First Stage Theater

Hubertus Borck: Von „GZSZ“ zurück zur Schlager-Satire

Hat den Durchblick: Autor, Regisseur und Ex-Comedian Hubertus Borck (52).

Hat den Durchblick: Autor, Regisseur und Ex-Comedian Hubertus Borck (52).

Foto: MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Hamburger Autor, früher eine Hälfte des Kult-Duos Bo Doerek, inszeniert mit „Zweimal um die Welt“ im First Stage sein eigenes Stück.

Hamburg.  Schon Feierabend? An diesem trüben späten Januar-Nachmittag hat sich Hubertus Borck gewissermaßen selbst frei gegeben. Kurz vor 17 Uhr sitzt er in einem Café unweit vom Hamburger Rathaus. Als Regisseur lässt er zurzeit für sein eigenes Stück proben: „Zweimal um die Welt“. Uraufführung ist am 20. Januar im First Stage Theater in Altona.

Da ist im doppelten Sinn überraschend. Von der Hansestadt aus hatte Borck Mitte der 90er-Jahre den deutschen Comedy- und Theaterbetrieb aufgemischt. Mit seiner Schulfreundin Alexandra Doerk – beide machten auf dem Helene-Lange-Gymnasium Abitur – bildete er zwölf Jahre lang das musikalische Satire-Duo Bo Doerek. Es erlangte mit Programmen wie „Germany 12 Points“, „Nur die Liebe lässt uns leben“ und „2 Zicken im ¾ Takt“ im Schmidt und im St. Pauli Theater Kultstatus – als promiskuitiver schwuler Single stichelte er über seine spießige, ebenfalls alleinlebende Bühnenpartnerin, die selbstironisch für das Ideal von Ehe und Familie stritt.

Borcks Bedingung: Eine „satirische Schlager-Komödie“

Nach zehn Jahren Trennung kamen Borck und Doerk für ein Kurz-Comeback („Hello Again“) im Herbst 2017 im Schmidts Tivoli zusammen. Ihre Show inspirierte Thomas Gehle, den Chef des Musical-Theaters First Stage, Borck nach einem neuem Stück für sein Haus zu fragen. Wie bei Bo Doerek mit Schlagern?

Gehles Anruf ließ Borck drei Wochen lang unbeantwortet. „Noch so eine Schlager-Show? So was braucht die Welt nicht!“, sagt Borck beim Tischgespräch. Das teilte er auch Gehle mit. Ebenso seine Bedingung: „Wenn, dann nur eine „satirische Schlager-Komödie“, auf diesem Zusatz bestand Hubertus Borck. Gehle willigte ein, kaufte gewissermaßen die Katze im Sack und bescherte Borck eine neue ungewohnte Aufgabe und Abwechslung von seiner Hauptarbeit.

„GZSZ, „Rote Rosen“, „Bianca“ – er schrieb Telenovelas

Nach dem Abitur hatte Borck nämlich als Ballett-Eleve an der Staatsoper angefangen. „Früher als Tänzer war ich in der falschen Kunstform gefangen“, sagt er entspannt lächelnd. Er begann Schauspiel und Gesangsunterricht zu nehmen, schrieb acht Programme für Bo Doerek. Sein Hauptmetier aber wurden Telenovelas: Fast 17 Jahre lang lieferte er Drehbücher für „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) bei RTL, „Rote Rosen“ (ARD) oder „Bianca – Wege zum Glück“ (ZDF) – Borck ließ nichts aus: „Die Sender suchten ja Autoren“, erzählt er. Und: „So eine Show fürs Theater hätte ich nicht schreiben können ohne die Schule und das Handwerk für 45-minütige Telenovelas.“

Beim First Stage hat er freie Hand, steht aber auch voll in der Verantwortung. „Wenn ich was mache, dann von Anfang bis zum Ende.“ Meint: Buch, Auditions und Regie. „Dafür, dass ich das eigentlich gar nicht machen wollte, brenne ich jetzt total“, sagt er. „Ich bin eben doch ein Theatermensch!“

Hauptdarstellerin Diana Böge sang schon im Pariser Lido

Und „Zweimal um die Welt“ soll ein Stück für alle Generationen sein. Darin erzählt Borck, garniert mit 16, von Markus Voigt (Schmidts Tivoli Orchester) neu arrangierten Liedern der 60er- bis 80er, die Geschichte der 80-jährigen Martha, die mithilfe des neuen syrischen Pflegers aus dem Seniorenheim flieht.

Die alte Dame spielt und singt die Lido-erfahrene Diana Böge, in Hamburg aus „Heiße Ecke“ und „Pompös“ (Tivoli) bekannt, ihre Tochter Alexandra Doerk. „Diana und Alexandra, das sind zwei alte Show-Pferde par excellence“, lobt Borck.

Borcks Hoffnung: Schlager verbindet

Beim Textbuch hat sich der Autor von der aktuellen gesellschaftlichen Lage inspirieren lassen. „Ich gehe ja mit offene Augen durch die Stadt und sehe auch, wie Ausländer von Populisten zu Sündenböcken gemacht werden.“ So kam der Autor auf die Themen Ausgrenzung von alten Menschen in Heimen und die von Flüchtlingen. „Ich bin dahin gegangen, wo es lustig ist, aber auch wehtut“, beschreibt Borck die Handlung. „Ich mag es gern doppelbödig.“

Der Schlager jedoch, so seine Hoffnung, solle auch in „Zweimal um die Welt“ die Menschen verbinden. Deshalb sieht er sein Stück auch als „eine Show gegen Ausgrenzung – nicht nur von Ausländern, sondern vom Anderssein überhaupt.“

„Zweimal um die Welt - oder wohin will Oma?“ Vorpremieren Sa 18./So 19.,1., jew. 19.00, Premiere Mo 20.1., 19.30, bis 18.2., First Stage Theater (Bus 37, 112), Thedestr. 15, Karten zu 29,- bis 45,-; www.firststagehamburg.de