In Zeiten von Corona

Hamburger Schauspielerin bringt ihr Theater zum Publikum

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Volker Behrens
Gilla Cremer reicht ihrem Publikum virtuell die Hand.

Gilla Cremer reicht ihrem Publikum virtuell die Hand.

Foto: Roland Magunia

Zwar kommt Gilla Cremer bei ihren Zuschauern nicht persönlich vorbei – ihre Vorstellung „Polenta“ ist aber online zu sehen.

Hamburg.  Die Hamburger Schauspielerin Gilla Cremer ist ein Theatermensch durch und durch. Und sie ist ein Ein-Frau-Unternehmen, ihre Stücke produziert sie selbst, erarbeitet sie in Zusammenarbeit mit Regisseuren und bringt sie dann auf die Bühne. Eigentlich.

Nun hat Gilla Cremer nach einer eigenen Antwort gesucht, nachdem ihre nächsten 20 Vorstellungen aufgrund der aktuellen Lage abgesagt werden mussten. Mit dem Motto „Dann komme ich eben zu Ihnen nach Hause!“ will sie dem Virus zeigen, was eine Harke ist, und ihren Mitmenschen aus der Isolation heraushelfen. Rodgau, Schwalbach, Neuburg, Lindau, Lippstadt, das Theater Harburg und die Kammerspiele: Bis in den Mai hinein hätte Cremer auf diesen Bühnen gut zu tun gehabt. Das fällt jetzt alles aus. Am vergangenen Wochenende hat sie die Requisiten von vier Theaterstücken aus ihrem Tourbus ausgeladen und verstaut. Aber sie bleibt weiterhin zuversichtlich.

Video stellt Gilla Cremer kostenlos zur Verfügung

„Dann komme ich eben zu Ihnen nach Hause!“ stand in der Betreffzeile der E-Mail-Einladung, die sie am Sonntag über ihren großen Verteiler verschickte. Natürlich will Cremer die Leute nicht persönlich besuchen. Das ist in diesen Zeiten ja auch nicht ratsam. Aber ihr Stück „Warum das Kind in der Polenta kocht“ stellt sie als Video kostenlos zur Verfügung. „Ich habe so viele Antworten auf meine E-Mail bekommen – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles beantworten soll“, wundert sie sich über die Reaktionen. Viele hätten sich auf eine „schmerzlich-herzliche Art“ bei ihr bedankt oder geschrieben: „Das ist doch wirklich mal etwas anderes als der zehnte ,Tatort‘.“ Die Menschen hätten sich darüber gefreut, dass sie schrieb, sie wolle ihnen im übertragenen Sinne die Hand reichen, „trotz Berührungsverbot“.

Noch eine Idee gehört für sie dazu: Man könne doch in sein Stammcafé oder das Lieblingsrestaurant gehen, und den Betreibern das Geld auf den Tisch legen, das man dort in der nächsten Zeit sonst ohnehin ausgegeben hätte. Oder man kauft den Gastronomen Gutscheine ab, die man in der Zukunft einlöst. Schließlich gebe es viele Menschen, die zurzeit nicht wüssten, wie sie in den kommenden Monaten ihre Miete bezahlen sollen. „Es geht darum, wie man sich verbindet, auch wenn man isoliert wird“, sagt Cremer. Man müsse anderen unter die Arme greifen, die allein nicht weiterkommen. „Vielleicht kann man sie anrufen und ihnen einfach etwas erzählen.“

Neue Situation erfordert eine neue Dramaturgie

Die neue Situation erfordere auch eine neue Dramaturgie. „Jetzt können die Leute Stücke von mir kennenlernen, die sie noch nicht gesehen haben“, freut sie sich. Gerade die „Polenta“ habe sie bisher nur selten gespielt. Cremer überlegt jetzt, ob sie noch andere Stücke so zugänglich machen soll. Aber: „Ich mag die Videos von meinen Stücken nicht. Es ist für mich eine Tortur, mich darin anzugucken.“ In dieser Woche bleibt es bei dem einen Video, die anderen will sie überprüfen. Auch über neue Aufnahmen denkt sie nach.

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„Die Theater sind ja jetzt leer. Man könnte darin ein Stück aufbauen, spielen und es dann noch einmal filmen.“ Beeindruckt zeigte sie sich von den Italienern, die auf die Isolation reagierten, indem sie auf die Balkone gingen und gemeinsam Lieder anstimmten. Bisher sei sie durch die Beantwortung der vielen E-Mails kaum dazu gekommen, aber sie will weiter über neue Möglichkeiten nachdenken, um Geschichten zu erzählen.

Der Trailer zur „Polenta“ läuft auf YouTube. Anfragen fürs ganze Stück: post@gillacremer.de