Silvester-Klassiker

„Dinner for One“ kehrt in Hamburg an den Original-Ort zurück

Das Original: Freddie Frinton als James und May Warden als Miss Sophie, aufgenommen 1963.

Das Original: Freddie Frinton als James und May Warden als Miss Sophie, aufgenommen 1963.

Foto: dpa Picture-Alliance / Siegfried Pilz / picture alliance / United Archiv

Frank Grupe bringt eine plattdeutsche Version von „Dinner for One“ in den Theatersaal, in dem in Hamburg 1963 alles angefangen hat.

Hamburg.  Die Idee, „Dinner for One“ auf Plattdeutsch aufzuführen, gibt es schon lange. Am Ohnsorg lief vor vielen Jahren eine Inszenierung des Sketches mit Hilde Sicks als Miss Sophie, und auch das Staatstheater Schwerin brachte das Kultstück vor langer Zeit auf Mecklenburger Platt auf die Bühne. „Es ist mal wieder an der Zeit, den Hamburgern eine plattdeutsche Version zu präsentieren“, findet nun Frank Grupe.

Der ehemalige Oberspielleiter am Ohnsorg-Theater hat sich des Projekts angenommen, das der junge Theaterproduzent Lars Hermes ihm angetragen hat. „Es gibt verschiedene neuere Fassungen, die sich vom Original abwenden wie eine zweistündige Musical-Version, die auch in Hamburg läuft. Aber ich gehöre zu den Konservativen. Die Sprache des Stücks kann man ändern, aber ansonsten halte ich mich haargenau an die Vorlage von Freddie Frinton“, sagt Grupe.

Warum es nur eine englische Version gab

Der englische Komiker tourte mit dem Sketch nach Ende des Zweiten Weltkrieges sehr erfolgreich durch verschiedene Varieté-Theater in England. 1962 entdeckte der deutsche Showmaster Peter Frankenfeld das Stück in Blackpool und wollte es unbedingt für seine live ausgestrahlte Fernsehsendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ haben. Nicht ganz einfach, denn Frinton weigerte sich, eine deutsche Version zu spielen. „Frinton war Soldat im Krieg gewesen und hasste die Deutschen.

Doch Frankenfeld wollte ,Dinner for One‘ unbedingt zeigen und akzeptierte die englische Fassung. Das war damals im deutschen Fernsehen eigentlich undenkbar“, erzählt Grupe, der sich mit der Geschichte des Stücks und seiner Protagonisten bestens auskennt. Dem englischen Play wurde deshalb eine deutsche Einführung vorangestellt, in der Heinz Piper erzählt, was der Zuschauer gleich zu sehen bekommt.

Nachdem der Sketch am 8. März 1963 in Frankenfelds Show gelaufen war, wurde er am 8. Juli 1963 noch einmal vor Publikum im Theater am Besenbinderhof für das Fernsehen aufgezeichnet. An diesen Ort kehrt Grupe nun mit seiner plattdeutschen Fassung zurück. Der sogenannte Musiksaal im Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof ist aufwendig restauriert worden und wird seit 2016 wieder vor allem für Vorträge und Kammerkonzerte genutzt. „Es ist ein zauberhafter Saal mit einer kleinen Bühne für etwa 400 Zuschauer. Die komplette Theatertechnik ist vorhanden, mit der man viele Möglichkeiten hat“, berichtet Grupe.

Vier Vorstellungen zu Silvester geplant

Seit knapp zwei Woche probt er mit Margret Hermes, der Mutter des Produzenten, die als freie Schauspielerin in Bremen arbeitet, und mit Haye Graf, den Grupe vom Kleinen Hoftheater in Hamburg kennt. Am 31. Dezember wird „Dinner for One – up Platt“ mit vier Vorstellungen an diesem für das Stück wichtigen Ort laufen. Für die aktuelle Produktion bekamen Hermes und Grupe die Lizenzrechte von Nora Harding, der Witwe Freddie Frintons. Die originalen Requisiten sind zwar nicht mehr vorhanden, aber der Besenbinderhof konnte der Theaterproduktion vor allem mit Mo­biliar helfen. „Andere Requisiten haben wir im Internet gefunden, auch den wichtigen Tigerkopf, den wir für unsere Zwecke ein wenig präpariert haben“, so Grupe.

Im Fernsehen hat das bizarre Essen mit den vielen „running gags“ schon lange Kult-Charakter und ist aus dem Silvesterprogramm nicht mehr wegzudenken. „Es gehört in Deutschland genauso dazu wie Berliner und Raketen“, so Grupe. Schon 1988 wurde „Dinner for One“ ins Guinness-Buch der Rekorde als „weltweit häufigst wiederholte Fernsehproduktion“ aufgenommen. Als Rekordjahr gilt 2004: Damals sahen 15,4 Millionen deutsche Zuschauer den 20 Minuten langen Sketch auf einem der dritten Fernsehprogramme.

Für Frank Grupe ist der riesige Erfolg von Frintons Stück leicht nachvollziehbar: „Es ist ein perfekt konstruierter Sketch, der auf ein klares Ziel zugeht und absolut nachvollziehbar ist, aber bei aller Einfachheit unglaublich raffiniert gemacht ist. Auch die Grundidee, dass vier Personen nicht vorhanden sind, ist ein genialer Einfall. Hinzu kommt die Perfektion von Freddie Frinton als Butler James.“

Wiederholung nicht ausgeschlossen

Grupe und sein kleines Team haben Silvester durch die Fernsehausstrahlungen, die beinah in Dauerschleife laufen, starke Konkurrenz mit ihrer Live-Produktion, doch sie setzen auf die Besonderheiten von Ort und Sprache: „Wieder im Theater am Besenbinderhof spielen zu können und das in einer plattdeutschen Fassung ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt der Regisseur.

Sollte die Nachfrage entsprechend groß sein, können Grupe und Hermes sich vorstellen, auch im kommenden Jahr wieder mit der plattdeutschen Variante des Silvester-Klassikers in Hamburg zu gastieren. „The same procedure as last year, Miss Sophie? – The same procedure as every year, James!“ Lars Hermes und Frank Grupe würden dieser Aufforderung sicher gern nachkommen.

„Dinner for One – up Platt“ Di 31.12., 14.00, 15.30, 17.00, 18.30, Theater am Besen­binderhof (U/S Berliner Tor), Besenbinderhof 57a, Karten 24,- bis 29,- (inkl. Begrüßungssekt und Berliner) in der HA-Geschäftsstelle (Gr. Burstah 18–32) und unter T. 30 30 98 98