Festival-Tipp

Corona stoppt Millerntor Gallery: die digitale Alternative

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Stefan Reckziegel
Die Katakomben der Haupttribüne voll mit Street-Art, für „Art Creates Water“ digitalisiert von Philipp Weiß.

Die Katakomben der Haupttribüne voll mit Street-Art, für „Art Creates Water“ digitalisiert von Philipp Weiß.

Foto: Viva con Agua ARTS gGmbH

Das Kunst- und Kulturfestival für Viva con Agua wurde auf 2021 verlegt. Nun kommt „Art Creates Water“ mit Online-Auktion und Musik.

Hamburg.  In der vergangen Jahren wurden oft wochenlang im Voraus Wände bemalt, Bühnen aufgebaut, aber meist auch bis zur bis zur letzter Minute vor Eröffnung des Festivals improvisiert: Für die „Millerntor Gallery“, 2011 aus einer Schnapsidee entwickelt, fanden sich stets viele Ideen, helfende Hände und pro Jahr bis zu 160 Künstler. Sie stellten ihre Werke an einigen Sommertagen auf den Gängen und in den Katakomben des Stadions vom FC St. Pauli aus. Das Gros der Erlöse des Kunst- und Kulturfestivals floss in Projekte von Viva con Agua e.V.

In diesem Jahr entschied die längst weltweit vernetzten Trinkwasser-Initiative aus St. Pauli bereits im April weitsichtig, die zehnte Ausgabe der „Millerntor Gallery“ wegen der Corona-Pandemie auf 2021 zu verlegen. Doch ganz ohne bunte Stadionwände geht es auch in diesem Juli nicht. Erstmals hat Viva con Agua Arts, wie der Organisator offiziell seit 2016 heißt, ein Festival im digitalen Raum geschaffen, „Art Creates Water“, mithin eine virtuelle Gallery, kurz „Vallery“.

Selbst die Haupttribüne des Millerntor-Stadions wird digital

Möglich wurde dies, weil Viva-con-Agua-Arts-Geschäftsführer Arne Vogler und sein kleines hauptamtliches Team mit Philipp Weiß ein kreativen Mitstreiter fanden. Der studierte Architekt baute am Bildschirm nicht nur die Haupttribüne des Millerntor-Stadions nach, in der von Mittwoch an online immerhin mehr als 40 Werke von internationalen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen sind.

Weiß kreierte auch die erste virtuelle Charity-Aktion: Bei der werden an diesem Dienstagabend 24 Arbeiten von Künstlern für den guten Zweck versteigert.

Kunstaktion im Netz für Viva con Agua

Klickt man die einzelnen Werke an, sind sie nicht nur in Relation zu den anderen zu erkennen, hinter jedem Objekt lassen sich auch detaillierte Angaben zu Größe und Material finden, außerdem häufig Info-Videos. In der Online-Galerie sind auch Werke von Street-Art-Künstler Shepard Fairey sowie die in Hamburg lebenden Sabela Garcia Cuerta, Roland Wurm und Jan Köppen zu ersteigern. Der Maler selbst kommentiert den Livestream mit TV-Moderatorin Laura Wontorra.

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Im Vorjahr kamen dank der Auktions- und Festivalerlöse 140.000 Euro zusammen, darunter viel Geld für ein Bild Gerhard Richters. „Diesmal kommt die Kunst auch zu den Menschen“, hofft Arne Vogler dank der „Vallerry“ auf neue Interessenten. Bei „Art Creates Water“ kann nämlich jede virtuelle Stadionwand für jeweils 30 Euro als Fine-Art-Print erworben werden, „Wir wollen es so auch schaffen, Künstler unter Leute zu bringen, die sich Kunst sonst nicht hätten leisten können“, sagt Vogler.

Das Knust sorgt für den musikalischen Teil des Festivals

Dass es wie sonst im Millerntor-Stadion beim Livestream-Festival mit Bands wie Drunken Masters, Booz, Rola, Josie Miller oder Secret War’s auch Konzerte (diesmal aus dem Knust), Diskussionen und Workshops geben wird, rundet das Programm ab.

„Art Creates Water“-Festival Auftakt mit Charity-Auktion, Di 7.7., ab 18.30, Ausstellung Mi 8.7.-Sa 10.7., Programm unter https://artcreateswater.org