Open Air in Hamburg

Die Knust Acoustics sind auch mit Abstand schön

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Tino Lange
So sah sie aus, die erste „Corona Edition“ der Konzertreihe Knust Acoustics auf dem Lattenplatz an der Feldstraße: 200 statt wie in den Vorjahren 500 Plätze, Sitzpflicht und Mund-Nasen-Schutz auf dem Weg zu Bars und Toiletten, Registrierung beim Einlass. Die Bühne ist rechts unter dem Vordach.

So sah sie aus, die erste „Corona Edition“ der Konzertreihe Knust Acoustics auf dem Lattenplatz an der Feldstraße: 200 statt wie in den Vorjahren 500 Plätze, Sitzpflicht und Mund-Nasen-Schutz auf dem Weg zu Bars und Toiletten, Registrierung beim Einlass. Die Bühne ist rechts unter dem Vordach.

Foto: Roland Magunia / HA

Die „Corona Edition“ der Freiluft-Konzertreihe auf dem Lattenplatz feierte eine gelungene Premiere – trotz und mit Hygienekonzept.

Hamburg.  Woah, herrlich. Wie frisch und blumig das duftet! Nach vier Monaten Zwangspause und dem regelmäßigen Wienern mit Desinfektionsmitteln sind die Toiletten im Knust zumindest mit der Nase nicht wiederzuerkennen. Trotzdem möchte nicht lange verweilt werden, denn draußen auf dem Lattenplatz ist es noch schöner: bei der Premiere der „Corona-Edition“ der seit zehn Jahren beliebten Freiluft-Konzertreihe Knust Acoustics.

Über Wochen haben sich „Acoustics“-Veranstalter Siebeth Darm und das Knust-Team mit Ideen für pandemiegerechte Konzertdurchführungen sowie mit den entsprechenden Behörden auseinandergesetzt und bekamen zum 1. Juli grünes Licht für Open-Air-Veranstaltungen auf dem Areal an der Feldstraße zwischen Knust und Karostar. 150 statt 500 Gäste waren erlaubt, aber durch die ab 1. Juli geltenden neuen Verordnungen dürfen sogar noch weitere 50 Tickets für die eigentlich bereits ausverkauften „Acoustics“ am Eingang zum abgezäunten Gelände verkauft werden, immerhin 25 Karten gehen spontan an der Tageskasse weg.

Knust Acoustics: Livemusik mit Publikum und Bier erscheint wie ein Luxus

Die vorab kommunizierten Corona-Maßnahmen – Abstand, Registrierung, Maskenpflicht auf dem Weg zu Bars und Toiletten – mögen drastisch erscheinen, bei den Auftritten der Bands und dazwischen merkt man aber keinen großen Unterschied zu den Vorjahren, außer dass die Tische weiter auseinander stehen. Und die vielen Stammgäste, die sich untereinander kennen, begrüßen sich nicht mit Umarmungen, sondern von Fuß zu Fuß oder Ellenbogen zu Ellenbogen.

Vom aktuellen Luxus, Livemusik mit vielen anderen Menschen, Bier und Weinschorle zu erleben, lenkt das aber kaum ab. Spürbarer ist die Freude auf zwei Bands und eine Sängerin, die jeweils eine halbe Stunde mehr oder weniger unplugged auf der kleinen Bühne neben dem Knust-Eingang spielen: „Das ist eigentlich total verrückt“, sagt eine Tischnachbarin. Aber was ist in diesen Zeiten nicht verrückt? Es bleibt in den zwei Stunden sogar trocken, pünktlich mit dem letzten Akkord setzt erst der Regen ein.

"Seid vorsichtig": Drei Berliner, ein Mikrofon: Sei's drum

„Wer hätte das gedacht“, ruft auch Siebeth Darm bei seiner Eröffnung der Lattenplatz-Saison, um auch an die „Zaungäste“ auf der großen Lattenplatz-Treppe neben dem „Acoustics“-Areal adressiert zu rufen: „Seid vorsichtig“. Auch die Musiker der ersten Band Yonder Boys schiebt er — eher spaßeshalber — noch ein Stück auseinander.

Da sich die drei Berliner für ihren traditionellen Bluegrass, Hillbilly-Country und American Folk allerdings ein altmodisches Radiomikrofon teilen, ist das schnell Makulatur. Sei es drum, der „Rabbit Song“, der „Eagle Song“ und weitere Lieder des Debütalbums „Acid Folk“ haben Charme, tatsächlich sind 175 Zuschauende im Juli 2020 schon Woodstock.

Knust Acoustics mussten die Preise erhöhen

In den Umbaupausen legt Knust-Programmleiter Dirk Matzke Soul auf, ein gutes Dutzend weitere Beteiligte kümmern sich um Sound, leibliches Wohl und Hygiene. In Hochzeiten tummelten sich 500 und mehr Musikliebhabende und Passanten auf dem Lattenplatz, erst gegen eine Hutspende für die Bands, später gegen festes Eintrittsgeld, das im Vorverkauf jetzt von fünf auf zehn Euro erhöht werden musste, damit sich die Shows trotz verringerter Kapazität für die musikalischen Gäste lohnt.

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Wobei Gage nicht alles ist: Für die in Berlin lebende australische Sängerin und Songschreiberin Steph Grace ist es zu ihrer größten Freude der erste Auftritt und damit auch der erste große Applaus nach vielen Monaten, den sie anschließend mit Polaroid-Selfis zusammen mit Fans festhält.

Wer in den kommenden Wochen auf dem Lattenplatz spielt

Mit der dritten Band Absolem Max aus Hamburg gibt es sogar das ganz große Soul-Besteck: Schlagzeug, Gitarren, Bass, Saxofon und Querflöte, voll verstärkt, dynamisch, so unerhört nach vier Monaten Stille. Dafür gibt es sogar Zwischenapplaus. Ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Die „Knust Acoustics“ werden für mindestens zehn Wochen mittwochs auf dem Lattenplatz zu erleben sein.

Am 8. Juli kommen DenManTau, Wahnschaffe und Herr D.K., am 15. Juli Wilhelmine, Portmonee und Lemony Rug. Und am 4. Juli beginnen auch die „Jazzhouse Open Air“-Konzerte vor dem Knust mit der Band Uebertribe und ToyToy am 7. Juli. Toi, toi, toi!