Kultur-Lockerungen

Hamburger Programmkinos geben Öffnungstermin bekannt

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Volker Behrens
Das Abaton am Grindelhof gehört zu Hamburgs bekanntesten Kinos.

Das Abaton am Grindelhof gehört zu Hamburgs bekanntesten Kinos.

Foto: Thorsten Ahlf / FUNKE Foto Services

In Schleswig-Holstein starten Lichtspielhäuser schon kommende Woche. So läuft ein Kinobesuch während der Corona-Krise ab.

Hamburg. Seit Wochen sind die Leinwände dunkel. Die Kinobetreiber haben wegen der Corona-Krise keine Einnahmen, viele Mitarbeiter sind in der Kurzarbeit. Aber jetzt kommt Bewegung in die Sache: Zahlreiche Hamburger Programmkinos wollen am 2. Juli wieder öffnen. In Schleswig-Holstein dürfen die Kinobetreiber bereits in der kommenden Woche Besucher begrüßen – allerdings wollen das zunächst gar nicht alle. Jedenfalls nicht sofort.

„Wir sind ab dem 18. Mai wieder für Sie da“, heißt es auf der Homepage der Capitol Lichtspiele in Kappeln. Das Land Schleswig-Holstein will von Montag an wieder Veranstaltungen mit bis zu 50 Menschen erlauben, sofern die Hygieneregeln eingehalten werden. Ein entsprechender Beschluss soll an diesem Sonnabend erfolgen.

Kinos öffnen wieder – mit Absperrband und Maskenpflicht

Im Kino wird dann jede zweite Reihe mit Absperrband gesichert, zwischen den Besuchern sollen jeweils zwei Plätze leer beiden. Damit sich die Zuschauer im schmalen Eingangsbereich nicht zu nahe kommen, wird es Bodenmarkierungen geben. Im Kino herrscht Maskenpflicht, bis man im Sessel sitzt.

Für den Toilettenbesuch werden die Filmfreunde gebeten, den Mund- und Nasenschutz aufzusetzen. Im Foyer werden zudem Schutzwände aufgebaut und die Zuschauer werden gebeten, die Eintrittskarten online zu kaufen. Zwischen den Vorstellungen wird ein Zeitfenster eingerichtet, um die Räumlichkeiten gründlich desinfizieren zu können.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

„Wir haben uns mit unserem Hygienekonzept stark an den Vorgaben für den Lebensmittelhandel orientiert“, sagt Carmen Schrief, die die Capitol Lichtspiele zusammen mit Michael Wittkowski betreibt. 120 Plätze hat das Kino, nur für 50 werden Karten verkauft. „Die Verleiher kommen einem entgegen, aber wir können zurzeit nur ältere Filme spielen“, sagt sie. Auf dem Programm stehen zum Beispiel „Lassie“, „Die Känguru-Chroniken“ und „Narziss und Goldmund“.

Kinobetreiber fühlt sich von der Politik im Stich gelassen

Die Betreiber planen momentan fünf Vorstellungen pro Tag. Sie freue sich sehr, jetzt wieder öffnen zu können, auch wenn es geholfen habe, dass Stammkunden sie in der Zwischenzeit durch den Kauf von Kinogutscheinen unterstützten, sagt Schrief. „Wirtschaftlich ist das wahrscheinlich nicht so sinnvoll, aber wir sind mit Herzblut Kinobetreiber.“

Fegebank: Das Virus ist noch da - Erfolge sind fragil
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Manfred Turowski ist Leiter des Burgtheaters in Ratzeburg und des Kinos in Mölln. Auch er will in der kommenden Woche an den Start gehen. Sein Hygienekonzept ähnelt dem in Kappeln. Turowski kritisiert die kurzfristige Entscheidung der Landesregierung. „Wir brauchen einen ordentlichen Vorlauf. Ich fühle mich von der Politik im Stich gelassen.“

Er glaubt, dass der Betrieb bis zum Jahresende wirtschaftlich unattraktiv bleibt. „Aber das Publikum schreit danach, wieder ins Kino zu kommen.“ Ein Problem sieht er bei den Film-Neustarts auf sich zukommen. „Die internationalen Verleihfirmen werden ihre Filme erst rausrücken, wenn weltweit die Kinos wieder öffnen.“

Einige Kinos bleiben auch geschlossen

Auch das Traumkino in Kiel will in der kommenden Woche an den Start gehen. Leiter Andreas Steffens zeigt dann „La Vérité“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke sowie den Oscar-Gewinner „Parasite“.

Die AG Kino, die bundesweit 370 Lichtspielhäuser vertritt, hat derweil eine koordinierte Öffnung der Arthouse-Kinos am 2. Juli empfohlen. Wenn jedes Bundesland die Starttermine selbst festsetze, sei das „suboptimal“, so AG-Kino-Chef Christian Bräuer.

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Der Hamburger Hans-Peter Jansen, der vier Kinos in der Hansestadt und zwei in Schleswig-Holstein betreibt, lässt das Burg Filmtheater auf Fehmarn und das Astra Kino in Plön vorerst geschlossen, obwohl er sie öffnen dürfte. „Die Kinos, die jetzt schon aufmachen, gehen unter“, glaubt er. Unter anderem auch, weil die Verleiher keine neuen Filme zur Verfügung stellen. Am Pfingstwochenende will Jansen aber die Türen seines Fehmarner Kinos öffnen, um zu testen, wie gut die Abläufe funktionieren.

Seine Hamburger Kinos Studio, Koralle, Blankeneser und Elbe wollen am 2. Juli öffnen – wie auch Abaton, Alabama, Magazin, 3001 und Savoy. Woher kommt der Gesinnungswandel bei den Betreibern, die vor Kurzem noch sagten, eine Öffnung für 20 Prozent des Publikums würde sich nicht lohnen?

„Wir hoffen bis Anfang Juli, dass sich die Abstandsregeln denen bei der Lufthansa oder denen in Österreich angleichen“, sagt Abaton-Chef Felix Grassmann. In der Alpenrepublik beträgt der Mindestabstand lediglich einen Meter. „Dann könnten wir 240 von 480 Plätzen verkaufen. Das würde sich wahrscheinlich rentieren.“​ Die Verleiher wollen den Kinos dann Frischware wie „Berlin Alexanderplatz“ und „Undine“ zur Verfügung stellen.