Festival-Finale

Lessingtage 2020 im Thalia Theater enden mit Rekord

Hamburg: Eröffnung der Lessingtage 2020 mit Vandana Shiva. (c) Fabian Hammerl.

Hamburg: Eröffnung der Lessingtage 2020 mit Vandana Shiva. (c) Fabian Hammerl.

Foto: Fabian Hammerl/Thalia Theater

Drei Wochen lang standen Gastspieler aus fünf Ländern im Fokus – Inhalte sind weiterhin wichtiger als ästhetische Innovation.

Hamburg.  Eine starke elfte Ausgabe des Festivals „Um alles in der Welt – Lessingtage 2020“ ist im Thalia Theater am Wochenende zu Ende gegangen.

Das Kuratoren-Team um Nora Hertlein hatte mit klugem Weitblick auf die alles dominierenden Themen Klimawandel und Postkolonialismus gesetzt. Und die drei Wochen Festival haben gezeigt, dass das Publikum die Auseinandersetzung mit den Fragen und Herausforderungen unserer Zeit und auch den großen Erzählungen der Menschheit sucht. Ganz im Sinne des Namensgebers und großen Dichters der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing. Mit einem Besucherrekord von 20.000 konnte das Festival einen Zuwachs um 6500 im Vergleich zum Vorjahr erreichen, was nur zum Teil auf die verlängerte Festivaldauer zurückzuführen ist.

Inhalte wichtiger als ästhetische Innovation

Drei Wochen lang standen Gastspiele aus fünf Ländern im Fokus, auch die in den Spielplan integrierten Eigenproduktionen waren gut besucht. Weiterhin sind die Inhalte dabei wichtiger als etwa eine ästhetische Innovation. Die Lessingtage sind kein Avantgarde-Festival und wollen es auch nicht sein. Dennoch zeigte diese Festivalausgabe eine tolle Qualität. Zu den Höhepunkten zählten etwa Milo Raus Antiken-Aneignung „Orest in Mossul“ und Philippe Quesnes liebenswert-utopische Endzeit-Farce „Farm Fatale“.

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Auch das szenisch und erzählerisch ausufernde Menschheits-Epos „Die Edda“ glänzte als durchaus polarisierende gewaltige Eröffnungsproduktion. Aber auch die mexikanische Produktion „Amarillo“ zeigte außer einer beklemmenden Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht aus einem von Gewalt geplagten Land einen bemerkenswerten Formwillen. Weniger glückte die Kleist-Überschreibung „Die Verlobung in St. Domingo“ (Regie: Sebastian Nübling) etwa überforderte das Darstellerteam vom Maxim Gorki Theater.