Hamburg

Anne-Sophie Mutter spielt erstmals mit Martha Argerich

Martha Argerich kommt für zehn Konzerte in die Laeiszhalle.

Martha Argerich kommt für zehn Konzerte in die Laeiszhalle.

Foto: dpa Picture-Alliance

Viele Weltstars haben sich für das Martha Argerich Festival in der Laeiszhalle angekündigt. Nun beginnt der Vorverkauf.

Hamburg. Geld spielt keine Rolle. Das klingt gut und bedeutet in der Regel: Wir schauen nicht drauf, ist ganz egal, was es kostet, hau raus, die Kohle. Beim Martha Argerich Festival, das im kommenden Juni zum dritten Mal in der Laeiszhalle stattfindet, meint es jedoch etwas ganz anderes.

Wenn Daniel Kühnel, Intendant der Symphoniker Hamburg, bei der Programmvorstellung davon spricht, das Geld keine Rolle spiele, dann heißt das: Die Künstler, die gemeinsam mit der legendären argentinischen Pianistin auftreten, kommen nicht wegen des Geldes nach Hamburg. Sie kommen, weil dies eine Familienangelegenheit ist, sie kommen „wegen Martha“.

Martha Argerich Festival: Alle Künstler bekommen gleiche Gage

Ob Weltstar oder wenig bekannter Solist: Alle werden gleich bezahlt. Und die Gagen sind nicht üppig: Ein Student der Musikhochschule würde für einen Auftritt mehr verlangen, sagt Kühnel. Aber um Geld gehe es eben auch nicht, sondern darum, mit einer „Jahrhundertpianistin“ zu musizieren, einer Frau, die sich weder in ein Marketing-Korsett zwingen lässt, noch sich dem Joch des hektischen internationalen Konzertbetriebs unterordnet.

Nur der eigene Tod können sie davon abhalten, im Juni nach Hamburg zu kommen und gemeinsam mit Martha Argerich Schuberts Fantasie f-Moll D 940 zu spielen, hat etwa Pianistin Maria João Pires gesagt, die am 25. Juni zu erleben sein wird dann und auch einige Beethoven-Werke im Programm hat.

Und für Anne-Sophie Mutter dürfte der Festival-Auftritt ein echter Höhepunkt ihrer ja an Höhepunkten nicht gerade armen Karriere sein. Zum ersten Mal überhaupt steht sie gemeinsam mit Martha Argerich auf der Bühne, die beiden spielen am 24. Juni das Geistertrio (mit Cellist Edgar Moreau) und die Kreutzer-Sonate von Beethoven sowie Francks Violinsonate A-Dur.

Zehn Konzerte vom 20. bis 30. Juni

Insgesamt zehn Konzerte umfasst das Martha Argerich Festival vom 20. bis 30. Juni, zu dem Stars wie Bariton Thomas Hampson, Geiger Renaud Capuçon, Cellist Mischa Maisky sowie Pianistinnen und Pianisten wie Lilya Zilberstein, Nelson Freire, Sophie Pacini, Nicholas Angelich und Stephen Kovacevich erwartet werden.

Eine illustre Riege, doch Daniel Kühnel betont: „Masse und Namen verstellen bei diesem Festival nie den Blick für die Wunder des Augenblicks. Die äußerst namhaften Gäste und der hohe Anteil junger Musikerinnen und Musiker sind ein Zeichen für die außergewöhnlich hohe Anziehungskraft des Festivals und für die stete Neugier und Entdeckerfreude Martha Argerichs.“

Gemeinsam mit Pianistin Akane Sakai, eine langjährige Freundin von Martha Argerich, hat Kühnel das Festival kuratiert – was nicht immer einfach gewesen sein dürfte. Schließlich ist Argerich bekannt dafür, in Sachen Programmplanung eher zum vagen „Wir werden sehen“ als zum klaren Ja oder Nein zu neigen. Mögen andere sie noch so sehr vergöttern und Komplimenten überhäufen, sie selbst hat nicht immer den Eindruck, den Komponisten gerecht zu werden.

„Frédéric wäre heute nicht zufrieden mit mir“, habe sie einmal beim Abgang von der Bühne gesagt, berichtet Daniel Kühnel. Gemeint war Frédéric Chopin. Um so wichtiger ist für sie der Rat von Menschen, denen sie künstlerisch vertraut – Kühnel ist einer von ihnen. Und stolz darauf, dass es nur noch ein weiteres Argerich-Festival weltweit gibt. In Beppu – unter der Schirmherrschaft der japanischen Kaiserfamilie.

Martha Argerich wohnt in einem Privathaus in Rotherbaum

Für Martha Argerich wird Hamburg im Juni mehr als nur eine Durchgangsstation sein: Sie wohnt für die elf Festivaltage und die vorgelagerte Probenzeit nicht im Hotel, sondern in einem Privathaus in Rotherbaum.

Aus den vergangenen Jahren ist bekannt, dass sie selten vor vier Uhr morgens schlafen geht, oft probt sie nach den Konzerten noch stundenlang im Studio E der Laeiszhalle, während Kühnel ein Stockwerk höher in seinem Büro sitzt und irgendwann einen Kaffee vorbei bringt.

Zu verdienen sei mit dem Festival trotz der moderater Künstlergagen nichts, sagt er. Was auch an den „bewusst nicht elitären“ Ticketpreisen liege. Die günstigste Karte kostet an allen Tagen neun Euro, die teuerste 85 Euro; selbst beim Weltstar-Treffen von Martha Argerich und Anne-Sophie Mutter, das sich gewiss zum doppelten Preis verkaufen ließe. Aber letztlich gilt eben auch hier: Geld spielt keine Rolle.

Martha Argerich Festival 20. bis 30.6., Laeiszhalle, Karten ab 22.2., 11.00 in den bek. Vvk.-Stellen, unter symphonikerhamburg.de und unter T. 35 76 66 66