Filmtipp

„Simpel“: Zwei Brüder auf der Suche nach ihrem Vater

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Das Wichtigste ist der Zusammenhalt: Frederick Lau (l.) als Ben und David Kross als sein Bruder „Simpel“.

Das Wichtigste ist der Zusammenhalt: Frederick Lau (l.) als Ben und David Kross als sein Bruder „Simpel“.

Foto: dpa

Der Film „Simpel“ heute im ZDF erzählt eine berührende Geschichte um Behindertsein und Geschwisterliebe.

Hamburg. Zwei Brüder von der Nordseeküste sind von einem Tag auf den anderen auf sich allein gestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Jüngere seit der Geburt behindert ist. Er wird einfach immer nur „Simpel“ genannt.

So heißt auch der unbedingt sehenswerte Film, der an diesem Donnerstag im ZDF gezeigt wird. Es ist der dritte Beitrag in der fünfteiligen Filmreihe „Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten“ – alle diese Filme laufen leider erst zu später Stunde.

„Simpel“: Zwei Brüder suchen ihren Vater

Ein Prinz läuft durchs Watt: Barnabas (David Kross) hat regenbogenfarbene Moonboots an, eine Pappkrone auf dem Kopf, und im Eimer an der Leine sitzt „Monsieur Hasehase“, denn sein Kuscheltier ist natürlich überall mit dabei. Am Strand – die Nordsee hat sich schon etwas zurückgezogen – winkt sein besorgter Bruder Ben (Frederick Lau). Kaum wieder daheim, liegt die kranke Mama Julia (Anneke Kim Sarnau) tot im Bett. Dummerweise packt Simpel seinen Hasen mit in den Sarg, Ben muss sich auch darum kümmern.

Das ständige Aufpassen auf seinen Bruder ist für den 25-jährigen Ben anstrengend – das Jugendamt will den 22 Jahre alten Simpel ins Heim einweisen. Doch die beiden hauen erst einmal gemeinsam ab: Auf der Suche nach ihrem Vater David (Devid Striesow) werden sie von Medizinstudentin Aria (Emilia Schüle) und Sanitäter Enzo (Axel Stein) im Auto mit nach Hamburg genommen. Simpel lässt dort Arias Küche aus Versehen in Flammen aufgehen.

Werden die zwei ihren Vater finden? Dies ist sehr wichtig: Er ist der Einzige, der die Einweisung rückgängig machen könnte.

Schwere und traurige Geschichte mit lustigen Szenen

Autor Dirk Ahner und Regisseur Markus Goller haben mit Kameramann Ueli Steiger das Jugendbuch „Simple“ der französischen Autorin Marie-Aude Murail aus dem Jahr 2004 verfilmt. Im Film wird der behinderte Bruder zwar auch als „Bekloppter“ oder „Idiot“ bezeichnet, aber von allen sofort mit großer Selbstverständlichkeit akzeptiert und nie der Lächerlichkeit preisgegeben.

Diese Unkompliziertheit verhilft der eher schweren und traurigen Geschichte zu einer gewissen Leichtigkeit – wobei es sogar richtig lustige Szenen gibt. So trifft Simpel an einer Bushaltestelle auf die Hure Chantal (Annette Frier), die ihn kurzerhand mit in ihren Puff nimmt.

Die beiden Hauptdarsteller tragen diesen bemerkenswerten Film mühelos. David Kross (30) hat zur Vorbereitung auf seine Rolle einige Zeit in einem Behindertenheim verbracht, wo er die Bewohner beobachtete und lernte, wie er sich als Simpel am besten bewegt und spricht – was er großartig macht.

Lau und Kross überzeugen in "Simpel"

Frederick Lau (ebenfalls 30) überzeugt als zwar überforderter Bruder mit dem Verlangen nach einem eigenen Leben, der aber voller Liebe und Fürsorge steckt und weiß, dass er Simpel keine Sekunde allein lassen darf (was natürlich trotzdem und nicht folgenlos vorkommt).

Auch wenn die Wirklichkeit vermutlich deutlich rauer ist als die Filmgeschichte mit ihrem versöhnlichen Schluss, so zeigt der zutiefst warmherzige und berührende Film, was wahrer Zusammenhalt bedeutet. dpa

„Simpel“ 23.15 Uhr, ZDF

( dpa )