Nachruf

"Im weißen Rößl": Komponisten-Erbin Helga Benatzky gestorben

Helga Benatzky kümmerte sich um den Nachlass des Operettendichters Ralph Benatzky.

Helga Benatzky kümmerte sich um den Nachlass des Operettendichters Ralph Benatzky.

Foto: Roland Magunia

Bis ins hohe Alter verfolgte Helga Benatzky alle Aufführungen der berühmtesten Benatzky-Operette.

Hamburg.  In Helga Benatzkys Winterhuder Souterrain schlummerten die Kostbarkeiten: alte Fotografien und Tagebuch-Bändchen, Karikaturen, originale Notenblätter für Lieder, die der Operetten-Komponist Ralph Benatzky in den 1920er-Jahren schrieb.

Den Nachlass verwaltete nach dem Tod ihres Mannes, der Benatzkys Neffe war, die Erbin Helga Benatzky. Sie hielt sein Werk lebendig, wachte aufmerksam, ermöglichte und verfolgte noch im hohem Alter rüstig alle Aufführungen der berühmtesten Benatzky-Operette „Im weißen Rößl“.

Helga Benatzky ist im Alter von 96 Jahren gestorben

Aufgewachsen war Helga Benatzky in China, wohin es ihre Eltern beruflich verschlug, 1937 kam sie nach Lübeck und machte ihr Notabitur. Medizin wollte sie studieren, aber das Leben hatte anderes vor – unter anderem arbeitete sie zehn Jahre lang in der Hamburger Kulturbehörde, bevor sie sich vorrangig um den Benatzky-Nachlass kümmerte. Den Komponisten selbst, der 1957 starb, hatte sie noch persönlich kennengelernt.

Am 3. August ist nun Helga Benatzky mit 96 Jahren gestorben. Freunde erinnern ihren Charme, eine „Menschenfängerin“ sei sie gewesen, großzügig (auch zu Interviewterminen konnte es passieren, dass Kuchen mit Schlagsahne auf dem Tisch stand), unermüdlich und optimistisch. Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt.