Hamburg

Livekultur-Premiere auf Winterhuder Hofgelände

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Stefan Reckziegel
Felix Oliver Schepp (37) gab mit Teilen seines Programms „Hirnklopfen“ sein Open-Air-Debüt.

Felix Oliver Schepp (37) gab mit Teilen seines Programms „Hirnklopfen“ sein Open-Air-Debüt.

Foto: Michael Haggenmüller

Sommer-Reihe „Short Cuts“ des Goldbekhauses bringt Hamburger Künstler und Publikum nach 20 Wochen Pause neu zusammen.

Hamburg.  2021 feiert das Goldbekhaus 40. Jubiläum. Wenn es gut läuft mit einem großen Fest drinnen und draußen. Aber in diesem (Corona-)Sommer? Aus der Anfangszeit des renommierten Stadtteilkulturzentrums in Winterhude stammen die Holzstühle, die am Freitagabend auf dem mit Flatterband abgesperrten Hofgelände stehen. Knapp 50 Menschen in Zweier- oder Dreiergruppen (Familien) harren nach Abgabe ihrer Daten und Desinfektion ihrer Hände auf den Sitzen aus – immer schön mit Abstand. Nach 20 Wochen Pause veranstaltet das Goldbekhaus wieder Kultur live.

„Guten Abend! Wann hab ich das zuletzt öffentlich gesagt?“, begrüßt Felix Oliver Schepp auf der eigens errichteten kleinen Bühne vor der Hof-Treppe das zahlende Publikum. Dankbarkeit, sie ist an diesem Abend beiderseits spürbar. „Welcher Kleinkünstler hat so viele Fans, dass er gleich ein Open-Air-Konzert bekommt?“, wird der Klavierkabarettist später selbstironisch seine Freiluft-Premiere kommentieren.

Mit Teilen seines zweiten Programms „Hirnklopfen“ eröffnet Schepp die Sommer-Reihe „Short Cuts“, mit der das Goldbekhaus für jeweils 60 Minuten Hamburger Künstlern wieder Auftritte bieten will.Jungvater Schepp, Jahrgang 1983, spielt auf dem E-Piano mit feinsinnigen Liedern wie „Individuell“ nicht nur auf die Geltungssucht vieler Vertreter seiner Generation an oder ironisiert mit dem „To-do-Kind“, das „Justin Time“ heißt, das seltsame Gebaren anderer Eltern. Der freiberufliche Schauspieler und Sänger erzählt auch offen davon, dass er Grundsicherung beantragt habe und von August an zunächst für ein halbes Jahr Musik und darstellendes Spiel an einer Stadtteilschule unterrichte. Die Schüler können sich freuen, die Hof-Besucher spenden am Ende reichlich Beifall.

Goldbekhaus garantiert Künstlern Gage im dreistelligen Bereich

Gilt tags darauf ebenfalls für Kerim Pamuk. Der Oriental-Kabarettist und Buchautor, „Hamburger Türke seit mehr als 40 Jahren, aber sehr nett“, spottet vor mehr als 50 Zuhörern in seinem Best-of aus drei Programmen wieder mal über Deutsche und Türken – von der rechthaberischen Rentnerin in der Bahn bis zum Präsidenten Erdogan, „dem Papa mit sechs Facebook-Profilen“. Und: Der vom Homeschooling überforderte dreifache Vater Pamuk fühlt sich in der Krise endgültig hier angekommen: Jüngst mahnte er einen mittelalten deutschen Motorradfahrer an der Aldi-Kasse zum Abstand – der titulierte Pamuk als „Blockwart“ ...

Fairerweise hat das Goldbekhaus allen Künstlern der „Short Cuts“-Reihe eine Gage im noch niedrigen dreistelligen Bereich garantiert. Und wenn nach Erzählkünstlerin Alexandra Kampmeier am gestrigen Sonntag am vorletzten August-Wochenende Alicja Heldt (21.8.), Bätz (22.8.) und Die Firma Rock ’n’ Roll (23.8.) blödeln und spielen, lassen sich gewiss weitere alte Stühle hervorholen.