Boy-Gobert-Preis

Preisträger Sandmeyer wollte immer schon allen gefallen

Glamourös und ein wenig verschroben: Boy-Gobert-Preisträger Merlin Sandmeyer und Lothar Dittmer (Vorstandsvorsitzender der Körber Stiftung) im Thalia Theater.

Glamourös und ein wenig verschroben: Boy-Gobert-Preisträger Merlin Sandmeyer und Lothar Dittmer (Vorstandsvorsitzender der Körber Stiftung) im Thalia Theater.

Foto: Krafft Angerer

Der Schauspieler bekam am Sonntag in Hamburg den Boy-Gobert-Preis verliehen und sorgte im Thalia Theater für glamouröse Momente.

Hamburg.  Das ist doch im nasskalten Dezember eine gute Nachricht für alle, die ohnehin ständig ins Theater rennen, sie haben jetzt ein Argument mehr: „Theater macht gesund“, zitierte nämlich Intendant Joachim Lux den leitenden UKE-Arzt Michael Schulte-Markwort zur Verleihung des Boy-Gobert-Preises im Thalia Theater. Entscheidend sei dabei die Wiederholung von Themen und Texten auf der Bühne, selbst Erlebtes könne so viel besser verarbeitet werden. Der Schauspieler agiere gewissermaßen als ein „Agent der Heilung“.

Eine solche verlässliche Wiederholung im Hamburger Kulturkalender ist auch die jährliche Preisvergabe der Körber-Stiftung an einen hoffnungsvollen Jungschauspieler – und die Sonntagsmatinee gehört tatsächlich immer wieder zu den allerschönsten Pflichtterminen der Adventszeit, ist rührend und komisch, klug und anregend und hält bisweilen verblüffende Momente für die Ewigkeit bereit. Oder, wie es der diesjährige Preisträger, der Heilungsagent und Thalia-Schauspieler Merlin Sandmeyer, süffisant zusammenfasste: „Unterhaltung – nur keine Leere aufkommen lassen“.

Gefühlsbetonte Grußworte von Kultursenator Brosda

Die Gefahr bestand nicht. Sandmeyer hätte ja, durfte man den Rednern glauben, den Preis schon dafür verdient, dass er sich zur Spielzeit 2018/19 gegen das Wiener Burgtheater und für das Hamburger Thalia Theater entschieden hatte. Solche Karriere-Bewegungen hört man gern hier, wenn auch die wiederholte Betonung dieses offenbar ganz und gar unglaublichen Umstandes die Hamburger dann doch wieder kleiner wirken ließ, als es an dieser Stelle wohl beabsichtigt war.

Aber dann ging es, im gewohnt pointierten, diesmal durchaus gefühlsbetonten Grußwort des Kultursenators Carsten Brosda (SPD), auch schon wieder um die Liebe und um das Verletzungsrisiko, das in ihr liegt; um die Gefahr, dass ein Herz gebrochen wird, eben auch bei jenen, die ihren Beruf mit solcher Hingabe ausfüllen, wie es Merlin Sandmeyer tut.

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„In einem Ensemble einzigartig zu sein“ sei etwas, so Brosda, was man als Inspiration ruhig ins gesellschaftliche Miteinander mitnehmen könne. Der Mann weiß, wovon er spricht: Auch Politik sei schließlich, zitierte er Hannah Arendt, „angewandte Liebe zum Leben“.

Sandmeyer perfektioniert das Nicht-Perfekte

Und während Thalia-Dramaturg und Laudator Matthias Günther inbrünstig Familienfrühstücksszenen aus der saarländischen Heimat des Preisträgers imaginierte und den Schauspieler so liebevoll wie stürmisch beschrieb als einen, der stets „das Nicht-Perfekte perfektioniert“, stellte der schmale Merlin Sandmeyer mit Charme, Nonchalance und Hipster-Schnurrbart eben dies umstandslos unter Beweis. Sang „Tonight’s the Night“ aus seinem Stück „Die Nacht der von Neil Young Getöteten“ und „Ich wollte immer schon allen, allen gefallen...“ von Die Höchste Eisenbahn.

Allen gefallen? Das schien Sandmeyers leichteste Übung an diesem schön verschrobenen Vormittag, der im Übrigen denkwürdig endete: Im glamourösen Goldkleid und mit blonden Locken entschwebte Sandmeyer in den Schnürboden und bescherte – „One Moment iiiin Tiiiime...“ – nicht nur dem Kultursenator einen hartnäckigen Whitney-Houston-Ohrwurm für den Heimweg. Balsam für die Seele, hilft ganz bestimmt auch gegen Erkältung.

Der Preis erinnert an den Schauspieler und Intendanten des Thalia Theaters, Boy Gobert (1925-1986). Bisherige Preisträger waren unter anderem:

  • Ulrich Tukur
  • Martin Wuttke
  • Susanne Wolff
  • Hans Löw
  • Gala Othero Winter
  • Steffen Siegmund