Kultur

Verband der Freien Szene: „Es fehlen Perspektiven“

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Kultursenator Carsten Brosda.

Kultursenator Carsten Brosda.

Foto: Roland Magunia

Konzeptionspapier an Hamburgs Kultursenator regt unter anderem verlängerte Förderzeit von Künstlerbiografien an.

Hamburg. Trotz der angekündigten Lockerungen und dem langsamen Hochfahren einiger Institutionen bleiben die Zeiten für Künstlerinnen und Künstler aus Theater, Tanz oder Performance kompliziert. Wohl dem, der in der Krise auf ein tariflich geregeltes Festengagement oder zumindest auf Kurzarbeitergeld zählen kann. Als Teil der Freien Szene kann man auf all das nicht hoffen.

Selbst in guten Zeiten hangelt man sich in der Regel von Projekt zu Projekt. Die Pandemie hat da manche Schieflage weiter verschärft, wie Barbara Schmidt-Rohr vom Dachverband freie darstellende Künste Hamburg e. V. zu berichten weiß. Die Allgemeinverfügung des Senats hatte Vorstellungen und Proben zunächst unmöglich gemacht. Die Soforthilfe für Solo-Selbstständige und die jüngst aufgelegte Neustartprämie halfen immerhin aus der größten Not.

Konzeptionspapier an den Kultursenator

„Was vor allem fehlt, sind Arbeitsperspektiven“, so Barbara Schmidt-Rohr. Viele Gastspiele und Premieren werden auch in der kommenden Spielzeit unter den Pandemie-Auflagen nicht wie vorgesehen über die Bühne gehen können. Schmidt-Rohr und ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand des Dachverbandes haben deshalb ein Konzeptionspapier an den Kultursenator adressiert – auch im Hinblick auf die anstehenden Verhandlungen zum kommenden Doppelhaushalt im Herbst.

„Wir wollen das Förderinstrumentarium insgesamt stärker schärfen und ausdifferenzieren“, so Barbara Schmidt-Rohr. Es geht um Nachhaltigkeit, um eine Stärkung des Digitalen, aber auch um neue Mobilitätskonzepte. Gerade in der langfristigen Planung liegt einiges trotz der jüngsten Erhöhungen der Förderetats im Argen.

Der Dachverband regt nun die Einrichtung eines Fonds an

Nach dem Willen des Dachverbandes sollen Arbeitsstipendien und eine erweiterte Rechercheförderung ohne den Zwang zur Präsentation die Künstlerinnen und Künstler vor der nächsten Förderperiode in die Lage versetzen, zu arbeiten und ihnen die Möglichkeit geben, an ihren Themen dranzubleiben.

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Im Moment versuchen viele, kreativ mit der Krise umzugehen, nutzen etwa das Medium Film für sich. Aber viele Projekte werden verschoben. Der Dachverband regt nun die Einrichtung eines Fonds an, der pandemiebedingte Mehrkosten auffängt. „Mit den Stipendien und der Rechercheförderung gehen auch neue Mobilitätskonzepte einher. Wir denken in die Zukunft auch unter Berücksichtigung des Klimawandels“, so Schmidt-Rohr. Eine digitale Plattform soll eingerichtet werden, die als Archiv, Streaming-Angebot und Kommunikationstool funktioniert und im Idealfall weniger Reisen notwendig macht.

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Auch Künstlerbiografien sollen künftig nachhaltiger gefördert werden. So soll die über drei Jahre angelegte Konzeptionsförderung von drei auf vier Jahre aufgestockt werden und sukzessive in eine Spitzenförderung münden. Bislang stehen selbst arrivierte Künstlerinnen und Künstler nach der dreijährigen Förderung oft erneut vor dem Nichts. Für die Künstlerinnen und Künstler der Freien Szene werden die Folgen der Pandemie noch lange spürbar sein.

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( asti )