Saisonvorschau

Allee Theater plant mit deutlich weniger Plätzen

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Holger True
Kultursenator Carsten Brosda (l.) im Allee Theater auf Abstand mit dem Geschäftsführenden Intendant Marius Adam.

Kultursenator Carsten Brosda (l.) im Allee Theater auf Abstand mit dem Geschäftsführenden Intendant Marius Adam.

Foto: Marcelo Hernandez

„Carmen“ soll in einer „Corona-Version“ auf die Bühne kommen. Das Theater für Kinder könnte in Schulen spielen.

Hamburg.  Lieber vor wenigen Zuschauern spielen, als gar nicht spielen, ist ja derzeit die Losung fast aller Häuser, die sich auf die Wiedereröffnung zur nächsten Saison vorbereiten. Das gilt auch für das Allee Theater (inklusive Theater für Kinder) in Altona. Intendant Marius Adam plant derzeit zum Saisonstart am 1. September nur 44 der vorhanden 202 Plätze zu besetzen, um die geltende Abstandsregel einhalten zu können. Natürlich sei das defizitär, sagt er, aber ein Abwarten bis irgendwann wieder Normalität eingekehrt ist, eben auch keine Alternative: „Dann ist das Theater irgendwann tot.“

Also hat man sich am Allee Theater damit beschäftigt, die für die Kammeroper geplanten Stücke coronagerecht zu machen. Durch Reduzierung der Rollen und damit der Personen, die sich gleichzeitig auf der Bühne befinden, aber auch durch passende Regiekonzepte.

Besonders augenfällig ist das bei Bizets „Carmen“ (Premiere: 18.9.), die im Sevilla des Jahres 2020 während der Corona-Pandemie spielt – inklusive Plexiglasscheiben und Mundnasenschutz. Eine Art Passionsgeschichte sei geplant, sagt Adam, auch aktuelle Flüchtlingsströme spielten dabei eine Rolle.

Allee Theater richtet sich auf "Corona-Saison" ein

Händels „Alcina“ (ab 2.10.) läuft als konzertante Aufführung mit in der Regel nur einer Sängerin oder einem Sänger auf der Bühne, die Rezitative fallen weg, stattdessen führt ein Moderator durch die Handlung. Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ (ab 18.12.) soll ohne Chorszenen auskommen und (hoffentlich) auch an Silvester für fröhliche Stimmung sorgen.

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Bereits am 27. November steht ein Debüt an: Marius Adams erste Regiearbeit am Allee Theater, Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, das für die nächsten fünf Jahre als fester Bestandteil des Programms vor den Weihnachtstagen vorgesehen ist.

Die Wiederaufnahme der „Zauberflöte“ (ab 19.3.), die wegen der angeordneten Theaterschließung nur wenige Vorstellungen erlebte und eine konzertante „Lucia di Lammermoor“ (ab Mai 2021) runden den Spielplan-unter-Vorbehalt ab. Das beliebte Opernmenü wird es weiterhin geben, auch eine Pause während der Vorstellungen ist eingeplant. Bei nur 44 Besuchern sei das organisatorisch möglich, sagt Adam.

Das beliebte Opernmenü wird es weiterhin geben

Im Theater für Kinder soll am 12. September zum Komponisten-Jubiläumsjahr die Uraufführung von „Der kleine Beethoven“ zu erleben sein. „Däumelinchen“ (ab 25.10.) beschäftigt sich kindgerecht mit dem Thema Mobbing, „Der Zauberer von Oz“ ( ab 14.1.) läuft in der Vorweihnachtszeit, während „Die kleine Zauberflöte“ (ab 20.2.) ebenso wie das Mozart-Original für einen Neustart bereitsteht.

Unklar ist noch, wie es mit den Vorführungen für Schulklassen weitergeht, die erheblichen Anteil am Umsatz des Hauses haben. Werden die Schüler wieder kommen dürfen? Vorsichtshalber bereitet das Theater für Kinder „Corona-Fassungen“ der Stücke vor. Mit denen könnte dann etwa in Aulen oder Turnhallen aufgetreten werden, in denen sich Abstandsgebote auch bei größeren Gruppen besser einhalten lassen.

Die Proben für „Carmen“ und „Der kleine Beethoven“ beginnen nach den Sommerferien am 10. August. Allerdings nicht auf der Probebühne in Eidelstedt, die unter den gegebenen Umständen zu beengt sei, sondern im Haus an der Max-Brauer-Allee. An diesem Tag startet auch der Kartenvorverkauf, zunächst aber nur für die Vorstellungen im September. Man hoffe auf eine positive Entwicklung der Gesamtsituation und höhere Kapazitäten in den Folgemonaten, so Marius Adam.

Weitere Infos: www.alleetheater.de