"Wer lacht überlebt"

Kathy Kelly: Der stets positive Kitt der Kelly Family

Sängerin Kathy Kelly steht solo und zusammen mit ihrer Familie auf der Bühne.

Sängerin Kathy Kelly steht solo und zusammen mit ihrer Familie auf der Bühne.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Sie übernahm früh die Mutterrolle und gilt noch immer als wichtige Bezugsperson für Angelo & Co. In Hamburg ist sie auch solo zu hören.

Hamburg. Strahlend begrüßt Kathy Kelly zum Interview und deutet auf den Platz neben sich auf dem Sofa im 25hours Hotel in der HafenCity. Während ihre Visagistin noch schnell das Make-up auffrischt erzählt sie bereits in sympathischem Plauderton von ihrem Tag. Noch ein Schlückchen Tee, dann ziehen sich Visagistin und Assistentin an den Nebentisch zurück und die Frau, die für fast alle Alben der Kelly Family als Produzentin verantwortlich zeichnet, lehnt sich entspannt zurück.

Kathy Kelly gibt sich nahbar und zugewandt. Sie rutscht dicht heran, zeigt keine Berührungsängste. Dass sie zusammen mit ihrer Familie Millionen Tonträger verkaufte, auf drei Kontinenten die Massen begeisterte und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, lässt sie sich nicht anmerken. Seit Anfang der 2000er ist die Sängerin, die als musikalischer Kopf maßgeblich zum Erfolg der Kelly Family beigetragen hat, bereits solo unterwegs.

Mit „Wer lacht überlebt“ brachte sie in diesem Jahr ihr erstes deutschsprachiges Album heraus, mit dem es im Herbst auf Tour geht. Wie kam es zu dem Wechsel der Sprache? „Ich habe mehr als 30 Jahre in Deutschland verbracht und gedacht, jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, sagt sie und lacht. Überhaupt lacht Kathy Kelly an diesem Vormittag viel. Laut und herzlich. In jedem Fall ansteckend. Ein Hinweis auf den Albumtitel?

Kraft durch Humor

„Es ist nicht mein Lebensmotto, aber etwas, das mich immer begleitet hat. Humor hat mir in vielen Situationen sehr viel Kraft gegeben. Und diese Leichtigkeit ist wieder in meinem Bewusstsein und tut mir und meinem Umfeld sehr gut.“ Kraft musste die heute 56-Jährige schon früh in ihrem Leben aufbringen. Ihre Stiefmutter Barbara-Ann Kelly starb, als Kathy 19 Jahre alt war. Mit einem Mal rutschte sie in die Mutterrolle und musste sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern, allen voran um Bruder Angelo, der zu diesem Zeitpunkt erst vier Monate alt war.

So war es Kathy Kelly, die die berühmte Familie zusammenhielt – privat wie professionell. Zugunsten der Kelly Family legte sie zuvor bereits ihre angestrebte Karriere als Geigensolistin auf Eis und kümmerte sich kurz darauf nicht nur um ihre Geschwister, sondern auch um Vater Dan, der den Schmerz nach dem frühen Tod seiner Frau im Alkohol zu ertränken versuchte. Es sei jedoch nicht der frühe Verzicht gewesen, der bei Kathy Kelly den Grundstein für die spätere Solokarriere legte. „Ich hatte den Wunsch nach musikalischer Weiterentwicklung. Als Solistin kannst du dich anders entfalten.“ Dennoch habe sie beide Seiten in sich: „Ich war schon immer Solistin, auch als Kind. Ich bin aber auch ein großer Teamplayer.“

Für ihre Geschwister ist sie auch heute noch eine wichtige Bezugsperson. Neben Kathy Kelly starteten auch Paddy, Maite und Angelo nach dem Familien-Rückzug erfolgreiche Solokarrieren. Ob es da spezielle Geschwister-Coachings gibt? „Ich gebe den anderen als große Schwester Tipps und sie hören auch auf mich. Als Älteste bist du immer ein bisschen Vorbild“, sagt sie und schmunzelt. In ihrer Art liegt etwas Mütterliches, Beschützendes. Dennoch ist sie resolut, weiß, was sie will. Mit 29 Jahren wurde sie selbst Mutter eines Sohnes, der heute eigene Wege abseits der Musik geht.

Fulminantes Comeback

Im Mai 2017 feierten die Kellys als Familie ein fulminantes Comeback. Nach 18 Jahren Pause ein mit Spannung erwartetes Projekt. „Wir waren aufgeregt und sehr happy. Wir sind alle rumgesprungen wie kleine Kinder. Die Fans haben uns auf Wolken getragen und uns den Druck genommen“, sagt Kathy Kelly über die Familien-Rückkehr auf die Bühne. Und der Fan-Rückhalt halte auch zwei Jahre später noch an. Ab November geht es für die Kelly Family auf große „Over The Hump“-Tour – benannt nach ihrem Erfolgsalbum von 1994.

Für Kathy Kelly steht damit in der zweiten Jahreshälfte ein straffes Programm bevor. Denn auch mit ihrem Soloprogramm ist sie ab dem 6. Oktober auf Deutschland-Tour – am 14. Oktober spielt sie in der Kulturkirche Altona. „Gott sei Dank habe ich heute kein Lampenfieber mehr“, sagt sie und lacht ihr mitreißendes Lachen. Was dagegen hilft? „Einfach machen.“

Fast ihr gesamtes Leben hat sie im Rampenlicht verbracht. Dennoch habe sie ihre Anfänge noch genau vor Augen, thematisiert sie auf ihrem neuen Album in dem Lied „Torero, Senior und Clochard“. So sei sie als Kind sehr scheu gewesen. „Mein Vater sagte mir, Musik sei nicht nur zum Studieren, sondern auch zum Präsentieren da. Dann habe ich mein Akkordeon genommen und mich auf die Plaza Mayor in Madrid gestellt, um meine Schüchternheit zu überwinden. Am Anfang habe ich beim Spielen die Augen zugemacht, weil ich die Menschen nicht sehen wollte“, erzählt Kathy Kelly.

Album ist autobiografisch

Das Album ist insgesamt autobiografisch. Es handelt von prägenden Erlebnissen, von Liebeskummer und besonderen Orten. Aufgenommen hat sie es zusammen mit dem Schlagerproduzenten Uwe Busse. Ihre Musik ist stark von den kulturellen Einflüssen der unterschiedlichen Länder, in denen sie aufgewachsen ist, geprägt. Neben der klaren Schlager-Ausrichtung des Albums sind Anklänge an spanischen Flamenco, Irish Folk, Pop und ihre Liebe zur klassischen Oper nicht zu überhören. „Diese Elemente fließen immer in meine Musik ein. Das kann ich nicht verhindern.“

Dass Kathy Kelly ihr persönlichstes Album auf Deutsch gesungen hat, sei auch ein Dankeschön an ihre deutschen Fans. Ganz leicht sei der Prozess nicht gewesen. „Ich denke in Spanisch oder Englisch und muss dann übersetzen.“ Aber: „Ich bin jemand, der sehr neugierig ist, und der gerne über seine Grenzen geht. Auch in der Musik kann ich nicht nur eine Sache machen.“

Den vollen Terminkalender nimmt sie gelassen. „Ich lebe auf dem Land. Da komme ich zur Ruhe.“ Zum entspannten Start in den Tag höre sie beispielsweise eine CD mit buddhistischen Klängen von Tina Turner, eines ihrer großen Idole. Was sie nach den zahlreichen Neuerfindungen der vergangenen Jahre unbedingt noch erreichen möchte? „Mit dem Wort Neuerfindung bin ich vorsichtig. Ich bin jemand, der sagt, ich entwickele mich weiter.“ Was Kathy Kelly in diesem Jahr erneut unter Beweis stellen will.

Kathy Kelly Mo 14.10., 19.30, Kulturkirche Altona (Bus 15), Max-Brauer-Allee 199, 44,90 Euro

The Kelly Family Sa 14.12., 19.30 und So 15.12., 18.00, Barclaycard Arena (S Stellingen), Sylvesterallee 10, Karten ab 54,90 Euro, alle Karten in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, und unter T. 30 30 98 98