Hamburg

Corona-Tests vor der durchtanzten Partynacht?

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Tino Lange
Tanzen dicht an dicht – das ist noch Zukunftsmusik.

Tanzen dicht an dicht – das ist noch Zukunftsmusik.

Foto: picture alliance

Geschlossene Clubs und Diskotheken sind auch ein soziales Problem – neue Ideen für Öffnungen werden diskutiert.

Hamburg.  „Liebe Städte, wir brauchen Platz zum Feiern“, fordert Tim Gey­er „Vice“-Autor nach dem Randale-Abend auf dem Frankfurter Opernplatz und spricht aus, was auch viele Nachtaktive in Hamburg denken: Die unkontrollierte, alkoholgeschwängerte Situation zwischen Schanze und Kiez birgt nicht nur gesundheitliche Risiken. Wie aber sollen Großstädte – und nicht nur die – auf unüberschaubare Massen Erlebnishungriger reagieren? Platzverbote verlagern nur die Probleme in einer Zeit ohne ausreichend Angebote.

In Stuttgart legte Sebastian Simon vom Lehmann Club mit Unterstützung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ein Konzept für den kommenden Winter zur Öffnung von Clubs und Diskotheken vor. Es sieht bei regionalen Infektionszahlen auf stabilen, niedrigen Niveaus Clubabende unter streng kontrollierten Auflagen vor. Die zuständigen Behörden legen Höchstbesucherzahlen für die entsprechenden Clubs fest. Über ein regionales Online-Ticketsystem würden Eintrittskarten personalisiert und am Eingang mit amtlichen Ausweisdokumenten abgeglichen, Clubbesuche würden über das Kartensystem auf ein Ticket pro Wochenende beschränkt.

Seit vier Monaten herrscht in Hamburg Tanzverbot

Simons Ziel ist es, das aktuelle Feiern im Freien „kontrolliert in die Clubs zu verlagern“, wie er dem Deutschlandfunk sagte, denn das derzeitige Fehlen von festen Orten und Freiräumen sei auch „ein soziales Problem“.

Seit vier Monaten herrscht in Hamburg Tanzverbot. Livemusikclubs und Diskotheken müssen von Rücklagen, öffentlichen Rettungsschirmen, eventuell möglichen Außenveranstaltungen, Barbetrieb und privaten Spenden – der Südpol in Hammerbrook zum Beispiel generierte über Crowdfunding mehr als 100.000 Euro – leben. Und um das Überleben kämpfen. Mit jedem Monat ohne „Tanzlustbarkeiten“ wächst der finanzielle Druck hinter der Clubtür und der soziale Druck davor. Die Debatten, aber auch die Ideen im Sinne von „smarter Eindämmung“ nehmen zu.

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Eine Idee, wie sie auch Jonas Schmidt-Chanasit vom Tropeninstitut in der „Hamburger Morgenpost“ äußert, sind Teststationen mit Kartuschen-Schnelltests, die innerhalb einer Stunde Ergebnisse liefern. Wer aber den Aufwand bei mehreren Hundert Clubgästen und die entsprechenden Kosten von 30 Euro pro Schnelltest organisieren und
finanzieren soll: Da bleiben viele Frage­zeichen.

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Auch das Hamburger Clubkombinat verfolgt die zahlreichen Ideen aus der Eventbranche: „Wir sind in permanentem Austausch mit den Behörden, um auf eventuelle Änderungen und Neuerungen einer Verordnung schnellstmöglich reagieren zu können. Momentan haben wir in Hamburg ein verordnetes Tanzverbot, welches auf Empfehlungen von medizinischer Seite beruht. Solche Konzepte sind sehr aufwendig in finanzieller – als auch risikoreich in gesundheitlicher Hinsicht. Hier gilt für uns, sehr bedacht im Austausch mit allen Seiten zu sein“, schreibt die Interessenvertretung der Hamburger Clubs auf Abendblatt-Anfrage.

„Wir haben momentan niedrige Infektionszahlen, was auch der aktuellen Disziplin aller zu verdanken ist. Wenn es realistische Möglichkeiten gibt, Tanzveranstaltungen wieder zu ermöglichen, werden wir das eruieren, gegebenenfalls auch in einer kontrollierten Testphase.“