Eppendorf

Die größten Perlen aus Onkel Pö’s Carnegie Hall

Die Jazz- und Bluessängerin Esther Phillips bei einem Auftritt in den 70er Jahren im Pö

Die Jazz- und Bluessängerin Esther Phillips bei einem Auftritt in den 70er Jahren im Pö

Foto: picture alliance

Frisch aus den Archiven des NDR erscheinen vier weitere historische Live-Aufnahmen, diesmal von Bluesmusikern und Hardbop-Ensembles.

Hamburg.  Die Archive des NDR sind eine riesige klingende Schatzkammer. Hunderte von Konzertmitschnitten lagern darin. Zusammen mit dem Jazz­line-Label holt der NDR nach und nach einige dieser Perlen hervor. In der Reihe „At Onkel Pö’s Carnegie Hall“ sind jetzt vier weitere Live-Aufnahmen (CD und Vinyl) herausgekommen, die Serie umfasst inzwischen 13 Platten.

Zwei Bluesmusiker und zwei Hardbop-Ensembles gehören zur aktuellen Veröffentlichungsrutsche. Als der Bluessänger und -gitarrist Louisiana Red im Juni 1977 im Pö gastierte, konnte er nicht wissen, dass sein Song „Alabama Train“ zwei Jahre später keine Gültigkeit mehr haben würde. Darin singt Louisiana Red über seine Rückkehr in die Heimat in den Süden der USA, wo er 1932 geboren wurde. 1979 ließ er sich auf Anraten seines Freundes Champion Jack Dupree in Hannover nieder, wo er bis zu seinem Tode im Jahr 2012 lebte.

24 Stunden am Tag für den Blues

Die Stadt in Niedersachsen meinte es besser mit schwarzen Bluesmusikern als die USA, deshalb unternahm der Mann aus Alabama von hier aus seine Tourneen. „Ich lebe den Blues 24 Stunden“, sagt er im Pö und berichtet in 22 sehr archaischen und ergreifenden Songs aus seinem alles andere als einfachen Leben.

Auch James Booker stand, oder genauer saß, im Oktober 1976 allein auf der Bühne im Club am Lehmweg. Der Musiker mit der Klappe über dem linken Auge, die ihm das Aussehen eines Piraten verlieh, begleitete sich am Klavier. Zu seinem Repertoire gehörten ein Haufen eigener Songs, aber Booker hatte auch ein paar Nummern im Programm, die durch andere Musiker bekannt wurden, wie den Klassiker „Everyday I Have The Blues“, Allain Toussaints „Live“ oder das Traditional „My Bonnie“. Das schrubbten die Beatles in ihrer Anfangsphase als schnelle Beat-Nummer herunter, bei Booker wird daraus ein Stück, in das er viel Gefühl und Sehnsucht legt.

Offiziell waren nur 180 Zuhörer erlaubt

Voll war die Bühne des Eppendorfer Clubs am 5. April 1982, als dort die Timeless Allstars gastierten. Hinter dem Namen verbarg sich ein Sextett, gespickt mit legendären Jazzmusikern wie dem Bassisten Buster Williams, dem Schlagzeuger Billy Higgins und dem Vibrafonisten Bobby Hutcherson. Die Stücke des Ensembles waren meistens 20 Minuten lang, sodass jeder Zeit genug für solistische Beiträge hatte. Der Kracher dieses Mitschnitts ist die Nummer „Mapenzi“, die der Saxofonist Harold Land geschrieben hat und in der sich ein furioses Solo an das andere reiht. Auch das Louis Hayes/Ju­nior Cook Quintett brachte den Club im März 1976 zum Kochen – es hing auch mit der Enge zusammen.

Offiziell waren im Pö nur 180 Zuhörer erlaubt, manchmal drängten sich 400 vor der Bühne. Schlagzeuger Louis Hayes leitete diese Combo, die vor allem von dem Trompeter Woody Shaw und von Saxofonist Junior Cook geprägt war, der ebenfalls zu den stärksten Musikern des Hardbop zählte. Auch dieser Mitschnitt gehört zu den Höhepunkten in der Geschichte von Onkel Pö’s Carnegie Hall. Beim NDR lagern noch Aberdutzende weiterer Preziosen.