Stadtpark Open Air

„Finanziell sind Johannes Oerdings Konzerte uninteressant“

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Andre
So dicht werden die Fans bei den kommenden Stadtpark-Konzerten von Johannes Oerding nicht stehen – sondern in Liegestühlen sitzen.

So dicht werden die Fans bei den kommenden Stadtpark-Konzerten von Johannes Oerding nicht stehen – sondern in Liegestühlen sitzen.

Foto: Michael Rauhe / HA

15-mal tritt der Hamburger im Stadtpark auf, alle Auftritte sind ausverkauft. Künstler und Veranstalter verdienen trotzdem kein Geld.

Hamburg.  Die Open-Air-Saison im Stadtpark ist seit Jahren das Herzstück des Programms der Karsten Jahnke Konzertdirektion. Wenig überraschend fiel sie in diesem Jahr aus, und auch sonst zerschoss die Pandemie die Bilanzen des Hamburger Traditionsunternehmens – wie bei so vielen Veranstaltern in der Kultur. Gute Nachrichten gibt es jetzt aber für Rockmusikfans. Es gibt nämlich doch noch Konzerte auf der Freilichtbühne. Gleich 15 von ihnen gibt Johannes Oerding. Und alle sind bereits ausverkauft. Das Abendblatt sprach mit Jahnke-Geschäftsführer Ben Mitha über einen kleinen Coup im großen Schlamassel – der aber nicht allen gleichermaßen nützt.

Die Corona-Krise setzt dem Kulturbetrieb zu. Wie war die Stimmung zuletzt bei Jahnke?

Ben Mitha Es ist eine stetige emotionale Berg- und Talfahrt. Grundsätzlich ist die Gesamtsituation für uns sehr frustrierend, da wir unserem Tagesgeschäft nicht wirklich nachgehen können und nicht absehbar ist, wann dies wieder wie gewohnt möglich sein wird. Die Vielzahl an inzwischen mehrfach verschobenen Shows drückt sehr aufs Gemüt.

Aber die Karsten Jahnke Konzertdirektion ist sicher nicht untätig.

Natürlich versuchen wir seit Beginn der Corona-Krise mit diversen Projekten wie Quaratunes, Cruise Inn und jetzt den Stadtpark Acoustics das Kulturleben der Stadt zu erhalten. Hier finden sich natürlich immer wieder schöne Momente, die motivieren und unserem momentanen Tun auch einen Sinn geben. Alles in allem ist es für uns aber emotional eine sehr schwere Zeit.

Es naht Rettung in Person Johannes Oerdings. Mittlerweile sind satte 15 Abende im Stadtpark ausverkauft. Zunächst waren nur drei Konzerte terminiert. Hatten Sie gemeinsam mit dem Künstler von Anfang an auf weitaus mehr Konzertabende spekuliert?

Wir hatten auf einen regen Zuspruch gehofft, von der massiven Nachfrage waren wir am Ende aber auch sehr überrascht und hätten niemals erwartet, dass wir am Ende bei 15 Shows landen würden.

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Wie erklären Sie sich das enorme Interesse?

Ein großartiger Künstler mit einer einzigartigen Stimme im schönsten Venue Hamburgs mit einem ganz besonderen Livekonzept in einer ganz speziellen Zeit. Das passt einfach zusammen, ist rundum stimmig – und kommt an.

Wie viele Konzerte könnten es am Ende werden?

Es wird bei den jetzt terminierten 15 Lagerfeuer Acoustics mit Johannes Oerding bleiben.

Werden noch andere Künstler bei den Lagerfeuer Acoustics im Stadtpark auftreten?

Wir planen mit 20 bis 25 Shows. Konzerte von Lina und Lea sind im Verkauf.

Sie kündigten eine auf die Umstände zugeschnittene Gestaltung des Zuschauerbereichs an. Wie viele Liegestühle haben auf dem Gelände Platz?

Gemäß der aktuellen Corona-Rechtsverordnung können aktuell bis zu 1000 Personen auf der Freilichtbühne Platz finden. Also auch 1000 Liegestühle.

Könnte diese Corona-Konzert-Besonderheit – ein Künstler, viele aufeinanderfolgende Termine, weniger Besucher – ein Konzept auch für die Nach-Pandemie-Zeit werden?

Aufeinanderfolgende Termine sind natürlich immer eine schöne Sache, dann doch aber bitte mit einem Stadtpark Open Air, wie man es kennt – und bei voller Kapazität.

Retten die Oerding-Festspiele die Bilanz?

Nein, leider absolut gar nicht. Nicht mal in Ansätzen. Auch wenn die Meldung von 15 ausverkauften Shows eines Künstlers sensationell ist, darf man die wirtschaftliche Situation dahinter nicht verkennen. An einem Konzertort wie dem Stadtpark kann man mit einem Viertel der regulären Kapazität im Optimalfall maximal kostendeckend arbeiten. Im schlechtesten Fall ist aber nicht mal das möglich. Künstler und Veranstalter verdienen in dieser Größenordnung nichts. Derartige Gigs dienen am Ende dazu, unseren Fans einige unbeschwerte schöne Momente in diesen speziellen Zeiten zu bescheren und unserer Band und Crew ein wenig Einnahmen zu generieren. Aus finanziellen Gesichtspunkten sind die Shows aber leider uninteressant.

Johannes Oerding 15 Termine ab 20.8., Freilichtbühne Stadtpark, ausverkauft; weitere Konzerte: kj.de