theatersanierung in der Krise Sinn ergibt und dann 13 Jahre lang Freude macht.

Bereits gekaufte Karten können ab sofort gegen Karten für die Saison 2021/22 oder gegen einen Gutschein umgetauscht werden, möglich unter der Ticket-Hotline T. 040/47 11 06 44 oder per E-Mail unter info@hansa-theater.de