Corona-Benefizauktion

Kunst gucken – und danach Kunst kaufen

| Lesedauer: 4 Minuten
Vera Fengler
Der Hamburger Stifter Rene Spiegelberger, hier in seinem Büro vor dem Werk „Fahnenmeer“ von Martin Spengler, hat „PArt“ ins Leben gerufen.

Der Hamburger Stifter Rene Spiegelberger, hier in seinem Büro vor dem Werk „Fahnenmeer“ von Martin Spengler, hat „PArt“ ins Leben gerufen.

Foto: Andreas Laible

Stifter Rene Spiegelberger hat eine große Benefizauktion gestartet, um Künstlern und Galerien durch die Krise zu helfen.

Hamburg. Die Idee ist eigentlich simpel. Und trotzdem war vorher noch niemand darauf gekommen. Mit dem kulturellen Shutdown waren von heute auf morgen Galerien und Ausstellungshäuser geschlossen, fanden viele Schauen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wurden Projekte verschoben – oder, wenn es ganz arg kam, ganz abgesagt, weil sie nicht mehr in den Terminkalender passten. Künstlerinnen und Künstlern widerfuhr das, was das Schlimmste in dieser Branche ist: Sie wurden nicht gesehen. „Ich kenne keinen angesagten Künstler, der für das Frühjahr nicht gerade eine Ausstellung vorbereitet hatte“, sagt der Stifter Rene Spiegelberger, „gerade für junge Künstler bedeutet die Corona-Pandemie einen Karriereknick, den Galeristen, die die Künstler vertreten, fehlen wiederum die Verkäufe“.

Um den Kreativen weiterhin Sichtbarkeit und Teilnahme am Diskurs zu ermöglichen, rief der 44 Jahre alte Hamburger kurzum „PArt“ ins Leben, eine Initiative bestehend aus den drei Säulen Kunstplattform, Künstlerhilfsfonds und einer Benefizauktion, bei der zeitgenössische Werke in einer Online-Ausstellung einem internationalen Publikum präsentiert werden. Unterstützt wird die Initiative von dem Künstler Daniel Richter und der Künstlerin Leiko Ikemura, dem Publizisten Florian Illies, Thomas Girst vom BMW Art Program, Georgie Pope von den Independent Collectors sowie dem Galeristen Johann König.

Bei „PArt“ stehen 50 Positionen zum Gebot

Bei „PArt“ stehen 50 Positionen zum Gebot; die prominentesten Werke sind „Je ne sais pas“ des Berliners Anselm Reyle, der bevorzugt mit Fundstücken, Autolacken und Spachtelmasse arbeitet, das „Stillleben“ von Michael Wesely und „Wasserspiel III“ von Christian Awe. Von Katja Aufleger, die Meisterschülerin bei Andreas Slominski an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg war und im kommenden Jahr eine große Ausstellung im Tinguely-Museum in Basel haben wird, stammt die Arbeit „EGO“. Der Maler Christopher Lehmpfuhl zeigte kürzlich seine sehenswerte Schau „Hamburg-Berlin“ in der Barlach Halle K; von ihm ist das Gemälde „Blick zum Odenwald“ vertreten.

Der Hamburger Maler Jochen Hein hat ein Seestück aus der aktuellen „Reflexionen“-Serie beigesteuert, die 2019 im Kunstverein Schwimmhalle Schloss Plön zu sehen waren. Noch sieben weitere Hamburger sind bei der Auktion dabei: die Triptychon-Malerin Penny Monogiou („Emil/Lucas/Aurora“), Janus Hochgesand („Konvolut von drei Gemälden“), Henrik Eiben mit der geometrischen Abstraktion „Fais-moi signe“, der Aquarellmaler Manfred Holtfrerich („Blatt 259, Hamburg Frühjahr 2020“), Frank Gerritz, der einen Gerhard Richter übermalt hat, der Photokonstrukteur Giovanni Castell mit seiner Arbeit „Nada“ und Marc Lüders (Photopicture „Figur 814-12-2“).

Mit allen Teilnehmern führt Rene Spiegelberger kurze Gespräche

Mit allen Teilnehmern führt Rene Spiegelberger kurze Gespräche über ihre Person und das Werk; auf dem Insta­gram-Kanal producersart kann man sich die entsprechenden Videos ansehen und noch so manches über einen interessanten Künstler erfahren. „Eigentlich sind alle Geheimtipps“, verrät Spiegelberger, „bei einigen Künstlern warten Sammler schon lange auf ein aktuelles Werk“. In diesem kuratierten Raum können auch Nicht-Sammler und Nicht-Kunstexperten stöbern und Werke zum Einstiegspreis ersteigern. So liegt ein Großteil der angebotenen Werke bei einer Taxe von 3000 bis 5000 Euro. „Kunst muss kein teures Hobby sein“, findet Spiegelberger, der selbst leidenschaftlicher Sammler und großer Anhänger von Joseph Beuys ist. Mit seiner Firma Spiegelberger Kunstkonzepte berät er Sammler, Künstler und Institutionen bei der Stiftungsgründung. In seinem Unikat Verlag erscheinen Künstlermonografien. Über 160 Schulen bundesweit versorgt seine Stiftung mit Unterrichtsmaterial zur gegenwartsbezogenen Kunstvermittlung.

Über 1000 zeitgenössische Kunstwerke sind zu entdecken

Noch bis zum 1. Juli können Interessierte ihr Los auf der Plattform des Online-Auktionshauses Van Ham abgeben; die Auktion wird komplett digital ablaufen. 50 Prozent des Erlöses erhält der Künstler, die andere Hälfte fließt an die Galerie. Darüber hinaus können auf der Website producersart.com über 1000 ausgewählte Kunstwerke zahlreicher und wichtiger Vertreter der aktuellen Kunstszene entdeckt und erworben werden. „Geschwindigkeit war oberstes Gebot bei der Initiative“, so Spiegelberger. „Es ging darum, das Geld möglichst schnell zu den Künstlern zu bringen. Aber noch wichtiger als der Erlös ist mir, dass die Künstler und ihre Arbeit wieder gesehen werden.“ Sein Motto: „Nur, wenn der Mensch der Kunst hilft, kann die Kunst dem Menschen helfen.“

Benefizauktion „PArt“ bis 1.7. auf www.van-ham.com; Infos unter www.pro­ducersart.com und www.spiegelberger-stiftung.de, Instagram-Kanal @producersart