Hamburg

Warum werden so wenige Spielfilme von Frauen gedreht?

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Volker Behrens
Verena Gräfe-Höft hat den Film  „Pelikanblut“ produziert, der im September in die Kinos kommt.

Verena Gräfe-Höft hat den Film „Pelikanblut“ produziert, der im September in die Kinos kommt.

Foto: MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Eine aktuelle Studie dokumentiert Ungleichgewicht. Hamburger Produzentin Verena Gräfe-Höft benennt einige Hintergründe.

Hamburg.  Laut einer Pressemitteilung der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle wurden zwischen 2015 und 2018 lediglich 22 Prozent der europäischen Spielfilme von Frauen inszeniert. Beim Filmfestival in Cannes herrscht alljährlich bei den Besuchern Kopfschütteln darüber, wie wenige dieser Filme ohnehin schon wenige Filme es ins Programm schaffen.

Zu dieser Statistik einige Fragen an die Hamburger Produzentin Verena Gräfe-Höft (Junafilm), die selbst gern mit Regisseurinnen arbeitet. Der von ihr produzierte Film „Pelikanblut – Aus Liebe zu meiner Tochter“ kommt am 24. September in die Kinos. Regie führt Katrin Gebbe.

Frau Gräfe-Höft, gibt es institutionelle Hürden, die einen höheren Frauenanteil verhindern?

Verena Gräfe-Höft Wie einige Studien (es gibt dazu auch eine der Filmförderungsanstalt FFA, die Maria Furtwängler initiiert hat) belegen, liegt das Problem leider eher im Strukturellen. Alltagsdiskriminierung ist ja erst verschärft jetzt wieder in den Fokus einer gesellschaftlichen Diskussion gerückt.

Ein Status quo, der sich über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte weltweit verfestigt hat, lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen ausbalancieren, und Vorurteile lassen sich nicht von heute auf morgen wegwischen. Die Frage geht ja auch weit über die Branche hinaus und wirkt sich auch auf das Thema Familie aus. Welche Möglichkeiten schafft eine Gesellschaft, schafft die Politik, damit Männer und Frauen gleichermaßen Beruf und Familie vereinbaren können?

Warum ist der immer wieder als zu niedrig beklagte Frauenanteil in den vergangenen Jahren nicht gestiegen?

Wie offen ist eine Gesellschaft überhaupt für andere Blickwinkel? Wenn sich plötzlich Machtverhältnisse verschieben, macht das erst mal vielen Leuten Angst. Aber fest steht auch, dass nicht jeder Chefposten immer mit dem Talentiertesten besetzt wurde, Seilschaften und Netzwerke haben schon immer eine große Rolle gespielt, wenn es um die Verteilung der Kuchenstücke ging. Jetzt leben wir in einer Zeit der Veränderung, Krisen sind auch immer eine Chance, Dinge zu überdenken und zu verbessern.

Bei Dokumentarfilmen ist der Anteil der Filme, die von mehrheitlich weiblichen Teams realisiert wurden, mit etwa 30 Prozent höher als in anderen Filmgenres. Haben Frauen einen überzeugenderen Blick auf die Realität als auf die Fiktion?

Im Dokumentarfilm ist der Frauenanteil vermutlich deshalb größer, weil die Budgets kleiner sind und ja noch immer teilweise die Meinung vorherrscht, dass Regisseurinnen nicht so gut mit großen Budgets umgehen können. Frauen haben keinen besseren Blick auf die Realität, nur einen anderen.