Wiederentdeckt

Fast vergessene Klassiker: „Wagner E Venezia“ von Uri Caine

Pianist und Arrangeur Uri Caine (Archivbild).

Pianist und Arrangeur Uri Caine (Archivbild).

Foto: Imago

Keine Konzerte, kein Theater, Kinos geschlossen: Zeit, die heimischen Buch-, Platten- und DVD-Regale zu durchstöbern.

Hamburg. Venedig ist praktisch menschenleer Nicht nur die Bayreuther Festspiele fallen aus. Große Oper und große Orchester sind nicht. Der vom Jazz kommende Pianist und Arrangeur Uri Caine konnte das 1997 natürlich nicht geahnt haben. Doch sein Live-Album „Wagner E Venezia“ passt nun auf tragische Weise bestens zum akuten Irrsinn der Welt: Er hat damals für das seine Produktionen liebevoll verpackende Label Winter & Winter ein Kaffeehaus-Salonorchesterchen in jene Stadt verfrachtet, in der Wagner 1883 starb.

Und dann, vor dem Gran Caffè Quadri auf der Piazza San Marco, mit großem Respekt einige der größten Wagner-Orchester-Hits spielen lassen, darunter das „Lohengrin“-Vorspiel und den „Tristan“-Liebestod. Danach hört man: Applaus, eines dieser Kultur-Geräusche, das in der Erinnerung gerade mehr und mehr verblasst. Sogar der losdonnernde „Walkürenritt“ mit Schifferklavier und niedlichem Streicher-Pizzicato statt Blech-Attacken funktioniert, als wäre das alles so gedacht gewesen. Und es bricht einem das Herz.

( jomi )