Folgen der Corona-Krise

Hamburgs Clubszene bittet um Unterstützung

Thore Debor ist seit 2012  Geschäftsführer des Clubkombinats Hamburg.

Thore Debor ist seit 2012 Geschäftsführer des Clubkombinats Hamburg.

Foto: Peter Eichelmann

Viele Betreiber in Hamburg konnten keine Rücklagen bilden. Sie hoffen jetzt auf Hilfe aus der Politik – und auf Spenden.

Hamburg.  Noch im Februar 2020 befand sich Hamburgs Livemusik-Szene auf einem bemerkenswerten Hoch mit teilweise mehr als 25 ausverkauften Konzerten in der Woche – bis das Coronavirus die Musikstadt Hamburg plötzlich verstummen ließ. Die Clubkultur, ihre Antreiber, Mitarbeiter, Musizierende, Veranstalter, DJs, Tresenkräfte und anderen Gestalten und Gestalter der Nacht, für gewöhnlich als Selbstständige finanziell auf Kante genäht und von Woche zu Woche kalkulierend, gehörten aus wirtschaftlicher Sicht zu den ersten Opfern.

„Die aktuelle Situation ist dramatisch, denn für die privaten Musikbühnen und Veranstalter sind die Einnahmen der Shows, die in der aktuellen Spielzeit eigentlich stattfinden sollten, überlebensnotwendig. Kein Club hat irgendwelche Reserven. Diese Einbußen bedeuten absehbar den wirtschaftlichen Ruin, und das hätte verheerende Auswirkungen auf die gesamte Musikwirtschaft am Standort Hamburg“, sagt Thore Debor, seit 2012 Geschäftsführer des Clubkombinats Hamburg e. V. und Sprachrohr für derzeit mehr als 100 hiesige Musikspielstätten.

Wichtiger Wirtschafts- und Tourismusfaktor für Hamburg

Bereits als noch über das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern diskutiert wurde, wandte er sich an die Öffentlichkeit, forderte „umgehende finanzielle Hilfe in Form eines Rettungsschirms von der Politik“ und bat um Spenden an die Hamburger Clubstiftung.

Denn wenn es irgendwann darum gehen wird, Deutschlands Wirtschaft nach dieser Krise wiederaufzubauen, befürchten manche, dass die Clubbetreiber und Konzertveranstalter die Letzten sein werden, die Hilfe bekommen. Die Clubkultur muss sich traditionell hinten anstellen, obwohl sie ein wichtiger Wirtschafts- und Tourismusfaktor der Hansestadt ist. Und schaut man derzeit in die sozialen Netzwerke, stößt man außerhalb der Popmusik-Blase auf viel Unverständnis, ja sogar Hohn und Häme als Antwort auf Hilferufe von Clubs, Bars und Bühnen. Tenor: selber schuld, wenn man jahrelang die Nächte durchfeiert und keine Rücklagen bildet.

Jede Absage einer Veranstaltung ein Schritt in den Ruin

Als wäre ein 300-Besucher-Club mit zwei bis vier Konzerten in der Woche, aber laufenden Miet-, Personal- und Betriebskosten eine Goldgrube. Und auch hinter jedem noch so hippen Club stehen Menschen und ihre Familien, die jetzt teilweise kein Einkommen mehr haben.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Einige Spielstätten stellten noch vor der 1000-Zuschauer-Regel ihren Betrieb komplett ein, andere reduzierten das Besucheraufkommen und erhöhten die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Nicht wenige hielten bis zum kompletten Veranstaltungsverbot durch wie das Orchester auf der „Titanic“: „Jede Spielstätte und jeder Club musste, von den tagesaktuellen Empfehlungen der Regierung ausgehend, diese Entscheidung eigenverantwortlich treffen. Jede Absage einer Veranstaltung trieb potenziell weiter in den Ruin, war anderseits aber auch eine Option, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Gewiss keine leichte Entscheidung.“, resümiert Debor.

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Weite Teile der Gesellschaft sind jetzt auf Solidarität angewiesen. Der gestern vom Senat vorgestellte „Hamburger Schutzschirm für Corona-geschädigte Unternehmen und Institutionen“ ist eine der ersten Maßnahmen der Politik, um die akute Not etwas zu lindern. Trotzdem freut sich die Clubszene weiterhin über jede Unterstützung, zum Beispiel durch den Onlinekauf von Fanartikeln, den Verzicht auf Rückerstattung bereits gekaufter Tickets oder durch Spenden an die Clubstiftung unter dem Stichwort „Corona-Clubrettung“ bei der Hamburger Sparkasse, IBAN DE79 200 50 550 1280 366 988.