Wiederentdeckt

Fast vergessene Klassiker: Daniel Defoes „Robinson Crusoe“

Tom Hanks in der Robinsonade „Cast Away“.

Tom Hanks in der Robinsonade „Cast Away“.

Foto: Imago

Keine Konzerte, kein Theater, die Kinos geschlossen: Zeit, die Buch-, Platten- und DVD-Regale durchzugehen.

Hamburg. Wenige Geschichten haben sich der kollektiven Fantasie so tief eingeprägt wie die von Robinson Crusoe, der als Einziger einen Schiffbruch überlebt und Jahrzehnte allein auf einer tropischen Insel überdauert. Man braucht Daniel Defoes 1719 erschienenen Roman, einen Meilenstein der Weltliteratur, nicht einmal gelesen zu haben: Dieses ist eins der Bücher, die man über die Luft aufnimmt.

Robinsons Getrenntsein von der Welt kommt uns in diesen Tagen nicht zufällig in den Sinn. Der Mann auf der einsamen Insel ist zum Mythos geworden, zu einer Projektionsfläche. Das tägliche Überleben schildert Defoe packend realistisch. Doch zugleich reflektiert Robinson sein Schicksal unablässig. Er deutet es als Strafe für seine Verfehlungen, er hadert und zürnt, richtet sich ein und hört doch nie auf, sich nach Rettung zu sehnen. Wir Leser sind es, die die Art, wie er sich selbst immer wieder einen Sinn gibt, romantisch verklären.

Darüber gerät leicht aus dem Blick, dass „Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe, eines Seemanns aus York“ bedeutend mehr erzählt als die Inselepisode. Wer es nur in einer der unzähligen gekürzten Fassungen kennt, kann es beim Nachlesen in einen anderen Kontext einordnen.

( vfz )