Coronakrise

Bestseller und Lese-Tipps: Wann, wenn nicht jetzt?

Wer wegen der Coronakrise nun viel freie Zeit hat, kann sich durch die Empfehlungen der Hamburger Buchhandlungen lesen (Symbolbild).

Wer wegen der Coronakrise nun viel freie Zeit hat, kann sich durch die Empfehlungen der Hamburger Buchhandlungen lesen (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance

Wir haben Hamburger Buchhandlungen zwischen Duvenstedt und Othmarschen gefragt, welche Lektüre sie jetzt empfehlen.

Hamburg. Netflix bleibt eine starke Konkurrenz, schon klar. Aber: keine Kneipe, keine Party, kein Theater? Wann, wenn nicht jetzt ist Zeit zum Lesen. Dicke Romane, neu entdeckte Klassiker, starke Debüts, tröstliche Geschichten. Wir haben Hamburger Buchhandlungen zwischen Duvenstedt und Othmarschen nach ihren derzeitigen Verkaufshits und nach ganz persönlichen Lektüre-Tipps gefragt.

Cohen und Dobernigg (Karoviertel)

Unser Bestseller: Gekauft werden am meisten Romane, allen voran „Allegro Pastell“ von Leif Randt (KIWI) und „Wenn das noch geht, es kann es nicht so schlimm sein“ von Benjamin Maack (Suhrkamp). Auch Kinder- und Jugendbücher, Kochbücher, Bücher zum Zeitgeschehen/Philosophie sind beliebt.

Weil es tröstlich ist: Nun ja, ein weites Feld, ich entscheide mich für ein Buch, das mich die aktuelle Viren-Welt herrlich vergessen ließ: Tomie Goerz’ „Meier“ (ars vivendi). Auf diesem Buch steht Krimi drauf, ich finde, es ist eher ein sehr spannender Roman: Ein Jahrzehnt saß Meier unschuldig im Knast. Doch er ist kein gebrochener Mann, das Gefängnis war seine Hochschule für das Leben danach.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Ganz klar „Schweres Geknitter“ (Lappan) von @kriegundFreitag – tolle Cartoons, die für die eine oder andere Lachfalte sorgen oder aber dafür, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: „Gebrauchsanweisung fürs Camping“ (Piper) von Björn Staschen, der mit „Cool Camping Deutschland“ die „Bibel für alle Frischluft-Fanatiker und Zelt-Enthusiasten“ (MDR) schrieb.

Wann, wenn nicht jetzt? „Effingers“ von Gabriele Tergit (Schöffling) – Einzigartige Familienchronik über vier Generationen einer jüdischen Familie, erstmals erschienen 1951, und ein typisch deutsches Bürgerschicksal in Berlin, wie es das der „Buddenbrooks“ in Lübeck war.

stories! (Hoheluft)

Unser Bestseller: Alles was gegen Langeweile, Wissenslücken, Alleinsein und Angst hilft – also einfach gute Geschichten aus allen Genres.

Weil es tröstlich ist: Elizabeth Strout: „Die langen Abende“ (Luchterhand), ein wunderbar gelassenes, tröstliches Buch über die Wechselfälle des Lebens. Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“ (Schöffling), bereichernd und berührend.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Jane Gardam: „Bell und Harry“ (Hanser Berlin), britisch-ironisch, nostalgisch. Paul Bokowski: „Hauptsache nichts mit Menschen“ (Goldmann) – der Titel ist Programm in diesen Tagen. Urkomisch!

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Alix Ohlin: „Robin und Lark“ (C.H.Beck Verlag); wollte man nicht schon immer mal nach Kanada? Oder nach Island: mit Gerwin van der Werts „Der Anhalter“ (S. Fischer).

Wann, wenn nicht jetzt? Nino Haratischwili „Das achte Leben (für Brilka)“, Ullstein. Ein must-read! Außerdem George Eliot: „Middlemarch“ (Rowohlt), 1264 Seiten – wann, wenn nicht jetzt?

Heymann (u. a. Eppendorf)

Unser Bestseller: Laetitia Colombani: „Das Haus der Frauen“ (Fischer). Berührender Roman über zwei starke Frauen und die Geschichte des ersten Frauenhauses in Paris, gegründet 1926.

Weil es tröstlich ist: Rhys Thomas: „Das geheime Leben des Sam Holloway“ (Goldmann). Ein tröstliches und witziges Buch über einen 26-jährigen Mann, der seine ganze Familie verliert. Nachts überwindet er seine emotionale Starre und verwandelt sich in den Superhelden Phantasma. Als er Sarah trifft, muss er auch tagsüber mutig sein ...

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Philip Feldhordts „Beethoven für Klugscheißer“ (Klartext) – ein witziges Buch zum Beethovenjahr mit allerlei skurrilen Hintergründen zu Leben und Werk des Musikers.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Sheila O’Flanagans „Das Haus am Orangenhain“ (Insel Taschenbuch). Eine romantische Geschichte, eingebettet in die wunderschöne Landschaft Spaniens.

Wann, wenn nicht jetzt? Hermann Hesse „Narziss und Goldmund“ (Suhrkamp) – eine besondere Geschichte, die jeder gelesen haben sollte. Gerne zweimal!

Büchereck (Niendorf-Nord)

Unser Bestseller: Schulbücher, falls das als Antwort gilt. Ansonsten tatsächlich Lutz Seilers „Stern 111“.

Weil es tröstlich ist: Alec Capus’ „Das Leben ist gut“ (Hanser Verlag), eine wunderbare Besinnung auf die einfachen Dinge des Lebens, das tut gerade gut.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Stephen Fry: „Mythos“ (Aufbau Verlag), Hier trifft Mythologie auf Humor, und das ist witzig und nie albern.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Michael Palin: „Erebus“ (mare), wunderbare, spannende Literatur, die uns in andere Welten und Zeiten entführt.

Wann, wenn nicht jetzt: Leo Tolstoi: „Auferstehung“ (Hanser), ein Lieblingsklassiker, kann man immer wieder lesen und wird nie langweilig.

Samtleben (Uhlenhorst)

Unser Bestseller: Lutz Seilers „Stern 111“ (Suhrkamp), Carys Davies’ „West“ (Luchterhand) und Maren Urners „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ (Droemer Knaur).

Weil es tröstlich ist: Philippe Lançon: „Der Fetzen“ (Tropen). Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo – ein schreckliches Thema, aber das Buch ist so schön und so klug, dass der Leser getröstet und größer aus der Lektüre hervorgeht.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Fanny Müller: „Auf Dauer seh ich keine Zukunft“; Harry Rowohlt: „Pooh’s Corner“; Jim Dodge: „Fup“; Wiglaf Droste: „Tisch und Bett“; Ror Wolf „Das nächste Spiel ist immer das schwerste“; Hans-Ulrich Treichel: „Tristanakkord“, alles von Karl Valentin.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Paolo Rumiz’ „Der Leuchtturm“ (folio). Mit dem Autor drei Wochen auf einem Offshore-Leuchtturm im Mittelmeer. Mare nostrum, Sterne, Winde, Migration durch die Jahrhunderte betrachtet. Dem Leser gehen einige Kronleuchter auf.

Wann, wenn nicht jetzt? Jean-Henri Fabre: „Erinnerungen eines Insektenforschers“ (Matthes&Seitz), zehn Bände. Der letzte Band ist gerade erschienen, übersetzt von einem Pastor, der zu Beginn der Arbeit nicht Französisch konnte, es aus Neugierde dafür lernte. Ein Mikrokosmos der Natur geschaut, verstanden, beschrieben. Eine beglückende Entschleunigung!

Quotes (Othmarschen)

Unser Bestseller: Lutz Seilers „Stern 111“, Hilary Mantels „Spiegel und Licht“, Mariam Kühsel-Hussainis „Tschudi“ – und bei uns läuft natürlich ganz stark „Diesseits“, der erste Band einer Romanreihe der Geschwister Jan und Kerstin Duken (Quotes Verlag). Aber dass dieses Buch so viel gekauft wird, ist sicher Quotes-spezifisch.

Weil es tröstlich ist: David Wagner: „Der vergessliche Riese“ (Rowohlt); Gefühl, Leichtigkeit, ohne eine Spur von Kitsch. Und vielleicht nicht tröstlich, aber sie unterhält bestens: die ganze Chastity-Riley-Reihe von Simone Buchholz (Suhrkamp Nova)

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Anke Kuhl: „Manno“ (Klett). Ein Kinderbuch? Erwachsene kichern jedenfalls ungehemmt … Leider schnell zu Ende …

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Isabelle Autissier „Klara vergessen“ (mare): Spielt in Murmansk und auf Trawlers in der Barentssee, packend und lakonisch.

Wann, wenn nicht jetzt? Thomas Mann: „Der Zauberberg“ (S.Fischer), Hölderlin und überhaupt: Gedichte lesen!

Klauder (Duvenstedt)

Unser Bestseller: Lutz Seilers „Stern 111“ ist zur Zeit sehr gefragt.

Weil es tröstlich ist: Benjamin Myers erzählt in „Offene See“ (Dumont) über eine ältere Dame in Südengland, die einem jungen, einfachen Mann die Tür zu einem anderen Leben öffnet. Eine Geschichte für die Seele.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Karsten Dusses „Achtsam morden“ (Heyne) ist ein Krimi, der spannend ist und bei dem man auch noch lachen kann – das alles nach den Regeln der Achtsamkeit … einmalig.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Isabelle Autissiers „Herz auf Eis“ (Mare, Goldmann TB): Ein Paar gerät auf einer Weltreise in eine Extremsituation, die auch eine für den Leser wird.

Wann, wenn nicht jetzt? Vladimir Nabokov und Julien Green, zwei moderne Klassiker, deren Werk immer lohnt.

Boysen + Mauke (Altstadt)

Unser Bestseller: „Hilma af Klint – Die Menschheit in Erstaunen versetzen“ von Julia Voss (S. Fischer), eine gut recherchierte, umfangreiche Biografie der Pionierin der abstrakten Malerei, die viele Künstler wie z. B. Kandinsky, Klee, Mondrian beeinflusst hat.
Weil es tröstlich ist: Karin Kalisa: „Sungs Laden“ (dtv), unsere Allzweckwaffe für alle Lebenslagen! Ein vietnamesischer Kiosk ist hier der Mittelpunkt einer Straße in Berlin-Kreuzberg.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Giulia Beckers „Das Leben ist eines der Härtesten“ (Rowohlt). Vier Menschen mit unterschiedlichen Problemen machen sich gemeinsam auf den Weg ins Tropical Island. Tolles, witziges Debüt.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Naoko Abe: „Hanami. Die wundersame Geschichte des Engländers, der den Japanern die Kirschblüte zurückbrachte“ (S. Fischer): So können wir die Kirschblüte genießen, auch wenn wir im Moment nicht so oft an der Alster sein können.

Wann, wenn nicht jetzt? Marlen Haushofer: „Die Wand“ (Ullstein) über eine Frau, die eines Tages in einer Jagdhütte im Wald aufwacht und sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand findet. Tolles Buch, das den Leser trotz ruhiger, fast sachlicher Atmosphäre in den Bann zieht und sehr zum Nachdenken anregt.

Felix Jud (Neustadt)

Unser Bestseller: Sibylle Berg „Nerds retten die Welt. Gespräche mit denen, die es wissen“ (Kiepenheuer &Witsch), internationale Wissenschaftler werden von Sibylle Berg sehr lebendig und klug zum Zustand unserer Welt befragt.

Weil es tröstlich ist: „Wie soll man leben? Anton Cechovs Handexemplar der Selbstbetrachtungen von Marc Aurel“, Hörbuch gelesen von Ulrich Matthes (Diogenes). Gedanken für alle Lebenslagen, über Jahrhunderte bewährt.Weil Lachen das Immunsystem stärkt: „Asterix bei den Olympischen Spielen“ (Ehapa Comic). Immer wieder zum Lachen und tröstlich dazu.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Thomas Steinfeld: „Italien – Porträt eines fremden Landes“ (Ro­wohlt) – weil Italien eines der schönsten und interessantesten Länder Europas ist.

Wann, wenn nicht jetzt? Henry D. Thoreau: „Walden“ (Dtv, Diogenes). Eine freiwillige Isolation in der Stille der Wälder, auch heute noch nachahmenswert.

Christiansen (Ottensen)

Unser Bestseller: Am beliebtesten ist der Gewinner des Leipziger Buchpreises, „Stern 111“ von Lutz Seiler. Danach kommt Hilary Mantels neues Buch „Spiegel und Licht“. Allgemein werden viele Kinder- und Rätselbücher bestellt.

Weil es tröstlich ist: Colm Toibin: „Brooklyn“ (Hanser). Eine Irin zwischen Heimweh und einer neuen Liebe.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: „Junger Mann“ von Wolf Haas (Hoffmann und Campe). Sie ist ein bisschen zu schön und ein bisschen zu verheiratet für ihn, er ein bisschen zu dick und ein bisschen zu jung für sie. Eine witzig-wunderbare Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft und einen wilden Roadtrip.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: „Eisfuchs“ von Tanya Tagaq (Kunstmann). Eine Stadt am Eismeer im höchsten Norden Kanadas, ein Mädchen zwischen Mythologie und Realität.

Wann, wenn nicht jetzt? „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë: Geister auf dem Dachboden sind nicht immer Geister, vielleicht sollte man das überprüfen, bevor man seinen Chef heiratet.

Lesesaal (Neustadt)

Unser Bestseller: Derzeit wird im Lesesaal vor allem Belletristik gekauft - die Menschen brauchen jetzt Phantasie und andere Welten.

Weil es tröstlich ist: Jasmin Schreiber „Mariannengraben“ (Eichborn) - Paula und Helmut, jung und alt, begegnen sich und begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise - ein Buch, das Geborgenheit und Hoffnung schenket.

Weil Lachen das Immunsystem stärkt: Guilia Becker "Das Leben ist eins der Härtesten" (Rowohlt) - Giulia Becker, Autorin beim Neo Magazin Royal, erzählt in ihrem Debütroman eine grandiose Geschichte voller Wärme und Humor, mit wunderbar wundersamen Charakteren. Tragikomisch.

Weil wenigstens die Gedanken reisen müssen: Bov Bjerg „Serpentinen“ (Claasen) Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Genau, mutig und lang nachwirkend erzählt er vom Kampf eines Vaters gegen die Dämonen der Vergangenheit. Nur wenn er seinen Sohn so liebt, wie er selbst nie geliebt wurde, kann die Reise der beiden glücken.

Wann, wenn nicht jetzt? Erich Kuby "Rosemarie (Schöffling) Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind erzählt von der berühmtesten Edelprostituierten der Bundesrepublik: Rosemarie Nitribitt. Mit ihrem teuren Cabrio war sie in der Wirtschaftsmetropole Frankfurt stadtbekannt. Spannend mit historischem Hintergrund.​