Konzertkritik

Im Knust: Tanzen und Singen gegen die Feiertagserschöpfung

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen spielten gepflegt dreckig im Knust auf (Archivbild).

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen spielten gepflegt dreckig im Knust auf (Archivbild).

Foto: Martin Morris

Die dynamische Hamburger Band Liga der gewöhnlichen Gentlemen liefert den Soundtrack zur nachweihnachtlichen Entfesselung.

Hamburg.  Zwischen den Jahren auf ein Konzert zu gehen, ist immer auch ein Treffen mit der erweiterten Familie. Nach Rundfutterung an den Feiertagen, nach Besuchen in alten Heimaten und nach gepflegter Umrundung diverser Fettnäpfen kann ein Clubausflug durchaus katharsische Wirkung haben.

Es gilt, gemeinsam mit den Wahlverwandten eine Runde freizudrehen. Und den Soundtrack zur nachweihnachtlichen Entfesselung liefert seit einigen Jahren zuverlässig Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Seit 2012 produziert diese Hamburger Band dynamisch-dreckige Songs, die sich hervorragend eignen, um Festtagsphlegma und Endjahreserschöpfung aus den Gliedern zu schütteln.

„Wir waren hässlich und faul, Musik und der HSV“

Das Knust ist bis unters Dach gefüllt. Begleitet von „Ausverkauft, ausverkauft“-Rufen rumpelt die Liga grandios los. Die Eröffnungsnummer „Der letzte große Bohemien“ klammert bereits alles, was diese Traditionskapelle ausmacht: Das Bummelantentum wird mit Verve herausgeschrien. Das Raue des Rock’n’Roll verquickt sich mit dem Melodischen des Soul und dem Handclap-Charme des Beats. Und der staubtrockene Humor wird getränkt von einsetzendem Tanzschweiß.

„Ein tolles Jacket mit zwei seitlichen Schlitzen / keine Probleme und leicht einen sitzen.“ Das Wunschleben, wie Sänger und Gitarrist Carsten Friedrichs es sich erträumt, geht für viele im Publikum an diesem Abend offensichtlich klar. Zunehmend glückselig werden selbst Zeilen mitgesungen, die im Alltag die Lager spalten dürften, etwa Friedrichs Hymne an sein Fan-Dasein in den 80er-Jahren: „Wir waren hässlich und faul, Musik und der HSV“.

Chef der Hamburger Plattenfirma Tapete Records am Keyboard

Songs wie „Der glückliche Spion“ zeugen von der Liebe der Liga zur coolen Agenten-Ästhetik der 1960er-Jahre. Auch Bilder von Robert Mitchum über Werner Enke bis Margaret Rutherford sind hübsche Verweise auf die hohe Retro-Affinität der Band. Doch die sieben hoch energetisch aufspielenden Herren finden auch immer wieder den Dreh ins Heute – etwa mit „Der kleine Matratzenmarkt“, eine Ode an einen aus Altona verschwundenen Laden. Vielleicht hätte der Refrain als Werbejingle das Geschäft noch retten können: „Ma-Ma-Ma-Matratzenconcord“ schallt es aus allen Mündern.

Zu finden ist diese schmissige Nummer auf dem nunmehr fünften Liga-Album „Fuck Dance, Let’s Art“. Und Gunther Buskies, Chef der Hamburger Plattenfirma Tapete Records, steht höchstselbst am Keyboard. Sein Instrument spielt er fast bis zum Umkippen euphorisiert.

Dass die Combo mit ihrer aktuellen Platte im Spätsommer diesen Jahres sogar auf Platz 48 der Charts landete, scheint der eingeschworenen Fan-Gemeinde im Knust herzlich egal zu sein. Sie feiern schlichtweg ihre Liga und das Leben (mit all seinen Tücken) – bis hin zur Zugabe „Alleine auf Partys“. Doch einsam ist an diesem Abend niemand.