Hamburg

Im Hamburger Kunstverein: Als die Frauen Tierhirn aßen

Ein Blick in die Ausstellung von  Marguerite Humeau.

Ein Blick in die Ausstellung von Marguerite Humeau.

Foto: Courtesy die Künstlerin und C L E A R I N G New York / Brüssel

Ausstellung zeigt Werke der britischen Künstlerin Hanna Perry und Arbeiten der Französin Marguerite Humeau.

Hamburg.  Lautes Atmen, leises Hecheln, metallenes Scheppern: akustische Elemente, die wesentlicher Bestandteil zweier Ausstellungen im Kunstverein sind. In der unteren Halle hat die britische Künstlerin Hannah Perry, Jahrgang 1984, mit „A Smashed Window And An Empty Room“ zwei großformatige Skulpturen und einem Film arrangiert. Hintergrund der Skulpturen: Der Suizid eines nahen Freundes veranlasste Perry, sich mit der Wirkung von Traumata auf den Menschen zu befassen.

Die Installation wirkt auf den ersten Blick sehr klar und formal, bei näherer Betrachtung dürfte sie vor allem Technik-Fans begeistern. Die erste Skulptur besteht aus einer hauchdünnen chromefarbenen Vinyl-Folie, die mit äußerster Genauigkeit auf ein Stahl-Gerüst gespannt wurde. Die Folie wird üblicherweise im Autotuning-Bereich verwendet. Ihre schimmernde Spiegeloberfläche wummert leicht vor sich hin, denn die Installation hat ein Innenleben. An der Rückseite sind gigantische Bass-Boxen montiert.

Aberwitzige Skulptur

Die Arbeit weckt Assoziationen an abschottende Membranen, aber auch an den Schutz vor Kollisionen in der Automobil-Welt. Sie erzählt auf sehr vieldeutige Weise von der Verletzlichkeit des Menschen. Die zweite, ebenfalls sehr technische und ein wenig aberwitzige Skulptur besteht aus polierten Stahlelementen, die an einen Bewegungssimulator angeschlossen sind. Auf Knopfdruck startet eine zweiminütige Choreografie, in der die Stahlplatten einander „küssen“, aber auch lautstark und ziemlich gewalttätig aufeinanderprallen.

Im zweiten Stock hingegen sind Arbeiten der Französin Marguerite Humeau, Jahrgang 1986, zu sehen. In „Ecstasies“ betritt der Besucher eine Welt aus Venus-Skulpturen, Matratzen, die zum Hinlegen einladen, Infrarotstrahlern und Boxen, aus denen mal leises, mal laut hechelndes Atmen dröhnt. Humeau verweist – teilweise spekulativ, teilweise wissenschaftlich belegt, auf die Zeit von vor 150.000 Jahren, als sich eine Gruppe Frauen psychoaktive Substanzen in Form von Tierhirnteilen einverleibte. Für die Künstlerin sind die daraus folgenden Trance- und Ekstasezustände der Eintritt in das „Unbewusste“ als mythischer Ort. Humeau möchte den Besuchern diese Erfahrungswelt näher bringen, doch am Ende bleibt es eher bei einer interessanten Versuchsanordnung.

Hannah Perry: „A Smashed Window And
An Empty Room“, Marguerite Humeau: „Ecstasies“
bis 28.4., Kunstverein in
Hamburg, Klosterwall 23, Di bis So 12 bis
18 Uhr; www.kunstverein.de