Corona

Kunsthandwerker fürchten 80 Prozent Einkommenseinbußen

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Ein Saisonhöhepunkt: der Kunsthandwerkermarkt im MKG.

Ein Saisonhöhepunkt: der Kunsthandwerkermarkt im MKG.

Foto: MKG

Frühjahrs- und Pfingstmessen fallen aus. Interessenverband fordert mehr Hilfe. Behörde verweist auf bestehende Angebote.

Hamburg.  Die Zeiten, als hiesige Gold- und Silberschmieden international so berühmt waren, dass selbst der dänische König einen silbernen Pokal für den russischen Zaren in Hamburg in Auftrag gab, sind zwar längst vorbei. Doch Hamburgs Kunsthandwerk ist höchst lebendig und kreativ. Rund 110 Textil-, Glas- und Schmuckdesigner, Töpfer, Schmiede und Keramikkünstler sind allein in der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg (AdK) organisiert. Normalerweise herrscht jetzt Hochsaison; in Werkstätten wird entworfen und gefertigt, um auf Frühjahrs- und Pfingstmessen zu verkaufen.

Diese fallen nun komplett weg. Und auch die Kurse an den Volkshochschulen und Workshops, die als zweites Standbein benötigt werden, finden nicht statt. „Dramatisch“ nennt Isabelle Hofmann die Situation vieler ihrer Mitglieder. Die Vorsitzende der AdK beziffert deren monatliche Einbußen auf 2000 bis 8000 Euro. „Für 2020 wird mit bis zu 80 Prozent weniger Jahreseinkommen gerechnet.“

Fehlende strukturelle Förderung

Was nun offensichtlich wird, ist die ihrer Ansicht nach fehlende strukturelle Förderung des Verbands, der in Krisenzeiten seine Mitglieder unterstützen soll, dies aus eigenen Mitteln aber nicht kann. In Hamburg, erhält die AdK keine regelmäßigen Gelder von der Stadt, verfügt über keine eigenen Galerieräume. „Wir haben keine Lobby, sind nirgendwo verortet“, so die Vorsitzende.

Die Behörde für Kultur und Medien fasst im Bereich Kreativwirtschaft diejenigen „Kultur- und Kreativunternehmen zusammen, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen“. Ein zweiter Teil der Definition lautet: „Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der schöpferische Akt von künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalten, Werken, Produkten, Produktionen und Dienstleistungen.“ Elf Teilmärkte werden auf der Website genannt – das Kunsthandwerk fehlt.

Kommerzielles Argument

Für Isabelle Hofmann ist das „absurd“: „Kunsthandwerk ist die einzige Sparte, in der vom Entwurf bis zum fertigen Produkt alles in einer Hand liegt.“ Das kommerzielle Argument, das häufig genannt wird, will sie nicht gelten lassen: Letztlich wolle jede kulturelle Sparte mit ihren Angeboten und Produkten Geld verdienen.

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„Der Bereich Kunsthandwerk liegt nur zum Teil mit dem Bereich Design und Kunst bei der Kulturbehörde mit jeweils eigenen Förderprogrammen, beziehungsweise im Designbereich mit einer institutionellen Förderung des designxports“, erklärt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. Kunsthandwerker könnten aber aufgrund der Nähe zum Design bei Bedarf sämtliche Unterstützungsangebote der städtischen Dienstleistungseinrichtung Hamburg Kreativ GmbH nutzen.

Mietstundungen, Kurzarbeit und Grundsicherung

Und er verweist auf die jährliche Bezuschussung der AdK-Jahresausstellung: „Der AdK wurde freigestellt, die zugesagte diesjährige Förderung aufgrund der Coronakrise bei Bedarf auch für andere, dringendere Zwecke zu verwenden.“ Die Soforthilfe für Soloselbstständige und kleine Betriebe hätten einige Kunsthandwerker schon beantragt.

Somit profitieren auch sie von Instrumenten wie Mietstundungen, Kurzarbeit und Grundsicherung. Isabelle Hofmann reichen diese Maßnahmen nicht. Sie fordert für die angewandte Kunst eine strukturelle Unterstützung, wie es in anderen Bundesländern selbstverständlich ist. Nur damit seien Krisenzeiten wie diese zu überstehen.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden