Interview

Warum Heinz Strunk die Corona-Krise nicht so hart trifft

Corona? Nun ja. Heinz Strunk auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Altona.

Corona? Nun ja. Heinz Strunk auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Altona.

Foto: Andreas Laible

Der Schriftsteller („Fleisch ist mein Gemüse“) sagt, er lebe ohnehin überwiegend „unter quarantäneartigen Bedingungen“.

Hamburg. Tja, wie umgehen mit dem erzwungenen Geworfensein ins eigene Heim? Für Schriftsteller gibt es allerdings doch wirklich Schlimmeres! Das findet auch Heinz Strunk. Dennoch steht der Autor von Bestsellern wie „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Der goldene Handschuh“ der Corona-Krise größtenteils ratlos gegenüber, wie er im Abendblatt-Interview verrät. Er ist zwar immerhin der Erfinder des „Strunk-Prinzips“, aber weil dieses das Ratgebergenre satirisch aufspießte, hilft es jetzt eher nicht weiter.

Ist für den konzentriert arbeitenden Schriftsteller immer Lockdown?

Heinz Strunk Genau. Ich lebe den überwiegend unter quarantäneartigen Bedingungen, insofern kaum Veränderung.

Und ist die gegenwärtige Sozialdistanz ein Opfer, das Sie zähneknirschend bringen müssen – oder fällt sie Ihnen leicht?

Es fällt mir sehr leicht, geradezu eine Wohltat!

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Planen Sie Streamingaktionen und Lesungen im Netz?

Nein, nein, nein, bitte nicht, niemals. Im übrigen: Wills’ was gelten, mach dich selten.

Fühlen Sie mit Ihren Kollegen, die gerade neue Bücher veröffentlichen und für diese viel schwerer als sonst eine Öffentlichkeit finden?

Allerdings. Mehr Pech geht nicht. Die allerschlimmste Vorstellung: Man hat mehrere Jahre an einem sogenannten „Blauwal“ (1000 Seiten) gearbeitet, und der soll nun im April erscheinen.

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Welchen Eindruck macht die Kunstszene allgemein auf sie? Es geht vielen an die Existenz.

Da ich ja selber 20 Jahre von der Hand in den Mund gelebt habe, vermag ich es mir gut vorzustellen. Ich hätte sicher nicht länger als einen Monat durchgehalten. 5000 Mark Dispo damals, immer voll ausgeschöpft.

Sie wollten jetzt eigentlich mit Studio Braun eine neue Inszenierung im Schauspielhaus vorlegen: „Coolhaze“. Wie gehen Sie und das Ensemble mit der Zwangspause um?

Wir konnten noch die Generalprobe machen. Das Stück ist fertig und kann jederzeit aufgeführt werden, wann immer das sein wird.

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Sie sind der melancholische Humorist unter den Autoren. Können Sie Corona eine tragikomische Seite abgewinnen?

Irgendwie nicht so sehr. Ich fürchte aber, dass sich auch der Leibesumfang der Deutschen exponentiell vergrößern wird.

Wie nehmen Sie die Stadt in diesen so nie dagewesenen Zeiten wahr?

Angenehm ruhig und leer.

Was rät der Lebenshilfeprofi und Erfinder des Strunk-Prinzips den Hamburgerinnen und Hamburgern?

Nichts genaues weiß man nicht.

Welche Funktion hat Literatur in der Krise?

Da zitiere ich Rainald Goetz: „Mitgefühl lautet die frohe Botschaft der Literatur“.

Ist beim verordneten Stubenhocken Fernsehen ratsam?

Mit oder ohne Corona: Fernsehen macht das Leben süß. Tierdokus, Tierdokus, Tierdokus!

Glauben Sie an den Solidargedanken, der derzeit allerorten beschworen wird?

Schön wäre es. Mal was anderes als der ewige Hass.

Könnte die Krise die Gesellschaft verändern?

Mein Spatzenhirn verfügt leider nicht über die nötige Kapazität, derart weitreichende Fragen zu beantworten.

Welches Buch oder welche Musik empfehlen Sie zur Gegenwarts-Bewältigung?

Mit etwas Maßgeschneidertem für die Krise kann ich leider nicht dienen.