Hamburg

Podiumsdiskussion: Absage für Gratis-Eintritt in Museen

Das Bucerius Kunst Forum ist im Umbruch der Zeit: Die Zukunft soll mehr Interaktivität bieten (Symbolbild).

Das Bucerius Kunst Forum ist im Umbruch der Zeit: Die Zukunft soll mehr Interaktivität bieten (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Wo liegt die Zukunft der Kunst? Darf Politik kuratorisch mitreden? Zwei Fronten treffen im Bucerius Kunst Forum aufeinander.

Hamburg.  Dem Gratis-Eintritt in Museen wurde am Sonnabend in einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion im Bucerius Kunst Forum eine Absage erteilt. Ido Bruno etwa, der Direktor des Israel Museums in Jerusalem, zweifelte im Hinblick auf die Abschaffung von Eintrittsgeldern am Fortbestand der Ausstellungsqualität. Die Diskussion stand unter der Leitfrage „Museen in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs. Zwischen Ästhetik und sozialer Verantwortung: Wo liegt die Zukunft?“

Soll Politik Freiräume schaffen oder mitreden?

Als es um das grundsätzliche Selbstverständnis von Museen ging, kritisierte Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann die Angewohnheit, Museen als Stätten kultureller Identität zu betrachten. Museen hätten nichts damit zu tun, was im Reisepass stünde.

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, bezeichnete Museen als „Ort sinnlicher Erfahrung“. Auch seien sie Schutzräume, in denen Gesellschaft ins Gespräch käme und verschiedene Meinungen ihren Platz hätten: „Deswegen sollte Politik diese Freiräume schützen.“ Auch wenn Institutionen staatlich gefördert würden, solle Politik kein kuratorisches Mitspracherecht zukommen.

Die Museen der Zukunft sind interaktiv

Doch wie können neue Besucher gewonnen werden? „Es geht nichts am Digitalen vorbei“, so Lorenz. Man könne Werke virtuell zusammenführen, die sich sonst niemals begegnen würden und auf diese Weise einen hermeneutischen Raum schaffen.

Ido Bruno betonte, er bemerke bei Besuchern eine Verschiebung zum Wunsch nach mehr Interaktion – sei es mit der Kunst, anderen Menschen oder sich selbst: „Das zeichnet die Zukunft der Museen aus.“