Kultur in Hamburg

Das Ohnsorg wird in Corona-Zeiten zum „Theaterlabor“

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Stefan Reckziegel
Michael Lang, zuvor fast 20 Jahre an der  Komödie Winterhude, leitet das Haus am Heidi-Kabel-Platz seit August 2017.

Michael Lang, zuvor fast 20 Jahre an der Komödie Winterhude, leitet das Haus am Heidi-Kabel-Platz seit August 2017.

Foto: dpa

Intendant Michael Lang setzt wie Oberspielleiter Murat Yeginer in der ersten Hälfte der Spielzeit 2020/21 auf handliche Komödien.

Hamburg. Die Kasse war noch geschlossen am Freitagvormittag, das Foyer des Ohnsorg-Theaters nahezu leer. Aus der oberen Etage jedoch drangen weibliche Interpretationen eines ABBA-Liedes in den Großen Saal. „Schön, dass wir hier auch mal wieder etwas Sinnliches erleben können und es nicht mehr nur um Pragmatisches geht“, sagte Intendant Michael Lang. Wie viele seiner Theaterkollegen hatte er mit gehöriger Verspätung zur Programmvorstellung für die Spielzeit 2020/2021 geladen. Die neue Karaoke-Komödie „Tussipark“ (Premiere: 16. Juli), zu der auch populäre ABBA-Songs gehören, und das Gastspiel des komischen Hamburger Musik-Trios Bidla Buh (30.7-9.8.) gehörten von vornherein zum hochdeutschen Sommer-Programm im Ohnsorg. Doch was danach kommt, das war und ist Ergebnis von immer neuen Überlegungen.

Mit Oberspielleiter Murat Yeginer glaubt Lang tragfähige, für das Publikum interessante und für alle sichere Lösungen gefunden zu haben. Den ursprünglichen Spielplan für 2020/21 haben die beiden Theatermacher um ein Jahr verschoben. Unter dem Motto „So bunt as dat Leven“ soll im Ohnsorg trotz der umfangreichen Hygienemaßnahmen von Ende August an nicht nur den fast 5000 Abonnenten leichte, aber nicht bloß seichte Kost geboten werden: „Die Kunst wird es sein, Nähe zu schaffen, ohne körperlich in Berührung zu kommen“, erläuterte Lang. Das Ohnsorg werde „zu einer Art Theaterlabor“, inklusive Ohnsorg-Studio, das als „Salon-Theater“ vorerst nur 20 Plätze bietet. Im Großen Haus (428 Plätze) können je nach Senatsverordnung 93 oder 123 Menschen zusehen

Gefragt seien „kleine handliche Produktionen mit bis zu fünf Darstellern“

Gefragt seien „kleine handliche Produktionen mit bis zu fünf Darstellern“, sagte Lang. Geplant hat er zunächst vier neue statt der sonst üblichen drei Stücke bis Jahresende, jeweils ohne Pause nur gut 70 Minuten lang, ergänzt um das Weihnachtsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“ (Premiere 21.11.). Los geht es für die Großen mit „Twee as Bonnie un Clyde“ (29.8.), laut Yeginer „eine Gauner-Komödie vom Feinsten“. Frank Grupe inszeniert das Zwei-Personen-Stück mit Erkki Hopf und Birte Kretschmer. Yeginer selbst verantwortet die böse Komödie „Blots En Lütten Boort – Das Bärtchen“ (Premiere: 1.10.). Auch in der Komödie „Laat uns Frünnen blieven“ (ab 3.12.) führt Yeginer Regie. Das Boulevard-Stück „Rita will dat weten“ (ab 1.11.) inszeniert Milena Paulovics, die wie alle vor Corona engagierten freischaffenden Künstler wie geplant beschäftigt wird.

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Zu den Gästen gehört seit 1. Juli auch Sandra Keck. Das langjährige Ensemblemitglied hatte seinen Festvertrag vor Monaten gekündigt – die Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin wollte sich mehr eigenen Projekten widmen, ist aber bald wieder mit „Kecke Utsichten“ (11.10./3.11.) am Haus. Bis Juni seien 229 Ohnsorg-Vorstellungen ausgefallen, sagte Lang. Noch bis Ende Februar hatte der Chef die Auslastung im Großen Haus von 70 Prozent (2018/19) auf 78 Prozent steigern und 285.000 Euro Überschuss erwirtschaften können. Und trotz Corona setzen Lang und Yeginer weiter auf hochdeutsche Anteile im Repertoire.

Programm ab 16.7. im Ohnsorg-Theater, Infos und Karten: T. 35 08 03 21; www.ohnsorg.de