Theater

Klimakrise: „Blauwal statt Schwarzwald“ im Malersaal

Roland Bonjour, Eva Bühnen, Rosemary Hardy, Stefan Stern, Lucie Zelger

Roland Bonjour, Eva Bühnen, Rosemary Hardy, Stefan Stern, Lucie Zelger

Foto: Sinje Hasheider

„Das nackte gute Leben“ bringt die drohende Klimakatastrophe auf die Bühne. Mit unsympathischen Figuren.

Hamburg.  Das Stück zur Klimakrise: Die Weltordnung ist ins Rutschen geraten, ein paar Menschen haben sich in einen Bunker zurückgezogen und überlegen nun, was sie mit ihrem Überleben anfangen sollen.

Stricken? Das Dasein feiern? Oder Widerstand leisten? Hilflose Versuche: Die ältere Dame (Rosemary Hardy) wirkt mit ihrem Wollknäuel aus der Zeit gefallen, der Schnösel (Roland Bonjour) flüchtet in sozialdarwinistisches Geschwafel und das Hohelied der Sterbehilfe, und die Aktivistin (Eva Bühnen) verübt einen Anschlag auf einen Güterzug, beladen mit „60 fabrikneuen SUVs“. Um die ist es nicht schade, bloß: In Krisenzeiten muss man damit rechnen, dass sich illegale Migranten auf solchen Zügen befinden, und das hatte die Aktivistin eben nicht auf dem Schirm.

Figuren sind unsympathisch

Sympathisch sind die Figuren aus Lydia Ziemkes Theaterstück „Das nackte gute Leben“ im Malersaal nicht. Besonders originell allerdings auch nicht: im Grunde das klassische Endzeit-Personal, eine wahllos zusammengewürfelte Gruppe von Individualisten, die eine aussichtslose Situation irgendwie zu meistern versucht, obwohl klar ist, dass das nicht gut ausgehen wird. Die einmal propagierte Rückentwicklung zum Meeresbewohner unter dem Motto „Blauwal statt Schwarzwald“ dürfte kaum die Lösung sein.

Berliner Team und Schauspielhaus-Akteure harmonieren

Das kennt man, im Theater von Beckett und Nachfolgern, im Kino aus diversen Apokalypse-Visionen. Was „Das nackte gute Leben“ über den Weltuntergangsdurchschnitt hebt, ist erstens das Setting: Claire Schirck hat nur kleine Ausstattungsdetails gesetzt und lässt ansonsten mit der Betonarchitektur des Malersaals Bunker Bunker sein. Zweitens durch die Weitung der Handlung in die Weltpolitik: Mehrfach werden zwei Schauspieler von der libanesischen Zoukak Theatre Company per Skype eingeblendet, die versuchen einen Überblick über das zerfallende Europa zu behalten. Und schließlich durch das Ensemble: Das Team aus Berliner und Schauspielhaus-Akteuren harmoniert perfekt. Zu perfekt fast.

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Entstanden ist „Das nackte gute Leben“ durch die Förderung des Fonds Doppelpass, die die Vernetzung zwischen Freier Szene und Staatstheater forcieren soll. Im besten Fall hat das eine Blutauffrischung auf beiden Seiten zur Folge, eine gegenseitige Kreativitätsspritze. Hier aber übernimmt die freie Berliner Gruppe suite42 kampflos die Schauspielhaus-Ästhetik: Der Abend ginge auch als Eigenproduktion durch, in seiner handwerklichen Brillanz wie in seiner künstlerischen Holprigkeit. Aber war die Förderung dafür gedacht?