Hamburg

Kunst umsonst und draußen: Garantiert virenfrei

Birgit Dunkel vor ihrem  Kunstwerk „memory  effekt“.

Birgit Dunkel vor ihrem Kunstwerk „memory effekt“.

Foto: Studio Dunkel

In der HafenCity ist derzeit noch eine Avantgarde-Architektur-Hommage der Hamburger Künstlerin Birgit Dunkel zu sehen.

Hamburg. Das Foto-Licht-Kunstwerk mit dem Titel „memory effekt“ steht schon seit einigen Monaten auf dem Dar-es-Salaam-Platz in der Nähe des Internationalen Maritimen Museums Hamburg. Spaziergänger, die zwischen Speicherstadt und HafenCity unterwegs sind, bleiben dort gerne stehen und erfahren dann etwas über die Hamburger Architekturgeschichte. Nun, in diesen Zeiten sozialer Distanzierung, kommt einem Kunstwerk unter freiem Himmel eine ganz neue Bedeutung zu.

Für „memory effekt“ hat sich die Hamburger Künstlerin Birgit Dunkel mit dem Geist der Reformbewegung beschäftigt, wie er sich im Gestaltungswillen der frühen Moderne wiederfand. „Faszinierend daran ist, dass der soziale Aspekt in die Ästhetik, in die Formgebung eingegangen ist“, sagt Dunkel. „Es ging um Licht, Luft, Sonne – und Grün. Die Reformer waren in der Umbruch­situation nach dem Ersten Weltkrieg beseelt davon, dass etwas Neues stattfindet.“ In der Folge kam das Bauhaus auf, funktionelles Bauen mit gutem Standard für kleine Einkommen wurde populär. Was ist 100 Jahre später von diesen Ideen geblieben?

Auf spielerische Weise greift Dunkel den Gedanken der Reformbewegung auf

Dunkels Installation, anlässlich des Hamburger Architektursommers 2019 und des 100. Bauhaus-Jubiläums errichtet, zeigt eine von zwei Seiten zu betrachtende Leucht-Skulptur, die als Spiel mit der Erinnerung funktioniert.

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16 Felder zeigen Bauwerke von Avantgarde-Architekten wie Karl Schneider und Martin Elsässer und natürlich auch der Baudirektoren Gustav Oelsner und Fritz Schumacher jeweils als korrespondierendes, kurz hintereinander aufleuchtendes Memory-Paar. Einmal als künstlerisch bearbeitete historische Schwarz-Weiß-Aufnahme und einmal als farbige zeitgenössische Fotografie. Auf spielerische Weise greift Dunkel damit den Gedanken der Reformbewegung auf – das Streben nach alternativen Lebensformen jenseits der Zwänge der wilhelminischen Gesellschaft – und verbindet ihn mit Bauwerken der Frühen Moderne im Hamburg der 1920er- und 1930er-Jahre. Zu sehen ist auch eine Ansicht der 1958 errichteten City-Hof-Hochhäuser von Rudolf Klophaus.

Mehrfach wurde die Standgenehmigung verlängert

Mehrfach haben das Bezirksamt Mitte und die HafenCity GmbH die Standgenehmigung verlängert. Doch am 31. März soll nun tatsächlich Schluss sein. Bis dahin bietet es noch eine der wenigen Gelegenheiten eines – virenfreien – Live-Kulturerlebnisses. In Birgit Dunkels Kunstwerk steckt auch eine Kritik am heutigen Umgang mit Architektur und Stadtplanung, bei dem aus ihrer Sicht nicht mehr wie in der frühen Moderne gesamtgesellschaftlich gedacht wird.

Birgit Dunkel hat bereits neue Ideen, sie möchte eine zweite Version der In­stallation mit neuer Bildauswahl und ergänzt durch einen Audio-Guide an einem anderen Standort zu errichten. Diese könnte dann am für den 13. September geplanten „Tag des offenen Denkmals“ zu besichtigen sein.

Birgit Dunkel: „memory effekt“ Version 1 täglich bis 31.3., Dar-es-Salaam-Platz, vis-à-vis des Internationalen Maritimen Museums Hamburg, Eintritt frei