Kultur

Hamburgs Museen könnten am Mittwoch wieder öffnen

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Vera Fengler
Kann losgehen: Die Hamburger Kunsthalle bietet genügend Raum, um Abstand zu halten.

Kann losgehen: Die Hamburger Kunsthalle bietet genügend Raum, um Abstand zu halten.

Foto: Marcelo Hernandez

Kanzlerin und Ministerpräsidenten haben grünes Licht gegeben. Nun müssen die Auflagen für Ausstellungsbesuche umgesetzt werden.

Hamburg. „Besonders nach und in Krisen suchen Menschen nach Orientierung, die sie in der Kunst und Kultur finden. Wie kann das nicht systemrelevant sein? Die Kunst ist ja immer auch eine Antwort auf das Leben als Ganzes.“ Mit diesen Worten hatte Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow noch am vergangenen Mittwoch im großen Abendblatt-Interview für eine baldige Öffnung der Museen plädiert.

Und nun, nur eine Woche später, nämlich am kommenden Mittwoch, könnte es schon so weit sein: Als erste kulturelle Einrichtungen dürfen Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten grundsätzlich wieder Besucher empfangen – wenn auch mit strengen Auflagen zu Besucherzahl und Hygieneschutz verbunden. So lautet eine Beschlussvorlage des Bundes, über die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder, darunter auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), am Donnerstagnachmittag beriet.

Corona-Sofortprogramm der Bundesregierung für Museen und Gedenkstätten

Und es kommt noch besser: Die Bundesregierung will Museen und Gedenkstätten zehn Millionen Euro im Rahmen eines Sofortprogramms zur Verfügung stellen. Dies solle helfen, kleineren und mittleren Kultureinrichtungen in Deutschland die rasche Wiedereröffnung nach der Pandemie-bedingten Schließung zu ermöglichen, erklärte dazu Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Das Programm soll aus dem Kulturetat bezahlt werden und vor allem die wegen der Coronapandemie notwendigen Umbaumaßnahmen in Kultureinrichtungen finanzieren. „Kultur stärkt gerade in diesen Zeiten gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe“, sagte Monika Grütters, „Kultur ist Lebensmittel für unsere Demokratie“. Die Wiedereröffnung von Museen und Gedenkstätten sei daher „ein wichtiger, nächster Schritt zur Sicherung der kulturellen Grundversorgung“.

Über dieses Signal ist auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) hoch erfreut: „Hamburg hat ausgesprochen vielfältige Museen, Ausstellungshäuser und Gedenkstätten. Die letzten Wochen haben schmerzhaft gezeigt, was fehlt, wenn diese Orte der Kultur geschlossen sind. Bund und Länder haben nun den Weg für eine behutsame Wiedereröffnung freigemacht.“ Carsten Brosda dankte „den großartigen Teams der Häuser, dass sie die letzten Wochen genutzt haben, gemeinsame Leitlinien für eine schrittweise Öffnung zu entwickeln, mit denen der Gesundheitsschutz der Besucher und Mitarbeiter gewährleistet werden kann“. So sei „eine schnelle und einheitliche Wiedereröffnung bereits in den kommenden Tagen möglich. Ich freue mich, dass das großartige Angebot an Dauer- und Sonderausstellungen schon bald wieder allen offen stehen wird.“

Senat will Rahmenbedingungen zur Wiedereröffnung beschließen

Am kommenden Dienstag will der Hamburger Senat die Rahmenbedingungen zur Wiedereröffnung der Instituti­onen beschließen. Kunsthallen-Direktor Alexander Klar rechnet schon am Mittwoch mit der Wiedereröffnung aller Hamburger Museen. „Wir konnten von einem auf den anderen Tag schließen, also können wir auch von einem auf den anderen Tag öffnen.“ Ausstellungen wie „Goya, Fragonard, Tiepolo“, „David Hockney“, „Hot Stuff“, „Das Plakat“ oder „Junge Malerei in Deutschland“ seien schließlich aufgebaut und warteten auf Besucher.

Corona-App: Bürgermeister befürwortet Nutzung
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Ein „heißes Eisen“ wird eher die Frage sein: Maskenpflicht oder nicht? Für Alexander Klar ist es „das letzte vorstellbare Bild, dass sich maskierte Besucher durch die Ausstellungsräume schleichen. Die Maske entmenschlicht.“ Wichtiger findet er es, Abstand zu halten. In der Kunsthalle oder in den Deichtorhallen kein Problem. Im kleinen verwinkelten Jenisch Haus etwa dürfte das dagegen schon schwieriger werden.

Museen müssen Auflagen in Rekordgeschwindigkeit umsetzen

Hans-Jörg Czech, Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH), obliegt die Koordinierung der gemeinsamen Maßnahmen aller Häuser. Für jedes einzelne Museum heißt es nun, in Rekordgeschwindigkeit die Auflagen umzusetzen. Als da wären: Einlassbeschränkungen, um eine maximale Anzahl von Besuchern nicht zu überschreiten, Abstandhalter, die Vermeidung von Warteschlangen durch Zeitfenster-Tickets, veränderte Wegeleitung in den Museen, das Bereitstellen von Desinfektionsmitteln sowie das Installieren von Nies- und Spuckschutz für die Mitarbeiter an Kassen und Garderoben.

„Auch wir betreten Neuland“, sagt Kathrin Baumstark, künstlerische Leiterin des Bucerius Kunst Forums. Die strengen Auflagen, die eine Wiedereröffnung erst möglich machen, seien für alle wohl noch etwas gewöhnungsbedürftig. „Und doch glaube ich, dass der Schutz unserer Mitarbeiter und unserer Besucher an erster Stelle steht, um auch in diesen Zeiten unserem Motto ‚Offen für alle‘ treu zu bleiben.“

Das „Signal zur baldigen Wiedereröffnung unserer Häuser“ ist für Deichtorhallen-Intendant Luckow „eine der besten, wenn nicht die beste Nachricht dieser Tage für die Museen. Die Schließung war und ist brutal und hat uns den Schlaf geraubt.“ Jetzt heiße es wieder „Herzlich Willkommen in den Deichtorhallen Hamburg“ mit gleich fünf sehenswerten Ausstellungen. „Wir haben alle Vorkehrungen dafür getroffen, dass der Besuch auflagenkonform, das heißt absolut sicher, organisiert ist“, so Luckow.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden