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Tilo Prückner – ein Lausbub und ein Kind im Kopf

| Lesedauer: 3 Minuten
"Tatort"-Schauspieler Tilo Prückner ist tot

"Tatort"-Schauspieler Tilo Prückner ist tot

Er wurde 79 Jahre alt. Neben seiner Rolle als "Tatort"-Kommissar war Prückner vor allem für sein Engagement in der Serie "Rentnercops" bekannt.

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Schauspieler Tilo Prückner war ein Spezialist für kauzige Typen. Der einstige Hamburger „Tatort“-Kommissar starb mit 79 Jahren.

Hamburg. Was für ein reizend verschrobener Hypochonder. Sicher, Evelyn Hamann war der Star der Serie, aber ohne den eigenwilligen Tilo Prückner an ihrer Seite, der die Absurdität der Männergesellschaft nicht nur in dieser Rolle glänzend personifizierte, wäre „Adelheid und ihre Mörder“ nicht der Erfolg in Serie gewesen.

Tilo Prückner galt als Spezialist für Exzentriker und prägnante Nebenparts, das seien eh „meist die besseren Rollen“, fand er. Auch eine unter Betulichkeitsverdacht stehende ARD-Serie wie „Die Rentnercops“ profitierte von der Besetzung, das Trio Tilo Prückner, Wolfgang Winkler und Katja Danowski entwickelte sich zum Kult.

Das Älterwerden nahm Prückner mit Humor, vor dem Lauf der Zeit schützte das nicht: Erst vor einem halben Jahr stand Tilo Prückner auf der Beerdigung seines langjährigen Schauspielkollegen Winkler. Beide hatten stets in Hochachtung voneinander gesprochen. Nun ist auch Tilo Prückner, wie erst gestern bekannt wurde, bereits am Donnerstag im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben.

Deutscher Darstellerpreis für die Rolle in „Bomber & Paganini“

Vor und hinter den Kulissen muss der Mann mit dem charakteristischen Schnauzbart, Gründungsmitglied der Schaubühne am Halleschen Ufer, wo er Anfang der 1970er-Jahre auf der Bühne stand, ein entzückender Kollege gewesen sein: Einen „Lausbub“ nennen ihn Freunde zärtlich, ein „Kind im Kopf“ sei er gewesen, „ewig jung“ trotz des zuletzt schlohweißen Haars, frech und gerechtigkeitsliebend.

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Prückner, der vor ein paar Jahren den autobiografisch inspirierten Roman „Willi Meerkatz wird verlassen“ schrieb, galt als Energiebündel, was man gern glaubt, wenn man ihn in seinen Rollen beobachtet.

Zu denen gehörte auch die deutsch-österreichische Gaunerkomödie „Bomber & Paganini“; Tilo Prückner spielte hier mit Mario Adorf die tragikomische und politisch eher unkorrekte Geschichte zweier permanent scheiternder Gauner, wofür er 1976 den Deutschen Darstellerpreis bekam. In der legendären Michael-Ende-Verfilmung „Die unendliche Geschichte“ von Wolfgang Petersen war er der Nachtalb, im Hamburger „Tatort“ neben Robert Atzorn 15 Folgen lang dessen Partner Eduard Holicek.

Wer Fernsehkrimis schaute, kam an Tilo Prückner – Sohn eines Kinderarztes, der für die Schauspielerei einst sein Jurastudium sausen ließ – nicht vorbei: „Kluftingerkrimi“, „Ein Fall für zwei“, „Der Fahnder“, „Balko“, „Doppelter Einsatz“, „Wolffs Revier“, „Kommissarin Lucas“, alles dabei. Im Kino sah man ihn in Til Schweigers „Honig im Kopf“ oder Katja von Garniers „Ostwind“-Pferdefilmen. Anlässlich seines 75. Geburtstages hatte Tilo Prückner entspannt zu Protokoll gegeben: Seine Rollenangebote seien keineswegs weniger geworden – bloß die Figuren immer älter.

ARD-Programmänderung „Holger sacht nix“ mit Tilo Prückner, Mittwoch, 8.7., 20.15 Uhr

( msch )