Neu im Kino

Die Chemie stimmt, doch der Rest langweilt

Rosamund Pike als Marie Curie.

Rosamund Pike als Marie Curie.

Foto: dpa

Die Filmbiografie „Marie Curie – Elemente des Lebens“ folgt dem konventionellen Abhaken von Lebens- und Leidensdaten.

Hamburg. „Ich finde“, postuliert die Protagonistin einmal trotzig, fast patzig, „meinen eigenen Weg.“ Das musste sie auch. Denn im 19. Jahrhundert war es für eine wie Marie Curie (1867–1934) selbst im aufgeklärten Frankreich nicht leicht. Wegen ihrer polnischen Herkunft wurde sie als Ausländerin beschimpft. Als Frau musste sie ständig gegen die Vorurteile zumal älterer Herren ankämpfen. Und wurde deshalb auch als Wissenschaftlerin lange nicht ernst genommen.

Doch in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ läuft Marie Sklodowska (Rosamund Pike) danach gleich ihrem künftigen Mann Pierre Curie (Sam Riley) über den Weg. Der weiß um sie und ihr Wirken und bietet ihr sein Labor und seine Hilfe an. Was sie erst mal ausschlägt. Aber sofort sind da zwischen den beiden Naturwissenschaftlern nicht nur Spannungen, sondern auch Schwingungen. Die Chemie, möchte man sagen, stimmt schon mal zwischen den beiden. Zusammen haben sie die chemischen Elemente Polonium und Radium entdeckt, wofür sie 1899 den Nobelpreis erhielten. Den nahm indes nur der Mann entgegen, während die Frau sich zu Hause um die Kinder kümmerte. Das klassische Rollenmodell, gegen das sich die kämpferische Frau, die 13 Jahre später noch einen zweiten Nobelpreis gewann, zeitlebens wehrte.

Marie Curie als Pionierin des Feminismus

Eine unermüdliche Forscherin, eine Pionierin des Feminismus, ein Leben voller Hochs und Tiefs. Kein Wunder, dass das Leben von Marie Curie schon mehrfach verfilmt wurde. „Ich finde meinen eigenen Weg“: Das muss sich auch Marjane Satrapi gesagt haben. Aber die iranisch-französische Regisseurin kann leider keinen überzeugenden neuen Ansatz vorweisen.

Satrapi wurde bekannt als Comic-Zeichnerin, die in „Persepolis“ ihr eigenes Leben im Iran erzählte, bevor sie es 2007 als Animationsfilm adaptierte. Ihre Filmbiografie „Marie Curie – Elemente des Lebens“ fällt jedoch erstaunlich brav und konventionell aus. Sie beginnt mit Curies Zusammenbruch 1934 in ihrem Labor, und während sie im Krankenhaus durch lange dunkle Gänge gerollt wird, zieht das Leben in Erinnerungsfetzen an ihr vorbei. So erzählt man Biopics eigentlich schon lange nicht mehr. Und was besonders erstaunt bei der persischen Regisseurin, ist der Fakt, dass Curies Leben ganz lange nur im Verhältnis zu ihrem Mann und nach dessen Tod in der Affäre zu einem Mitarbeiter erzählt wird. Wobei auch Ausländerfeindlichkeit, die Satrapi in ihrem Exil ja selbst erleben musste, fast keine Rolle spielt.

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Eine eigene Note gewinnt der Film nur in wenigen Momenten, in denen quasi als Vorgriff in die Zukunft gezeigt wird, wozu Curies Forschungen mit dem Atom geführt haben: die erste Strahlenbehandlung eines krebskranken Kindes, aber auch der Atombombenabwurf in Hiroshima 1945 und die Nuklearkata­strophe in Tschernobyl 1985, Sequenzen, die teils trickanimiert verfremdet werden. Aha, erfährt der Zuschauer, ihre Forschung hat also zu Gutem wie Schlechtem geführt. Aber ist die Forscherin für das, was lange nach ihrem Tod geschah, verantwortlich? Auf eine solche Debatte lässt sich der Film nicht ein. Er begnügt sich mit diesen provokativen Andeutungen und folgt sonst weiter dem konventionellen Abhaken von Lebens- und Leidensdaten.

„Marie Curie“ 96 Minuten, ab 6 Jahren, läuft im Elbe, Holi, Koralle, Studio-Kino