Corona

Sorge um „Hinz&Kunzt“-Verkäufer in Hamburg

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Der Verlust an Kontakt ist das Schlimmste“: „Hinz&Kunzt“-Chefredakteurin Birgit Müller.

Der Verlust an Kontakt ist das Schlimmste“: „Hinz&Kunzt“-Chefredakteurin Birgit Müller.

Foto: Marcelo Hernandez

Straßenmagazin kann wegen Corona im April nicht gedruckt erscheinen. Jetzt gibt es eine Spendenaktion für die Obdachlosen.

Hamburg.  „Eine traurige Premiere“: So beschreibt „Hinz&Kunzt“-Chefredakteurin Birgit Müller den wohl härtesten Einschnitt, den das Hamburger Straßenmagazin in seiner 26-jährigen Geschichte derzeit erlebt.

Das Magazin, das sonst von Obdachlosen und ehemaligen Obdachlosen ausgetragen wird, kann im April wegen der Corona-Sicherheitsbestimmungen erstmals nicht gedruckt, sondern nur online erscheinen. Das, was gerade geschehe, sei lange Zeit nicht vorstellbar gewesen, sagt Müller: „Normalerweise sind die Hinz&Künztler und ihre Printausgabe unzertrennlich. Schließlich ist unser Straßenmagazin nicht nur eine soziale Stimme in der Stadt und nicht nur eine Einnahmequelle für Obdachlose und ehemals Obdachlose. Es ist auch der Inbegriff von Kontakt, von gegenseitigem Interesse, von Solidarität.“

Obdachlose gehören zur Risikogruppe

Doch eben dieser Kontakt ist nun nicht mehr möglich. Man habe lange gehofft, die April-Ausgabe doch noch auf die Straße bringen zu können. Schließlich habe man aber bereits Mitte März entschieden, den Verkauf einzustellen. Birgit Müller erklärt: „Die meisten Verkäufer, also Obdachlose und ehemals Obdachlose, gehören selbst zur Risikogruppe.“ Auch ein großer Teil des Teams sei gefährdet, daher arbeite die Redaktion jetzt im Homeoffice. Über das Telefon versuche man, zu den Verkäufern Kontakt zu halten. Für Notfälle sei man auch weiterhin vor Ort erreichbar.

Aber der Chefredakteurin ist bewusst: „Für die Hinz&Künztler ist es trotzdem schlimm.“ Den täglichen Schnack könne man natürlich nicht ausgleichen. „Der Verlust an Kontakt ist für die meisten das Schlimmste. Viele verdanken eben diesen Kontakten ein gewisses Maß an Stabilität und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das fällt nun weg.“

Schwierige Wochen

Was Corona für Obdachlose bedeutet, ist auch Thema der April-Ausgabe. Hinz&Künztler Jan etwa sagt: „Ich stelle mir vor, ich bin Astronaut und weg von der Erde.“ Rainer meint: „Wie ich jetzt ohne Magazinverkauf die nächsten Wochen über die Runden kommen soll, ist mir ein absolutes Rätsel.“

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Um die gesundheitlich und finanziell schwierigen Wochen zu überbrücken, hat „Hinz&Kunzt“ nun einen sogenannten Corona-Fonds aufgelegt. Alle Spenden, die in diesen Fonds fließen, sollen den Verkäuferinnen und Verkäufern zugutekommen. Wer die April-Ausgabe anschauen will, kann sie downloaden (unter www.hinzundkunzt.de) oder online lesen – und wird um eine Spende gebeten. „Die ist natürlich freiwillig“, sagt Birgit Müller. „Aber genau wie beim Straßenverkauf gehen 1,10 Euro an ,Hinz&Kunzt‘, um das Magazin für die Zukunft zu sichern. Jeder Cent darüber fließt dann in den Corona-Fonds.“

Informationen zum Coronavirus:

Das Ziel ist klar: Im April sollen die 530 aktiven „Hinz&Kunzt“-Verkäufer eine Überlebenshilfe von je 100 Euro bekommen. Müller ist optimistisch, dass das auch klappen wird. „Schon Ende März haben Beiersdorf und Hanse Werk Natur virtuelle Magazine für ihre Mitarbeiter vorbestellt, und einige Leser haben spontan gespendet.“ Und sogar Anzeigenkunden hätten geschaltet, obwohl es keine Printausgabe gibt. „Die Solidarität ist beglückend“, sagt Birgit Müller.

Wer für die Obdachlosen spenden will: Haspa: IBAN DE56 200 505 501 280 167 873 BIC: HASPDEHHXXX GLS-Bank: DE67 430 609 670 040 400 500 BIC: GENODEM1GLS Kennwort April-Corona-Fonds. Info: hinzundkunzt.de/heft/lasst-euch-nicht-unterkriegen